Israel-Krieg: UN und Israel machen sich gegenseitig Vorwürfe

Israel - Die humanitäre Notlage im umkämpften Gazastreifen spitzt sich weiter zu.

Palästinenser tragen Säcke mit Mehl, nachdem sie ein Lagerhaus des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in Zawaida im zentralen Gazastreifen gestürmt haben.
Palästinenser tragen Säcke mit Mehl, nachdem sie ein Lagerhaus des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in Zawaida im zentralen Gazastreifen gestürmt haben.  © Abdel Kareem Hana/AP/dpa

Bei einem tumultartigen Sturm auf ein großes Lagerhaus des Welternährungsprogramms (WFP) im Zentrum des abgeriegelten Küstengebiets kamen nach Angaben der UN-Organisation mindestens zwei Menschen ums Leben, viele weitere seien verletzt worden.

"Horden hungriger Menschen" seien in das Lagerhaus eingedrungen, um an "zur Verteilung bereitgestellte Lebensmittel" zu gelangen, hieß es in einer Mitteilung auf X.

Augenzeugen berichteten, vor allem am Haupttor des Lagerhauses sei es zu großem Gedränge gekommen. Es gab zudem Berichte darüber, dass einige Menschen Teile der Metallwände eingerissen hätten, um sich Zugang zum Lager zu verschaffen.

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Auf Videos in den sozialen Medien war zu sehen, wie zahlreiche Menschen unter lautem Geschrei das Lagerhaus stürmen und plündern. Aus medizinischen Kreisen im Al-Aksa-Krankenhaus in Deir al-Balah hieß es, zwei Menschen seien erdrückt, zwei weitere durch Schüsse getötet worden.

Alle Entwicklungen zum Krieg in Gaza, Libanon und Israel findet Ihr hier im TAG24-Newsticker.

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29. Mai, 7.33 Uhr: Demonstrationen in Israel

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv demonstrierten unterdessen am Abend wieder Tausende Menschen für ein Ende des Kriegs und die sofortige Freilassung der Geiseln, die sich noch immer in der Gewalt der Hamas befinden.

Die Angehörigen erinnerten am Mittwoch daran, dass ihre Liebsten nun bereits seit 600 Tagen in Geiselhaft sind. Nach israelischen Angaben befinden sich derzeit noch mindestens 20 lebende Geiseln im Gazastreifen, wo die Hamas - zum Schutz vor Israels Militär - ein weit verzweigtes Tunnelsystem angelegt hat.

"In den Tunneln kannst du nicht wissen, ob ein Terrorist eines Morgens aufsteht und dich einfach erschießt oder ob der Tunnel, in dem du schläfst, durch eine Bombe gesprengt wird", schilderte Iair Horn, der im Februar freigekommen war und dessen Bruder Eitan noch immer als Geisel in Gaza festgehalten wird.

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Polizeibeamte nehmen Demonstranten fest während Familien von Geiseln und Unterstützer vor dem Hauptquartier der Likud-Partei bei einer Kundgebung demonstrieren.  © Ilia Yefimovich/dpa

29. Mai, 7.30 Uhr: Lage in Gaza "so düster wie nie zuvor"

Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 hat sich die Notlage der rund zwei Millionen Menschen in dem dicht besiedelten Küstengebiet drastisch verschärft. Nach 600 Tagen sei die humanitäre Lage "so düster wie nie zuvor", konstatiert das UN-Nothilfebüro.

"Die Zivilisten in Gaza haben die Hoffnung verloren", berichtete die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe für den Gazastreifen, Sigrid Kaag, dem UN-Sicherheitsrat in New York. "Anstatt "Auf Wiedersehen" zu sagen, sagen die Palästinenser in Gaza jetzt "Wir sehen uns im Himmel"."

Der Tod sei ständiger Begleiter für die Zivilisten, nicht die Hoffnung. Der US-Chirurg Feroze Sidhwa zitierte vor dem mächtigen UN-Gremium Erkenntnisse der Organisation "War Child Alliance", laut der jedes zweite Kind in Gaza suizidgefährdet ist.

Ein israelischer Bagger reißt ein palästinensisches Haus in der Stadt Yatta, südlich der Westjordanland-Stadt Hebron, ab.  © Mamoun Wazwaz/XinHua/dpa

29. Mai, 7.27 Uhr: UN und Israel machen sich gegenseitig Vorwürfe

Die Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) soll nach dem Willen der israelischen Regierung künftig für die Verteilung von Hilfsgütern zuständig sein. Hilfsorganisationen der UN und anderer internationaler Initiativen sollen so umgangen werden.

Das UN-Nothilfebüro übte scharfe Kritik daran und sprach von einem "militarisierten Verteilungssystem", das die Menschen gefährde und ihren Bedürfnissen nicht gerecht werde. "Die israelischen Behörden haben die Fähigkeit unserer Teams untergraben, echte, auf Prinzipien beruhende humanitäre Hilfe zu leisten."

Man beteilige sich nicht an Vorhaben, "die unsere Neutralität, Unparteilichkeit oder Unabhängigkeit untergraben". Hilfe dürfe "nicht als Waffe eingesetzt werden". Israels UN-Botschafter Danny Danon warf den UN wiederum "Erpressung und Drohungen" gegen humanitäre Organisationen vor, die mit der GHF zusammenarbeiteten.

