Welche große Rolle die Frau von Chemie Leipzigs Alipour beim Wechsel gespielt hat

Leipzig - Die BSG Chemie Leipzig hat seit dem 1. April einen neuen Trainer. Adrian Alipour möchte Grün-Weiß raus aus der Abstiegszone der Regionalliga Nordost führen, am besten schon mit einem Sieg im Stadtderby gegen Lok Leipzig am Sonntag. Im zweiten Teil des Interviews mit TAG24 gibt er unter anderem einen Einblick in die Kaderplanung.

Adrian Alipour (46), der neue Trainer von Chemie Leipzig, denkt gar nicht an einen möglichen Abstieg.
Adrian Alipour (46), der neue Trainer von Chemie Leipzig, denkt gar nicht an einen möglichen Abstieg.  © Silvio Bürger

TAG24: Chemie konnte in den vergangenen Wochen einige ganz wichtige Punkte für den Klassenerhalt sammeln. Warum reicht es aber noch nicht, solche Spiele wie gegen Chemnitz (2:2) und Greifswald (0:0) zu gewinnen, wenn man über weite Strecken das bessere Team ist?

Alipour: Es waren natürlich trotzdem wichtige Punkte, die wir geholt haben. Im Abstiegskampf ist jeder Zähler Gold wert und die Gegner waren ja auch kein Fallobst. Aber natürlich wären auch, wenn man sich die Spielverläufe anschaut, Dreier drin gewesen.

Trotzdem können die Jungs mit der Leistung zufrieden sein. Ich möchte hier aber auch meine eigene Idee umsetzen. Das werde ich mit den Jungs besprechen und dann schauen wir, ob wir mit den Punkten schon gegen Lok Leipzig beginnen können.

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TAG24: Chemie ist tabellarisch noch nicht aus dem Gröbsten raus. Gilt Ihr Vertrag auch für eine Liga tiefer?

Alipour: Wir werden keine Liga tiefer auflaufen. Wir werden definitiv die Liga halten. Die Mannschaft glaubt an sich, wir glauben alle an die Mannschaft. Wir beschäftigen uns nicht mit der Oberliga. Ich möchte hier lange bleiben, da geht es nicht um eine Ligazugehörigkeit.

Chemie Leipzigs Adrian Alipour mit viel Rückhalt aus der Familie

Insgesamt feierte Alipour in Meppen 24 Siege in 38 Partien, verlor nur sieben Duelle und wies eine Torausbeute von 90:52 sowie einen Punkteschnitt von 2,08 auf.
Insgesamt feierte Alipour in Meppen 24 Siege in 38 Partien, verlor nur sieben Duelle und wies eine Torausbeute von 90:52 sowie einen Punkteschnitt von 2,08 auf.  © IMAGO / Werner Scholz

TAG24: Ihre Bilanz in Meppen war eigentlich sehr gut. Können Sie darüber sprechen, warum es dort nicht weiterging und Sie sich jetzt dafür entschieden haben, in einer ganz andere Ecke Deutschlands zu trainieren? Was bedeutet der Wechsel nach Leipzig auch familiär?

Alipour: Zum Zeitpunkt der Trennung bin ich extrem enttäuscht gewesen, weil ich mich bei dem Klub sehr wohlgefühlt hatte. Am Ende des Tages gibt es halt manchmal Verantwortliche, die eine andere Idee haben - und das muss man akzeptieren. Ich hatte aber ein fantastisches Jahr. Ich bin weit davon entfernt, etwas Böses über den Klub zu erzählen.

Aber jetzt bin ich hier bei Chemie. Ich möchte nicht, dass das hier nur ein Kapitel, sondern eine richtig gute Geschichte wird.

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Meine Frau steht unglaublich hinter mir. Als die Anfrage von Chemie kam, hat sie sofort alles gegoogelt. Wir haben uns auf YouTube die Stadt angeguckt. Sie hat dort eine gewisse Vorfreude für sich entwickelt. Wir kommen mit den Leuten auch einfach hier wunderbar zurecht, weil die hier alle bodenständig und geradeaus sind, genauso wie wir. Und ja, wenn du eine zufriedene Frau hast, dann fällt das alles natürlich sehr viel leichter (lacht).

Chemie Leipzig will Umbruch im Sommer vermeiden

Für die kommende Saison möchte Chemie Leipzig einen stark verjüngten Kader haben.
Für die kommende Saison möchte Chemie Leipzig einen stark verjüngten Kader haben.  © Picture Point / Roger Petzsche

TAG24: Gut wäre es sicherlich, so einen Umbruch wie voriges Jahr im Sommer zu vermeiden. Was ist Ihnen bei der Kaderzusammenstellung wichtig?

Alipour: Wir führen schon Gespräche, welche Spieler für uns nächste Saison interessant sind. Bei welchem Spieler entwickeln wir eine Fantasie für den Fußball, den wir dann auch spielen wollen. Der Kader muss in den Wettbewerben einfach gut mithalten können. Wir brauchen eine schlagkräftige Truppe, die schon auch stark verjüngt ist.

Ich will Spieler, die Ziele noch erreichen möchten in ihrer Laufbahn. Ich bewerte Spieler auch an ihren Ansprüchen. Mir ist auch eine hohe Leidensfähigkeit wichtig, meine Jungs sollen sich auf dem Platz quälen können. Ich möchte Leidenschaft und Emotion sehen.

TAG24: Noch acht Spieltage sind zu gehen. Wo steht Chemie am Ende mit wie vielen Punkten?

Alipour: Wichtig ist einfach, dass wir über dem Strich stehen. Es geht in den letzten Spielen in keinster Weise um die Entwicklung der einzelnen Spieler oder um die Entwicklung der Mannschaft. Es geht nur da drum, die Liga zu halten, dass wir dann im Sommer etwas erarbeiten, wo es dann natürlich um die Weiterentwicklung geht.

Aber Abstiegskampf bedeutet Ergebnisdruck - und jeder Punkt zählt.

Titelfoto: Silvio Bürger

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