Union-Berlin-Blog: Hotte, jetzt ist Deine Zeit!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.  © Archiv

Die Autoren:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der Siebzigerjahre Unioner und als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet und hat ein erwachsenes Kind. Icke lebt heute in Grünheide und schreibt hier als Gründer des Blogs.

Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

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Beecke (Christian Beeck), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union. Beecke hat 2 Kinder. In unserem Union-Blog fungiert Beecke als Berater.

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22. April: Hotte, jetzt ist Deine Zeit!

Horst Heldt (55), Geschäftsführer Profifußball, soll für die nächste Saison die Weichen bei Union Berlin stellen.  © Harry Langer/dpa

Icke: Der 1. FC Union hat Dank seiner – man kann schon sagen – sensationellen Trendwende der eigenen Leistungen - bereits vier Spieltage vor dem Schluss der 1. Bundesliga den Klassenerhalt sicher. Nichts – auch nicht utopisch rechnerisch – kann da mehr anbrennen.

Nachdem wir uns zum Jahreswechsel drei Niederlagen am Stück einfingen (BMG, BVB, Kiel) - begannen Baumgart und Team eine Wiederauferstehung. Passend zum Osterfest. Sechs (!) Spiele nonstop nicht verloren. Dabei drei Siege und drei Remis abgeholt. Und das mitnichten gegen "Fallobst", nein alle sechs Delinquenten gehören zur ersten Hälfte der Bundesliga.

Das kann man nicht hoch genug anrechnen. Der Kader, das Team und Baume haben die Grundlagen gelegt. Jetzt steht die Sommer-Wechsel-Periode vor der Tür und "Hotte" ist als Sport-Direktor gefragt, die richtigen Weichen für die kommende Saison zu stellen.

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Das fällt ihm natürlich sehr viel leichter, wenn man mit Gewissheit jetzt schon weiß, wo der Weg hingeht. Horst Heldt darf die siebente Bundesliga-Saison des 1. FC Union (am Stück!) planen! Und da wartet eine Menge Arbeit auf ihn. Begonnen hat er schon. Und inzwischen weiß man auch in Köpenick, nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen – die Langsamen.

Die Verträge von Trimmel und Khedira sind – jeweils um ein Jahr – verlängert. Volland steht als Abgang fest. Die verliehenen Gosens und Kral wollen bei Ihren Leih-Clubs bleiben. Hier müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Das ist für unsere Kriegskasse enorm wichtig, eben weil hier ein zweistelliger Millionenbetrag fließen wird. Burcu kehrt aus Magdeburg zurück. Auf ihn können wir uns freuen, so er seine gute Form behält. Den Gerüchen, türkische Clubs wollen ihn kaufen, schenke ich (erst einmal) keinen Glauben. Das würde für sie sehr teuer werden. Jaeckel und Grill kehren von ihren Leihen in der 2. Bundesliga wieder. Für beide Spieler müssen wohl Lösungen gefunden werden. Für die ersten 20 Teamspieler kommen sie wohl nicht in Frage.

Julien Friedrich war nach Altglienicke ausgeliehen und konnte sich dort nicht durchsetzen. Auch für ihn muss eine Lösung her. Jeong und Ilic haben wir nur ausgeliehen. Für Ilic (der inzwischen 5 Tore erzielte) müssten wir wohl 4,5 Millionen an Ablöse zahlen. Bei Jeong möchte Stuttgart gar 5,5 Millionen haben. Aberwitzig. Beide konnten teilweise (aber eben auch nicht immer!) gute Ansätze bzw. Spiele zeigen. Die Summe – gerade bei Joeng – ist wohl viel zu hoch. Bei Ilic könnte man hoffen, dass er die zuletzt guten Leistungen stabilisiert. Dann wäre er auch diese Ablöse wert. Allerdings gibt es dieses Jahr ungewöhnlich viele gute und ablösefreie Mittelstürmer: Lemperle, Weiper, Colido, Agymang, Giovane, Russel-Rowe. Selbst über einen Luka Jovic oder einen Lukas Nmecha dürfen wir nachdenken. Alle wären ablösefrei. Bei einigen stünden dann nur noch ihre eigenen Gehaltswünsche im Weg.

