Österreich - Gefährliches Hilfsmittel? Der Horror-Sturz des französischen Ski-Stars Cyprien Sarrazin (30) in Bormio hallt immer noch nach. Im Zuge des brutalen Zwischenfalls fordert ein Nationaltrainer jetzt das Verbot eines zuvor eigentlich gefeierten Material-Kunstgriffs.
Mit speziellen Karbon-Schienbeinschonern fuhr der Franzose regelmäßig allen weg. Beim 30-Jährigen umhüllten die Protektoren sogar die kompletten Unterschenkel, wie der Schweizer Blick bereits Mitte Dezember berichtete.
Dadurch soll eine aggressivere Fahrweise und eine direktere Übertragung auf die Ski möglich sein. In Italien ging das allerdings schief, Sarrazin erlitt bei seinem Unfall eine schwere Kopfverletzung und bangt nun um seine Karriere.
Für den österreichischen Cheftrainer Marko Pfeifer (50) haben auch die Schienen ihren Anteil daran: "Diese Carbon-Einlagen, das verschärft die Situation natürlich noch massiv", sagte der ÖSV-Coach der Kronen-Zeitung.
"Es umschlingt den ganzen Unterschenkel bis zu den Knien, hat natürlich eine extreme Hebelwirkung", erklärte der Kärntener weiter. "Ich glaube, dass die zu aggressiven Abstimmungen solche massiven Verletzungen und die Vielzahl der Stürze schon forcieren."
Deswegen nimmt er den Weltverband in die Pflicht, nur die FIS könne "ein Machtwort sprechen" und den Material-Trick verbieten.
Josef Ferstl kritisiert Karbonschienen, Johan Clarey zweifelt an Zusammenhang
Zuvor hatte der ehemalige Top-Fahrer Josef Ferstl (36) gegenüber Sport Bild bereits in eine ähnliche Kerbe geschlagen.
"Durch die Karbonschiene gibt bei ihm gar nichts mehr nach, und Sarrazin wurde ausgehebelt, wie von einem Katapult weggeschleudert", so der Oberbayer.
2024 in Kitzbühel habe sich zwar gezeigt, wie nützlich die Wunderwaffe auf der Piste sein kann, doch bei Stürzen sei die damit verbundene Gefahr einfach zu groß. "Da geht es dann um Rollstuhl oder sogar um Leben und Tod", meinte der 36-Jährige.
Landsmann und Ex-Rennläufer Johan Clarey (44) zweifelte im Interview mit Eurosport hingegen an einer Mitschuld der Karbonschienen: "Ich bin nicht der Meinung, dass der Sturz damit in Zusammenhang steht. Auch drei andere Athleten stürzten an dieser Stelle."
"Dort gab es eine große Änderung der Schneeverhältnisse zu einer sehr eisigen Piste, die auf äußerst griffigen Schnee folgte. Das eigentliche Problem lag also eher in den sich verändernden Bedingungen als in seiner Ausrüstung", fügte der Franzose an.