Lastwagen mit dem Logo des Welternährungsprogramms liefern Hilfsgüter über den Grenzübergang Kerem Shalom nach Gaza.  © Ilia Yefimovich/dpa

29. Mai, 7.07 Uhr: Umstrittene Stiftung weist Berichte zurück

Angesichts der monatelangen Blockade von Hilfsgütern durch Israel, die erst zuletzt etwas gelockert worden war, sind viele Menschen in dem Küstenstreifen in einer verzweifelten Lage - es fehlt an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Bereits in den vergangenen Tagen gab es Berichte über Plünderungen und einen Sturm auf ein neues Verteilzentrum, das von der umstrittenen Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) betrieben wird.

Die Stiftung wies jedoch Berichte über Tote, massenhaft Verletzte und Chaos an den von ihr eingerichteten Verteilzentren in Gaza zurück. An keinem Standort der GHF habe es Todesfälle gegeben. "Berichte, die anderes behaupten, stammen von der Hamas und sind falsch", hieß es.

Humanitäre Hilfsgüter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen am Grenzübergang Kerem Schalom zum Gazastreifen auf israelischer Seite.  © Christoph Soeder/dpa

28. Mai, 21.18 Uhr: Tote bei Ansturm auf UN-Lager mit Hilfsgütern in Gaza

Nach dem tumultartigen Sturm auf ein großes Lagerhaus des UN-Welternährungsprogramms (WFP) im Gazastreifen hat es nach palästinensischen Angaben mehrere Tote gegeben.

Zwei Menschen seien im dichten Gedränge tödlich erdrückt, zwei weitere durch Schüsse getötet worden, hieß es aus medizinischen Kreisen im Al-Aksa-Krankenhaus in Deir al-Balah.

Das WFP bestätigte den Sturm auf ein Lagerhaus der Organisation im Zentrum des umkämpften Gazastreifens. "Horden hungriger Menschen" seien in das Lagerhaus eingedrungen, um an die "zur Verteilung bereitgestellten Lebensmittel zu gelangen", hieß es in einer bei X veröffentlichten Mitteilung.

Nach einer monatelangen Blockade von Hilfsgütern durch Israel sind die Menschen im Gazastreifen verzweifelt. Sie stürmten ein Lagerhaus der UN.  © Eyad BABA / AFP

28. Mai, 17.13 Uhr: Hamas-Anführer Mohammed al-Sinwar getötet

Das israelische Militär hat nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu den Bruder des einstigen Hamas-Anführers Jihia al-Sinwar, Mohammed al-Sinwar, getötet.

In einer Rede im Parlament zählte Netanjahu mehrere von Israel getötete Hamas-Führer auf, dabei erwähnte er auch Mohammed al-Sinwar. Dieser galt nach dem Tod seines Bruders als neuer starker Mann in der islamistischen Miliz.

Laut Netanjahu hat Israels Militär den Chef des bewaffneten Arms der Islamistenorganisation getötet.  © Ronen Zvulun/Pool Reuters/AP/dpa

28. Mai, 16.23 Uhr: Gaza-Stiftung meldet Eröffnung von zweitem Verteilungszentrum

Die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) hat nach eigenen Angaben ein weiteres Verteilungszentrum für humanitäre Hilfsgüter im Gazastreifen eröffnet. Dort sei ohne Zwischenfälle Lebensmittelhilfe aus acht Lastwagen verteilt worden, hieß es in der Mitteilung der Stiftung.

An den zwei eröffneten Verteilungszentren seien bisher 14.550 Lebensmittelpakete verteilt worden. Jedes Paket könne 5,5 Menschen dreieinhalb Tage lang ernähren. Es handele sich um 840.262 Mahlzeiten.

Auch an der ersten Verteilungsstation in Rafah seien neue Lebensmittel angekommen und sollten dort verteilt werden.

28. Mai, 12.25 Uhr: Ein Toter und Dutzende Verletzte bei Gaza-Hilfsaktion

Bei einer umstrittenen Hilfsaktion im Süden des Gazastreifens sind nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros eine Person getötet und 47 verletzt worden.

Laut den derzeit vorliegenden Informationen habe das israelische Militär am Dienstag Schüsse abgegeben, sagte UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

28. Mai, 6.23 Uhr: Stiftung beklagt Behinderungen durch Hamas

Angesichts einer monatelangen Blockade von Hilfsgütern durch Israel, die zuletzt etwas gelockert worden war, hat sich die verzweifelte Lage vieler Menschen in dem umkämpften Küstenstreifen nochmals verschlimmert.

In dem von rund zwei Millionen Palästinensern besiedelten Gebiet, das zu weiten Teilen zerstört ist, fehlt es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und nahezu allen Dingen des täglichen Bedarfs. Die GHF soll nach dem Willen der israelischen Regierung künftig für die Verteilung der Hilfsgüter zuständig sein.

Allerdings sei es wegen Behinderungen durch die islamistische Hamas zu mehreren Stunden Verzögerung bei der Auslieferung gekommen.

Die GHF soll nach dem Willen der israelischen Regierung künftig für die Verteilung der Hilfsgüter zuständig sein.  © Moaz Abu Taha/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

28. Mai, 6.22 Uhr: Gaza-Hilfslieferungen sollen trotz Tumulten weitergehen

Die Verteilung von Hilfsgütern im umkämpften Gazastreifen durch eine neue Stiftung soll trotz anfänglicher Tumulte weitergehen.

Das teilte die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) nach Berichten über die Stürmung eines neuen Verteilungszentrums im Süden des Küstenstreifens und Plünderungen mit - dabei soll es laut palästinensischen Angaben mehrere Tote und Dutzende Verletzte gegeben haben.

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