Benes hatte seinen Unmut schon geäußert, dass ihm zu wenig Spielzeit gegeben wird. Bei einem ordentlichen Angebot ist er wohl weg. Wie eigentlich jedes Jahr kursieren wieder Gerüchte um Doekhi und Leite. Natürlich geben wir sie ab, so ein zweistelliger Millionen-Betrag geboten wird. Für Prtajin sollten wir auch eine Lösung finden, er scheint ohne Chance zu sein. Tousart hatte zuletzt auch nur Kurzeinsätze. Hier könnte sich auch etwas anbahnen. Vogt – eigentlich einer unserer Leader – da weiß man gar nicht, was gerade passiert. Ihn dauerhaft nicht zu bringen, ist keine Lösung.

Wie lange die Verträge von Schwolow, Preu und Roussillon laufen – ist nicht ganz sicher. Sollte der Vertrag bei Schwolow auslaufen, wären wir gut beraten, diesen zu verlängern. Bei Roussillon und Preu sieht das anders aus. Roussillons Vertrag wird wohl nicht verlängert. Bei Preu bin ich mir unsicher. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig.

Wie man aber durch die hier aufgezeigten Ansätze sieht, es gibt viel Arbeit bei Union. Der Kader wird nächstes Jahr in Teilen anders aussehen. Dabei müssen wir darauf achten, schnelle Spieler zu verpflichten (der Union-Kader ist definitiv zu langsam) und die Qualität in der Offensive verbessern. Das heißt auch – Verpflichtungen weiterer durchschnittlicher Spieler bringen uns nicht weiter.

Weiterbringen würden uns wohl ein Neuhaus aus Gladbach, der für eine überschaubare Ablöse zu haben wäre und die "8" kreativ ausfüllen kann. Oder auch ein Luka Jovic. So man sich (mit ihm) auf ein vernünftiges Gehalt einigen kann. Eisern.

20. April: Ein unglaublicher Punkt: Spektakel, Rekord und Klassenerhalt!

Diogo Leite (26) zeigt den Zuschauern ein Herz mit seinen Händen.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Ja, es ist nur ein Punkt, aber es ist ein goldener Punkt, denn er hat den Klassenerhalt nunmehr auch rechnerisch gesichert - und was für ein Punkt!!

Wobei das im Grunde nur auf die erste Hälfte zutrifft, die ein absolutes Novum in über sechzig Jahren Bundesliga darstellt, denn es fallen unfassbare acht Tore, es steht zur Halbzeit 4:4!! Dabei sieht es anfangs nach einem entspannten Spiel aus, denn Ilic steht nach der ersten Ecke richtig und haut den Ball aus wenigen Metern nach ein bisschen Ping-Pong kompromisslos zur Führung ein und nach neunzehn Minuten köpft Querfeld einen Trimmelfreistoß zu Diogo Leite und der Portugiese erzielt per Kopf nach fast drei Jahren seinen ersten Bundesligatreffer und unser zweites Tor, dazwischen verpasst der Stuttgarter Demirovic eine Hundertprozentige, als er völlig frei auf Rönnow zuläuft, aber dann den Ball beim Versuch unseren Keeper zu umspielen ins Toraus stolpert.

