Bela B über Macht und Missbrauch in der Musikwelt: "Erbärmlich und typisch männlich"

Berlin - Musiker Bela B (62) von der Berliner Rockband "Die Ärzte" hat einen Roman über Missbrauch und Machtspiele im Rockbusiness veröffentlicht.

Bela B (62) thematisiere in dem Buch keine Einzelfälle, sondern ein Verhaltensmuster, das sich in verschiedenen Zusammenhängen wiederhole.
Bela B (62) thematisiere in dem Buch keine Einzelfälle, sondern ein Verhaltensmuster, das sich in verschiedenen Zusammenhängen wiederhole.  © Henning Kaiser/dpa

Seit 1982 sind "Die Ärzte" eine der größten deutschen Rockbands. Viele Songs handeln von Tabuthemen - wie sein neues Buch "Fun".

Der Roman behandelt das Missbrauchssystem einer fiktiven deutschen Rockband. Unter anderem, wie die verschiedenen Figuren mit dem Thema umgehen. Konkret behandele er "Patriarchale Strukturen, die zur Ausbeutung der Frau im sexuellen Sinne führen, die Frau als Trophäe, als Bedienstete männlicher Bedürfnisse", so der 62-Jährige im Interview mit dem Spiegel.

Die Musiker und meisten anderen Männer in seinem Buch hätten ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität. Er thematisiere in dem Buch keine Einzelfälle, sondern ein Verhaltensmuster, das sich in verschiedenen Zusammenhängen wiederhole.

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Bela B erzählt dies anhand von Geschichten um die Musiker der fiktiven Band.

So beschreibt er einen Securitychef, der eine Frau kennt, die gern mit Bands herumhängt. Um in den Backstage-Bereich zu kommen, müssen sie und eine Freundin ein paar Fotos von sich an den Securitychef schicken.

Für ihn sei dieses Verhalten im echten Leben "erbärmlich und typisch männlich". Konkrete Fälle seien ihm nicht bekannt, "aber wenn man hätte hinschauen wollen, hätte man das über die Jahrzehnte überall entdecken können."

Buch von Bela B erinnert an Vorwürfe gegen Till Lindemann

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen gegen Till Lindemann (62) mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen gegen Till Lindemann (62) mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.  © Malte Krudewig/dpa

Der Roman erinnert an die Vorwürfe gegen den Rammstein-Frontsänger Till Lindemann (62) im Jahr 2023, die er zurückgewiesen hatte. Damals hieß es, dass er Frauen sexuell missbraucht und belästigt habe.

Auch die Berliner Staatsanwaltschaft hatte im August 2023 ihre Ermittlungen gegen den Rockstar mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

"Mein Buch hat mit diesem Fall allenfalls zufällige Überschneidungen", offenbart der Schlagzeuger.

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Es liege ihm nichts daran, von einem Skandal von vor zwei Jahren zu profitieren. Dass eine Diskussion über den Fall stattfand, finde er dennoch richtig. Allerdings könne man nicht alles daran festmachen.

Das neu erschienene Buch "Fun" ist bereits sein zweiter Roman. 2019 veröffentlichte er "Scharnow", eine deutsche Interpretation des amerikanischen "Pulp Fiction".

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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