Noch immer keine Tournee für Skispringerinnen: Warum ist das so?
Garmisch-Partenkirchen - Seit Jahren wünschen sich auch die Skispringerinnen eine Vierschanzentournee und fest steht: Die Tournee für Katharina Althaus (26) und ihre Kolleginnen soll kommen. Doch wann wird es endlich so weit sein?
Eigentlich war eine erste Ausgabe der Tournee für den kommenden Winter geplant. Das wird nun allerdings wieder nichts. Einige Springerinnen sind deshalb entsprechend zunehmend genervt. Warum ist es so schwierig, das Event zu organisieren?
Den einen konkreten, offiziellen Grund gibt es bislang nicht - zumindest nicht öffentlich. Es gebe derzeit "noch viele zu berücksichtigende Faktoren, die eine frühere Einführung nicht ermöglichen", so die Präsidentin des Österreichischen Skiverbandes, Roswitha Stadlober (59), zuletzt. Das Event werde nicht vor der Saison 2024/25 stattfinden.
Der deutsche Team-Manager Horst Hüttel (54) ärgert sich über den erneuten Aufschub. "Die Leistung ist stetig gestiegen, die TV-Quoten, mit teilweise über 20 Prozent Marktanteil, sprechen doch für sich", sagte Hüttel der Bild-Zeitung über das Frauen-Skispringen. "Jedes Jahr, wo keine Frauen-Vierschanzentournee ausgetragen wird, ist ein verlorenes Jahr." Den ÖSV kritisiert er nicht. Problemfelder bei der Tournee-Planung sind:
Die Termine: Bei der Tournee finden rund um den Jahreswechsel meist vier Springen in neun Tagen statt.
Am Tag vor dem eigentlichen Wettkampf steht zudem die Qualifikation an. Der Terminkalender ist also ohnehin schon relativ voll mit Skisprung-Wettbewerben. Die Logistik ist aufwendig. Wie die Frauen-Tournee am besten in den Kalender hineinpasst, wird schon lange diskutiert. Ein Vorschlag, der immer wieder aufkam: Man könnte den Frauen-Wettkampf am Tag der Qualifikation der Männer durchführen. Dadurch ergäbe sich aber eine Schwierigkeit.
Vierschanzentournee für Skispringerinnen: Viele Fragen sind weiterhin offen
Die Unterbringung: Außer in Innsbruck findet die Tournee in kleinen Orten mit begrenzten Hotel-Kapazitäten statt. Die Unterbringung ist in der Ferienzeit mit zahlreichen Touristen schon heute schwierig. Bei zusätzlichen Wettkämpfen müssten Springerinnen oder Springer möglicherweise recht weit von den Wettkampfstätten entfernt wohnen.
Eine denkbare Lösung, die der Deutsche Skiverband für die Stationen im Auge hat: Die Frauen springen in Garmisch-Partenkirchen, während die Männer in Oberstdorf sind - und entsprechend umgekehrt.
Die Veranstaltungsorte: Während Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen als Austragungsorte festzustehen scheinen, ist offen, welche Rolle die Stationen des Silvester-Turniers der Springerinnen in Villach (Österreich) und Ljubno (Slowenien) in den Überlegungen hinsichtlich der Tournee spielen.
Vielen Athletinnen wären die traditionellen Schanzen als Austragungsstätten am liebsten. Doch ob und wenn ja, wann sie in Innsbruck und Bischofshofen springen werden, steht nicht fest.
Die Medien und Sponsoren: Ebenfalls noch unbeantwortet sind diese Fragen: Wie und in welcher Form würde die Veranstaltung von Zuschauern angesichts des ohnehin schon bestehenden Sprung-Programms mit festen Routinen angenommen werden? Welches Wettkampfprogramm wäre für die Fans und für die Sender am erstrebenswertesten? Auch diese Fragen und die damit verbundene Attraktivität für Sponsoren beschäftigt die Veranstalter.
Titelfoto: Barbara Gindl/APA/dpa