Eigentlich beste Voraussetzungen, denn in jüngster Vergangenheit haben wir nie mehr als ein Gegentor kassiert - wenn überhaupt, wir überlassen Stuttgart also das Terrain, um ab und an einen Konter zu setzen, leider etwas zu viel, denn schon zehn Minuten später hat der VfB ausgeglichen: Undav schießt den Ball nach zugegeben herausragenden Pass von Mittelstädt von der Strafraumgrenze ebenso hart wie präzise ein und Millot dreht von fast der gleichen Stelle einen Schuss links oben rein. Das ist schon etwas ernüchternd, doch dann gehen wir knapp zehn Minuten später wieder in Führung, mit einem Treffer, den ich so an der Alten Försterei selten (Lutz Hendel 1992 gegen Zwickau fällt mir spontan noch ein) gesehen habe: Leo Querfeld zieht aus knapp vierunddreißig Metern ab und jagt die Kugel unwiderstehlich in den Knick - Traumteil, Wahnsinnskiste, klares Tor des Monats! Und tatsächlich gibt es kurz die Hoffnung, wir würden die knappe Führung mit in die Pause nehmen, doch dann fälscht Chabot einen Freistoß mit dem Hinterkopf zum erneuten Ausgleich ab. Und beinahe unmittelbar darauf die wirklich ärgerliche, weil absolut vermeidbare Führung der Schwaben, denn Leite vertändelt unnötigst den Ball gegen Undav, der bedient dann Führich und der bleibt cool, lässt Trimmel und Schäfer aussteigen und klinkt ein.

Doch es passt zum Spiel, dass Union in der Nachspielzeit der Nachspielzeit doch tatsächlich wieder egalisieren kann: Trimmels perfekter Freistoß von links, entstanden aus mehreren Einwürfen und reiner Entschlossenheit, wird vom perfekt einlaufenden Ilic per Kopf unhaltbar verwandelt, der damit erstmals für uns doppelpackt und sein bereits fünftes Tor erzielt (eine Weiterverpflichtung des ausgeliehenen Serben wird so immer wahrscheinlicher, wenn der ins Rollen kommt und entsprechend bedient wird, ist er glatt für fünfzehn Treffer gut) - ungemein wichtig für die Psyche, eben nicht mit einem Rückstand aus der Kabine kommen zu müssen, nach eigener Zwei-Tore-Führung (Erinnerungen ans Hinspiel kriechen den Rücken hoch). Und ein ganzes Stadion schüttelt in der Halbzeit kollektiv den Kopf ob dieses Wahnsinns, wobei man wenigstens sagen muss, dass wir äußerst effektiv sind, denn der Gegner hat knapp achtzig Prozent Ballbesitz und eine Passquote von über neunzig Prozent und wir machen eigentlich jeder unserer Chancen rein, vier Tore bei gerade mal gut zwanzig Prozent Ballbesitz (selbst in Leverkusen hatten wir mehr) schafft man ja auch nicht alle Tage.

Dass das Spiel nicht 8:8 endet, ist eigentlich klar, irgendwo muss ja auch wieder Schluss sein. Und erstaunlicherweise fallen nach der Pause gleich gar keine Tore mehr, denn wir verteidigen wieder gewohnt äußerst diszipliniert und nahezu fehlerfrei, machen also nicht auf und kommen selbst nur noch selten vors gegnerische Tor, die besten Chancen haben Hollerbach, Querfeld und der eingewechselte Benes, doch wirklich zwingend wird es nicht, Nübel muss kaum eingreifen, es fehlt immer so ein wenig, knapp daneben ist eben auch vorbei. Und die Stuttgarter haben sogar noch etwas mehr Ballbesitz als vor dem Wechsel, setzten uns unermüdlich und extrem ballsicher unter Druck, aber die wenigen wirklich gefährlichen Möglichkeiten werden geblockt oder wegverteidigt, Rönnow ist sehr aufmerksam, muss aber gar keine große Parade zeigen (eigentlich im gesamten Match nur in der 42. Minute gegen Stiller) und so bleibt es bei dieser Punkteteilung, nach einer sensationellen ersten und einer darauf ziemlich durchschnittlichen zweiten Hälfte, im 200. Bundesligaspiel und 100. Heimspiel des 1. FC Union - was für ein verrücktes Jubiläum! Und da Heidenheim und Bochum am Nachmittag verlieren, reicht dieser Punkt uns glücklicherweise vollkommen, sind wir vier Spieltage vor Schluss gerettet, nach erstaunlichen zwölf Punkten aus den letzten sechs Spielen und somit verdienen wir uns unsere siebente Bundesligasaison, die Reise geht weiter! Und weiter dabei ist, wie schon vor einigen Wochen hier empfohlen, unser Käpt'n Christopher Trimmel, Identifikationsfigur, unermüdlicher Kämpfer und immer noch so wichtig auf und neben dem Platz, dessen Vertrag nämlich gerade verlängert wurde - die Reaktion der zwanzigtausend Unioner darauf spricht für sich: das Stadion erzittert spürbar beim extralauten "Fussballgott".

