Prozess gegen RAF-Terroristin startet am Dienstag mit "kämpferischer" Klette
Von Christina Sticht
Celle - Jahrzehntelang war die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette untergetaucht, am Dienstag wird sich die Öffentlichkeit ein Bild von der heute 66-Jährigen machen können.

Dann beginnt unter großen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen die mutmaßliche Räuberin - nach einer Serie von 13 Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter.
Die Staatsanwaltschaft Verden wirft Klette unter anderem versuchten Mord vor, weil bei einem Überfall im Jahr 2015 Schüsse fielen. Von ihren mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub (70) und Burkhard Garweg (56) fehlt jede Spur.
In dem Prozess vor dem Landgericht Verden geht es lediglich um die Raubserie. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich Klette, Garweg und Staub zu einer Bande zusammenschlossen, um mit den Überfällen ihr Leben im Untergrund zu finanzieren.
Dabei sollen sie zwischen 1999 und 2016 mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet haben. Aus Sicherheitsgründen wird zunächst nicht im Landgericht Verden, sondern im Staatsschutzsaal des Oberlandesgerichts Celle verhandelt.
Frühestens Ende Mai soll ein den Sicherheitsanforderungen entsprechender Saal im Landkreis Verden zur Verfügung stehen.
Klette könnte noch einen weiteren Prozess in anderer Sache bekommen

Die Anklage gegen Klette umfasst laut einer Sprecherin des Landgerichts Verden mehr als 600 Seiten. Für den ersten Prozesstag ist die Verlesung des Anklagesatzes vorgesehen.
Überdies hat Klettes Verteidiger Lukas Theune eine kurze Erklärung seiner Mandantin angekündigt. Daniela Klette blicke "kämpferisch" auf das Verfahren, sagte Theune vorab der dpa. Die Verteidigung fordert ein faires Verfahren. "Frau Klette soll nicht besser oder schlechter gestellt werden als irgendeine andere angeklagte Person", sage der Anwalt.
Seit März 2024 gilt auch ein Haftbefehl der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gegen Klette. Ihr wird versuchter Mord in zwei Fällen sowie versuchte und vollendete Sprengstoffexplosion in Mittäterschaft bei drei RAF-Anschlägen vorgeworfen.
Es könnte also noch eine weitere Anklage und einen weiteren Gerichtsprozess gegen Klette geben - unabhängig von dem Verfahren um die Raubserie. Die Mitgliedschaft in der terroristischen RAF an sich ist laut Bundesanwaltschaft inzwischen verjährt.
Titelfoto: Tim Brakemeier/dpa, Uli Deck/dpa (Bildmontage)