"Erklär-Bär" für AfD: Frauke Petry hätte bei Markus Lanz lieber über wichtige Probleme gesprochen

Hamburg - Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry (49) musste bei Markus Lanz (56) als "Erklär-Bär" für ihre frühere Partei herhalten.

Frauke Petry (49) schlüpfte in der Talkshow "Markus Lanz" in die Rolle des "Erklär-Bären".
Frauke Petry (49) schlüpfte in der Talkshow "Markus Lanz" in die Rolle des "Erklär-Bären".  © ZDF/Markus Hertrich

Als einzige Frau in der Runde wollte die gebürtige Dresdnerin viel lieber über die "Probleme im Land" reden, doch was Lanz am Donnerstagabend mehr interessierte, war ihre Einschätzung über die heutige AfD - jener Partei, die Petry bis zu ihrem Austritt 2017 als Bundesvorsitzende angeführt hatte.

Direkt zu Beginn der Sendung stellte Petry klar: "Ich habe das Gefühl, immer wieder den Erklär-Bären für die AfD spielen zu sollen." Das funktioniere jedoch nicht, weil sich die Partei inzwischen "massiv" verändert habe.

Ungeachtet dessen musste sie diese Rolle dennoch übernehmen - was ihr letztlich auch überraschend gut gelingen sollte.

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Die 49-Jährige stach nicht nur allein deshalb aus der ansonsten blassen Diskussionsrunde heraus, weil sich ihr Dress farblich von dem schwarzen Meer an männlichen Anzugträgern abhob. Vielmehr schaffte es Petry, ihre frühere Partei sachlich zu zerpflücken, ohne zuschauende AfD-Anhänger zur Weißglut zu treiben.

Grundsätzlich sei der "menschliche Umgang" mit der AfD falsch, erklärte Petry in Bezug auf die jüngste Wahl der Bundestagsvizepräsidenten, bei der ein AfD-Kandidat mal wieder kläglich gescheitert war. Ihn nicht zu wählen, sei demokratisch gesehen zwar vollkommen legitim, doch es entsende eine fatale Botschaft an die Wähler.

"Die politische Botschaft, die hängen bleibt, ist: Man redet nicht miteinander." Doch genau darum gehe es doch, so Petry weiter: "Wir leben am Ende alle in einem Land, in einer Gesellschaft."

Frauke Petry warnt: "Höcke-Netzwerk hat Partei übernommen"

Die ehemalige AfD-Bundesvorsitzende war am Donnerstagabend die einzige Frau in der Runde von Markus Lanz (56, l.).
Die ehemalige AfD-Bundesvorsitzende war am Donnerstagabend die einzige Frau in der Runde von Markus Lanz (56, l.).  © ZDF/Markus Hertrich

Dafür, dass die übrigen Parteien auch gar nicht mit der AfD reden sollten, lieferte Petry kurze Zeit später, mehr oder weniger unbeabsichtigt, ebenfalls Argumente: "Das Höcke-Netzwerk hat die Partei spätestens seit 2017 übernommen."

Vor allem wegen Björn Höcke (52) warf Petry im AfD-Bundesvorstand einst das Handtuch. "Aus meiner Sicht vertritt Herr Höcke ein klar nationalsozialistisches Weltbild", sagt sie heute. Den derzeitigen AfD-Landeschef aus Thüringen damals nicht aus der Partei auszuschließen, sei ein Fehler gewesen.

Dass viele Wähler sich von dem rechten Gedankengut innerhalb der AfD trotzdem nicht abschrecken lassen, wundert Petry dagegen nicht: "Die Wähler wollen es nicht mehr hören!" Laut Petry seien so viele Menschen, die überhaupt nichts mit der Rechtsaußen-Partei zu tun gehabt hätten, als "Querdenker" oder "Nazis" bezeichnet worden, dass es zu einer "emotionalen Solidarisierung" mit der AfD gekommen sei.

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Im Bestreben, die zur AfD abgewanderten Wähler zurückzugewinnen, sei Hopfen und Malz aber noch nicht verloren, ließ Petry durchblicken: "Aus meiner Sicht ist die Lösung zwar anstrengend, aber im Kern relativ einfach: Wir müssen die Probleme lösen." Dazu zählte die frühere Parteichefin vor allem die Themen Wirtschaft, Energie, Bürokratie und Migration. Welche Partei die Lösung letztendlich übernehme, sei den Wählern völlig egal, so Petry.

Zum Ende der Talkshow sorgte Markus Lanz dann selbst noch für einen Schmunzler. Nachdem Petry sich darüber geärgert hatte, dass die ganze Sendezeit dafür genutzt worden sei, um über die AfD und nicht über die wirklichen Probleme zu debattieren, konterte der Moderator trocken: "Wir reden dreimal in der Woche auch über solche Themen."

Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich

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