Jetzt freue ich mich, unfassbar erleichtert, auf die entspannten vier letzten Spiele der Saison, die wir natürlich nicht abschenken sollten und werden (Ziel sind 42 Punkte!), ich bin mal gespannt, was wir daraus machen, wie wir diese komfortable Situation nutzen. Doch es ist natürlich großartig, dass bereits für die nächste Spielzeit geplant werden kann und noch großartiger ist, dass der DFB sich unseren aberkannten Punkt sonstwohin schieben kann, auch wenn es natürlich gut, weil ebenso richtig wie gerecht wäre, wenn dieses peinliche Urteil keinen Bestand hätte. Genießt den Ostersonntag, Unioner, genießt den Klassenerhalt - und schenkt dem Spiel in der Rückschau hier und da ein Grinsen, ein Kopfschütteln oder auch 'ne Jubelfaust, das war in vielfacher Hinsicht äußerst denkwürdig - hurra und eisern!!

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16. April: Bärenstarker 1.FC Union bittet die Schwaben zum Tanz

Benedict Hollerbach (23, M.) hofft gegen den VfB Stuttgart gegen einen Startelf-Einsatz.  © Uwe Anspach/dpa

Icke: Dass ich das mal so schreibe – die Überschrift, meine ich. Aber es ist Realität. Das zweitbeste Team seit dem 25.Spieltag - wir - spielen gegen den VfB Stuttgart. Die Süddeutschen wiederum haben von den letzten vier Spielen gleich drei Mal verloren.

Zuletzt zu Hause gegen Werder Bremen. Ja genau diese Bremer sind aktuell in ihrer Formkurve noch einen Punkt vor uns, zumindest in der Betrachtung der letzten Spiele.

Dieser VfB ist eigentlich ein Spitzenteam. Durch den Millionen-Deal mit Mercedes, aber auch durch kluge Transferentscheidungen (unter anderem unseres Lewelings) bastelten sie sich diesen Kader zusammen, der von – gerade deutschen Nationalspielern – nur so wimmelt. Der Kaderwert von Stuttgart ist etwa dreimal so hoch wie unserer.

Das der formstarke und zukünftige Neu-Nationalspieler Woltemade (wer zweifelt noch daran) gegen uns gesperrt ist, verbuchen wir jetzt nicht zwingend mit einem Nachteil für uns. Genau er nämlich hatte uns in der Vergangenheit große Kopfschmerzen bereitet. Aber da spielen ja auch noch Undav, Mittelstädt, Stiller, Nübel, Vagnoman, Führich und eben Leweling. Das sind immerhin acht (!) deutsche Nationalspieler, die im Fokus von Nagelsmann stehen.

Und macht uns das Angst? Mitnichten! Der 1.FC Union ist aktuell bärenstark. Das Unentschieden beim amtierenden deutschen Meister unterstrich das noch einmal. Weil es auch mit spielerischen Steigerungen einhergeht. Plötzlich können wir uns wieder gute Chancen erarbeiten. Und vor allem gehen wir mit einem klaren Match-Plan in unsere Spiele. Der heißt aktuell immer noch und gegen Teams wie den VfB ganz besonders, Sicherheit zuerst.

