Aue: Härtel als Mangelverwalter? "Die Jungs sind bereit!"
Aue - "So in der Form habe ich das sicherlich noch nicht erlebt", gab Erzgebirge Aues Coach Jens Härtel (55) offen und ehrlich zu, dass er in seiner langen Trainerkarriere eine derartige Situation, wie sie sich für ihn vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart II. darstellt, noch nicht gehabt habe.

Ständig verletzte oder erkrankte Spieler hindern ihn daran, das volle Potenzial abzurufen. Als es dann mal ging, drei Siege in Serie heraussprangen, riss sich Marcel Bär (32) die Achillessehne. Das Ergebnis seither: Keine Punkte, akute Abstiegsgefahr.
Wer Letzteres noch immer nicht begriffen hat oder sehen will, macht's wie Vogel Strauß. Kopf in den Sand und die Wirklichkeit ausblenden. Da hilft es nix, sich für gute Auftritte in Cottbus oder ein solides Spiel gegen Mannheim zu feiern. Null Punkte bleiben null Punkte.
Härtel ist nicht zu beneiden. Er wird sich den Einstand im Schacht anders vorgestellt haben, als es sich letztlich darstellt.
Zur Pressekonferenz am Donnerstag wirkte er wie Teile der Mannschaft durch die Grippewelle etwas angeschlagen. Die nicht wirklich griffigen Aussagen, wie es um die Mannschaft steht, kamen in den sozialen Medien nicht gut an. Da sprach man von einem lustlosen Auftreten.
Härtel kämpft gegen den Mangel und setzt auf den Teamgeist

Das kann man Härtel weiß Gott nicht unterstellen. Er muss einen Mangel verwalten - einen Personalmangel. Und das in einer Phase, wo jeder gefordert ist, wo du den Spielern aus den Augen und im Gespräch ablesen musst, dass sie Abstiegskampf können und mit der Situation nicht überfordert sind.
TAG24 wollte wissen, welchen mentalen Eindruck die Mannschaft vor dem Sechs-Punkte-Spiel gegen Aufsteiger Stuttgart macht.
Härtel: "Die Jungs sind bereit! Sie können die Tabelle lesen, und jeder weiß, dass es gegen Stuttgart kein Selbstläufer wird. Sie haben Dresden, Cottbus, Saarbrücken geschlagen und die wichtigen Spiele gegen Hannover II. und Sandhausen gezogen. Zweite Mannschaften spielen meist eine bessere Rück- als Hinrunde, und das sieht man jetzt. Wir müssen alle Kräfte mobilisieren!"
Mobilisiert hat auch die aktive Fanszene in den sozialen Medien. "Ich erhoffe mir totale Unterstützung, ein gut gefülltes Stadion, dass wir guten Support bekommen, die Mannschaft total gepusht wird und in der Lage ist, das ein oder andere Prozent mehr herauszuhauen. Einfach zusammenstehen und das Beste aus der Situation machen", wünscht sich Härtel.
Titelfoto: Bildmontage: PICTURE POINT / Gabor Krieg, Picture Point/Sven Sonntag