Miesbach - Es war der 29. Februar vor 25 Jahren, als eine inzwischen zum Kult gewordene TV-Puppe das Licht der Welt erblickte. Dabei wäre "Bernd das Brot" beinahe eine Figur geworden, die sehr stark an Adolf Hitler erinnert hätte. Darüber erzählt Mit-Erfinder Tommy Krappweis (52) in einer aktuellen Podcast-Episode.
Der Auftrag, den man damals vom Kinderkanal (KiKA) bekam: Drei Figuren erschaffen, die als Sender-Maskottchen die Zuschauer begeistern sollen.
Es entstanden "Chili das Schaf", "Briegel der Busch" und ... ein Kaktus. Ein schlecht gelaunter Kaktus.
Schon früher erzählte Krappweis von der Überlegung einer Figur, die als Ex-Soldat, der einen Arm verloren hatte und ein Barett trug, für die mürrische Comedy eingebaut werden sollte.
Kurz vor dem Treffen mit dem Senderchef wurde ihnen in einer Pizzeria plötzlich klar, dass sie einen Charakter erschaffen haben, der beim Heben des Arms sehr "Hitler-mäßig" aussah.
In der aktuellen Folge des Podcasts "Puppkultur" greift Krappweis die Geschichte kurz auf. Panisch suchte man nach einer neuen Idee. Und sie musste ihnen schnell einfallen.
Mit-Erfinder Norman Cöster (49) griff plötzlich in das Körbchen am Tisch, hob eine Scheibe hoch und sagte: "Brot ist lustig". Steile These. Und der damalige Entscheider Frank Beckmann (59) musste auch noch überzeugt werden.
Senderchef: "Das ist die bekloppteste Idee, die ich jemals gehört habe"
Krappweis berichtet von dessen Reaktion: "Er meinte: 'Das ist die bekloppteste Idee, die ich jemals gehört habe'. Daraufhin haben wir schon angefangen, zusammenzupacken. Und dann sagte er: 'Genau so machen wir es'."
Schnell wurde "Bernd das Brot" der heimliche Star des Puppen-Trios. Beckmann konnte diese Entscheidung, einem sprechenden Brot eine Show zu geben, alleine treffen.
Nur darum ist es überhaupt möglich gewesen, dass die Kult-Puppe so existieren konnte, wie man sie heute kennt. "Du kannst – davon bin ich felsenfest überzeugt, heute mehr denn je – so was nicht in einem Gremium verabschieden. Das ist absolut undenkbar", so der Schöpfer.
"Wir sind der festen Überzeugung mittlerweile, dass mehr als drei Leute an einem Tisch nicht in der Lage sind, etwas wirklich Kreatives zu schaffen."
Weitere Geschichten und Anekdoten – beispielsweise, warum die Figur mehrmals die Farbe änderte – hört man in der aktuellen Ausgabe vom "Puppkultur"-Podcast.
Da erfährt man dann auch, warum die Kripo wegen des Kult-Brotes zu einer Hausdurchsuchung vorbeikam, wie 9 Millionen Euro verschwinden konnten und warum einige Episoden auf dem Index landeten. Mist!