Wir werden auch gegen Stuttgart weniger Ballbesitz haben und die Räume rings um unseren Strafraum herum eng machen.Ziehen wir das genauso stringent durch, wie wir es in Leverkusen geschafft haben, dann sollte es uns auch gelingen, zusammen mit unserer Heimmacht – ein, zwei oder sogar mehr Tore selbst zu erzielen. Natürlich muss an erster Stelle die Einstellung unserer Spieler stehen. Aber da braucht man sich wohl bei einem Trainer Baumgart keine Sorgen zu machen. Alle Kicker wissen inzwischen genau, was er sehen möchte: bedingungslosen und konzentrierten Einsatz auf dem Rasen.

Einige Fragen haben wir trotzdem. Wird Baume Vogt wieder ins Team einbauen? Vom spielerischen Vermögen und seiner Klasse gehört er als einer der ersten Spieler in den Stamm der Mannschaft. Spielt Hollerbach von Anfang an oder kommt unser bester Schütze erst von der Bank? Ich denke, er läuft sofort auf.

Benes dagegen scheint in Köpenick schon aufgegeben zu haben. Er äußerte unter der Woche seinen Wechselwunsch. Das kann man sogar nachvollziehen. Und viele bei Union verstehen seine Nicht-Nominierungen auch nicht. Aber – wer Erfolg hat – hat auch Recht. Lassen wir Baume einfach weiter gewinnen. Ostern mit drei Punkten im Körbchen … würde uns gut zu Gesicht stehen. Frohe Ostern allen Unionern und ein kräftiges Eisern.

13. April: Unaufhörlich stark - ein hochverdienter Punkt beim Meister

Die Spieler von Union Berlin feiern einen hart erkämpften Punkt mit den mitgereisten Fans.  © Bernd Thissen/dpa

Unionfux: Die "Tour de Brocken" geht weiter und wir sind immer noch nicht aufzuhalten, auch nicht durch Bayer Leverkusen, die in ihrem Heimspiel gegen uns zwar ebenso imposante wie überzeugende Zahlen aufweisen - 75 Prozent Ballbesitz, 92 Prozent Passquote und üppige zweiundvierzig Flanken - aber nur wir treffen das Tor und da haben die Pillendreher schon mächtig Glück, dass Ilic hauchdünn im Abseits steht, als er nach Trimmel-Ecke, schönem Querfeld-Kopfball und Hradeckys Rettungstat den Ball über die Linie drückt.

Aber fraglos haben die Leverkusener insgesamt mehr vom Spiel und sie geben sich auch alle Mühe, machen und tun, immerhin geht es um die möglicherweise letzte Chance zur Titelverteidigung, doch unsere Abwehr ackert und kämpft über neunundneunzig Minuten, bleibt wach, fokussiert und scharf und leistet sich kaum einen Fehler. Beeindruckend, wie solch eine fähige Mannschaft wie Bayer von uns in Schach gehalten wird. Als Trainer Alonso in der zweiten Hälfte das Wunderkind und die besten Spieler der Liga, Wirtz, Adli und Boniface einwechselt, kommen einfach mal über zweihundert Millionen Marktwert von der Bank und obendrein knapp zwanzig Tore.

Und auch wenn Wirtz gleich nach seiner Einwechslung Palacios hervorragend in Szene setzt, Rönnow dessen Gewaltschuss cool pariert, dauert es bis in die Nachspielzeit (immerhin eine ausgesprochene Spezialität des amtierenden Meisters), als wieder Wirtz noch einmal gefährlich auf den langen Pfosten flankt und Schick die Kugel mit dem Körper aus kurzer Distanz verwandeln will. Doch Rönnows Stellungsspiel ist perfekt, dazu macht er sich groß und hat in all der Unübersichtlichkeit die Übersicht und den Ball im Nachfassen.

