"Markus Lanz": So reagiert Grüne auf Frage, ob sie eigene Kinder in Krieg ziehen lassen würde
Hamburg/Berlin - Mit einem milliardenschweren Finanzpaket soll die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands verbessert werden. In welchen Bereichen dabei die meisten Probleme existieren, wollte Markus Lanz (56) in seiner Sendung vom Donnerstagabend klären. Dafür hatte er unter anderem Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge (40) sowie André Wüstner (51), Oberst des Heeres der Bundeswehr, zu Gast.

Der Soldat erklärte zunächst: "Geld alleine macht nicht glücklich. Da sind jetzt große Herausforderungen mit Blick auf Infrastruktur, Material und Personalgewinnung - als größte und die strategische Herausforderung schlechthin - vorhanden."
Es fehle beispielsweise extrem an Tankfahrzeugen. Das deutsche Heer bräuchte für eine ausreichende Wehrfähigkeit im Kriegsfall ungefähr 1000 Stück. Derzeit besitze man 70 Fahrzeuge. Alleine 60 davon müsse man bald für die Brigade nach Litauen geben.
"Ich will damit deutlich machen, wie enorm die Lücke zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit ist", so Wüstner. Die Material-Diskrepanz sei mit der Industrie aber lösbar, wenn man jetzt die richtigen Entscheidungen treffe. "Das viel größere Problem ist die Personalgewinnung. Wir schrumpfen, wir überaltern."
Es brauche die Wehrpflicht, aber mit entsprechender Erklärung: "Es geht nicht darum, Krieg zu führen. [...] Wir müssen die Bedrohungssituation wahrnehmen und abschreckungsfähig werden", sagte der 51-Jährige im Hinblick auf das russische Aufrüsten und die wachsende Skepsis von Trump über Europa.
Markus Lanz konfrontiert Grüne mit privater Frage

Im Anschluss an die Analyse Wüstners wollte Markus Lanz die Position der Grünen zum Thema Personalgewinnung bei der Bundeswehr hören. Dazu stellte er Katharina Dröge eine sehr private Frage.
"Ich weiß gar nicht, ob Sie Kinder haben - nur ein theoretisches Gedankenspiel. Wären Sie bereit, Ihre Söhne - wenn Sie welche hätten - oder auch Ihre Tochter in einen Krieg ziehen zu lassen, zur Waffe greifen zu lassen, um dieses Land zu verteidigen?", wollte der Moderator wissen.
Mit andächtigem Blick zuhörend sagte die Politikerin: "Über meine Familie möchte ich konkret wirklich nicht sprechen."
Weiter erklärte sie aber: "Diese Frage stellen sich natürlich alle Menschen auch jetzt gerade, weil wir wieder im Bundestag über die Wehrpflicht diskutieren. Unsere grüne Haltung ist, dass wir für eine Freiwilligkeit sind, weil es eine so ethische und persönliche Frage ist, aber wir sehen den großen Bedarf, auch mehr junge Menschen davon zu überzeugen, diese Entscheidung zu treffen [...]."
Die ganze, rund 76-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: ZDF/Cornelia Lehmann