Fall Émile (†2): Ermittler geben schockierende Details bekannt

Aix-en-Provence (Frankreich) - Das traurige Schicksal des kleinen Émile (2) hält Frankreich in Atem. Nachdem vier Familienmitglieder des kleinen Jungen überraschend festgenommen wurden, sind die Verdächtigen wieder auf freiem Fuß. Außerdem gaben die Ermittler neue Details bekannt.

Émile (†2) verschwand im Juli 2023.
Émile (†2) verschwand im Juli 2023.  © Screenshot/X/Gendarmerie nationale

Die Großeltern, die Tante und der Onkel des im Juli 2023 verschwunden Jungen wurden nach mehr als 48 Stunden in Polizeigewahrsam wieder freigelassen. Das berichten unter anderem die Sender BFMTV und France Bleu. Die erhobenen Vorwürfe haben sich offenbar nicht bestätigt.

"Für sie ist das eine Erleichterung", sagte die Anwältin von Émiles Großmutter.

Die Familienmitglieder wurden am Dienstagmorgen überraschend festgenommen und auf eine Polizeiwache nach Marseille gebracht. Das Anwesen der Großeltern wurde in der Folge durchsucht. Auch das Auto des Großvaters und ein Pferdeanhänger wurden beschlagnahmt.

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Die Großeltern wurden unter anderem des Totschlags und des Verbergens einer Leiche beschuldigt. Nach französischem Recht können Verdächtige maximal 48 Stunden in Polizeigewahrsam gehalten und von Kriminalbeamten vernommen werden. Erlässt ein Ermittlungsrichter in dieser Zeit keinen Haftbefehl, müssen die Verdächtigen freigelassen werden.

Der Junge war zu Besuch im Haus seiner Großeltern, als er am 8. Juli 2023 plötzlich verschwand.
Der Junge war zu Besuch im Haus seiner Großeltern, als er am 8. Juli 2023 plötzlich verschwand.  © CLEMENT MAHOUDEAU / AFP
Zwei Gendarmen stehen vor dem Haus der Großeltern.
Zwei Gendarmen stehen vor dem Haus der Großeltern.  © CLEMENT MAHOUDEAU / AFP
Ein Schatten liegt über dem beschaulichen Alpendorf Le Haut-Vernet. Vor 20 Monaten verschwand dort der kleine Émile.
Ein Schatten liegt über dem beschaulichen Alpendorf Le Haut-Vernet. Vor 20 Monaten verschwand dort der kleine Émile.  © NICOLAS DUCAT / AFP

Ermittler geben weitere Details bekannt: Émile wurde umgebracht

Émile verschwand am 8. Juli 2023 während eines Besuchs bei seinen Großeltern im französischen Bergdorf Le Haut-Vernet aus deren Garten. Zwei Zeugen sagten aus, dass sie gesehen hätten, wie der kleine Junge die Straße herunterlief. Dann verlor sich seine Spur. Im März 2024 fand eine Spaziergängerin Teile seines Schädels.

Inzwischen ist sich die Polizei sicher, dass Émile eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Die Untersuchung der gefundenen Leichenteile hätte ergeben, dass sich am Schädel "anatomische Stigmata befänden, die auf ein gewaltsames Gesichtstrauma hindeuteten", sagte Staatsanwalt Jean-Luc Blachon in einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag.

Außerdem legen die Ermittlungen nahe, dass der kleine Junge nicht an der Fundstelle gestorben sei. "Die Schlussfolgerungen der Expertenberichte lassen nun darauf schließen, dass die Kleidungsstücke und Knochen kurz nach ihrer Entdeckung transportiert wurden", so der Staatsanwalt. "Die Leiche des Kindes verweste nicht in der im Wald gefundenen Kleidung", fügte er hinzu.

Man habe 248 Zeugen befragt, 27 Fahrzeuge gründlich untersucht und eine Fläche von 285 Hektar durchkämmt. Tausende Berichte wurden angefertigt.

Zuvor gab es eine weitere Wendung in dem Fall. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich der Taufpriester des kleinen Jungen das Leben genommen hat. Er galt als enger Vertrauter der Familie, das Verhältnis war zuletzt jedoch angespannt. Der Geistliche hinterließ einen Abschiedsbrief.

Erstmeldung vom 27. März um 8.24 Uhr; Update um 11.10 Uhr.

Titelfoto: Montage: Screenshot/X/Gendarmerie nationale, Clement MAHOUDEAU / AFP

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