"Letzte Generation" hat neuen Namen: Klimakleber spalten sich auf und kündigen Widerstand an
Berlin - Kurz vor Weihnachten hat die "Letzte Generation" ihr eigenes Ende verkündet - aber auch einen Neuanfang. Wie der aussehen soll, hat jetzt der Aktivist Raphael Thelen (40) in einem ausführlichen Interview angedeutet.

"Neue Generation" lautet ab sofort der Name der Klimakleber, erzählte der langjährige Reporter dem "Spiegel". Der 40-Jährige war unter anderem selbst für das Nachrichtenmagazin tätig, bevor er sich vor circa zwei Jahren dazu entschloss, nicht mehr als Journalist zu arbeiten und sich den Klimaaktivisten anzuschließen.
"Wir wagen den Aufbruch. Unsere Welt könnte so viel besser sein, wenn wir losgehen", kündigte Thelen an. Es sei eine Evolution der Letzten Generation, die Lage habe sich geändert und man habe sich weiterentwickelt.
Und die Neue Generation hat seiner Aussage zufolge großes vor: "Wir leisten weiter Widerstand und setzen das um, was die Letzte Generation lange gefordert hat: unser eigenes Parlament." Die Gruppe will demnach "ein großes Kuppelzelt mitten auf die Wiese vor den Bundestag" stellen, in dem gemeinsam Antworten entwickelt werden. Dieses "Parlament der Menschen" soll ab Mai eingeführt werden.
In erster Linie beschäftigt die Aktivisten jetzt nämlich die Frage: "Wie können wir das große Geld aus der Politik herausdrängen?", und natürlich werde weiterhin laut gegen die "eskalierende Klimakrise" protestiert.
Als Kern der Krisen bezeichnete Thelen jedoch "unsere kaputte Demokratie" und erlaubte sich einen Seitenhieb auf den designierten Bundeskanzler Friedrich Merz (69), der "selbst ein paar Millionen auf dem Konto hat und gern vor seinem privaten Flugzeug posiert".
Was ist das Widerstands-Kollektiv?

Der Widerstand werde überall in Deutschland fortgeführt, denn die eigenen Parlamente sollen auch lokal stattfinden und Menschen zusammenbringen. "Wir kreieren ein demokratisches Netz quer durch unser Land", verkündete der ehemalige Reporter.
Mitmachen dürften alle, die "Bock auf große Veränderung haben". Am Ende solle ein Gesellschaftsrat entstehen, der repräsentativ gelost werde. "So schützen wir uns vor dem Einfluss der Rechten und der Reichen", ließ Thelen wissen.
Er dürfte künftig eines der Gesichter der Gruppierung sein. "Gemeinsam mit anderen habe ich die neue Strategie erarbeitet und freue mich darauf, bei der Umsetzung Verantwortung zu übernehmen", eröffnete er.
Und was, wenn der Plan vom eigenen Parlament fehlschlägt? "Wir sind immer noch eine Widerstandsbewegung", machte der 40-Jährige klar. Man wolle so viel Druck aufbauen, dass die Regierung sich schlichtweg bewegen müsse. "Im Zweifel gehen wir in den Protest". Schließlich habe man in den vergangenen Jahren Tausende Menschen in zivilem Ungehorsam trainiert.
Und dann ist da noch ein Plan B, denn die Gruppe hat sich offenbar aufgespaltet: "Neben der Neuen Generation wird es auch noch das Widerstands-Kollektiv geben", gab Raphael Thelen bekannt. Der neuformierte Zweig setze überwiegend auf direkte Aktionen und wolle "die Klimaziele selbst umsetzen und damit das gute Leben für alle schaffen". Wie das konkret aussehen soll, verriet er nicht. Droht hier neues Ungemach?
Titelfoto: Swen Pförtner/dpa, Screenshot/Instagram/raphael_thelen (Bildmontage)