Auch wir kommen zu einigen gar nicht schlechten Chancen, so der eingewechselte starke Tousart zweimal im Minutentakt nach einer guten Stunde und kurz darauf Hollerbach, aber seine Chance sieht besser aus als sie letztendlich ist, er versucht einen Heber ins lange Eck, hat aber mit dem negativen Effet des Balles zu kämpfen und so hat Hradecky keine Mühe.

So werden es eben nur vierunddreißig Punkte bisher und nicht sechsunddreißig, aber schon die vierunddreißig Zähler sind mehr als wir letzte Saison hatten und die haben in den zurückliegenden sieben Spielzeiten immer zum Klassenerhalt gereicht. Doch wer zweifelt schon daran, dass diese endlich so herausragend funktionierende Truppe noch so einige Punkte in den ausstehenden fünf Spielen holt?

Bemerkenswert ist außerdem, dass Steffen Baumgart für die letzten knapp zwanzig Minuten sogar noch einen waschechten Bundesligadebütanten bringt: David Preu (und nicht etwa Benes oder Vogt) kommt für Haberer, sowas ist ziemlich mutig und nicht ganz ohne Risiko, aber der Junge macht seine Sache ziemlich gut und hilft so mit, das Remis über die Zeit zu bringen - Gratulation für so einen Einstand.

Keine Frage, es mag schon sein, dass das Spiel für den neutralen Beobachter von lediglich leidlich überschaubarem Unterhaltungswert ist, nur haben wir gar keine Chance, wenn wir versuchen, gegen einen derartigen Kontrahenten mitzuspielen (und der nicht einen absolut miesen Tag erwischt) und entsprechende Räume zu offerieren, denn die große Qualitätslücke ist einfach nicht zu kompensieren. Deswegen musst du den Meister auswärts genauso bespielen und so ist für den Unionfan diese geschlossene Mannschaftsleistung eine Augenweide, eben diese Mischung aus Entspanntheit und Ehrgeiz, auch wenn man natürlich zugeben muss, dass dieser Dauerdruck beim Zuschauen schon ziemlich an den Nerven zerrt, denn individuelle Klasse macht vieles möglich, das mussten die Heidenheimer in der letzten Woche zu ihrem Leidwesen (und unserem Glück) erfahren.

Und es ist so wichtig, dass die Truppe sich für ihren unermüdlichen Einsatz schlussendlich belohnt, die Räume so stetig extrem eng zu halten und dabei ohne übergroße Härte (nur Novize Preu sieht gelb, Bayer hingegen sogar mit zwei Verwarnungen), mit einem Unentschieden in Leverkusen, der zweitstärksten Heimmannschaft der Liga, die zudem in Bestbesetzung antreten und uns alles andere als auf die leichte Schulter nehmen. Nur mit einer so großartigen Geschlossenheit kann man einem so überlegenen Gegner Paroli bieten und wir haben das wieder drauf, fast so wie in besten Urs-Fischer-Tagen (sorry, ist nun mal der beste und treffendste Vergleich).

Die Bayern können sich übrigens bei uns bedanken, dass wir ihnen, nach ihrem Unentschieden gegen Dortmund, so ziemlich den Arsch gerettet haben. Und auch uns hilft der Punkt natürlich weiter und ist ein weiteres starkes Zeichen, dass wir wieder da sind. Fünf Spiele ohne Niederlage hatten wir zuletzt im August und September 2023, als wir in der Folge sogar sieben Spieltage lang Tabellenführer der Bundesliga und so gut wie nie waren.

Ganz so gut sind wir zwar noch nicht, aber wer hätte denn mit so einem Zwischenspurt gerechnet? In der Nachlese des Spiels können mein Freund Hagen und ich es nur schwer fassen: Vor sechs Wochen, nach dem so grauenvollen Spiel gegen Holstein Kiel, war solch eine positive Wendung selbst für altgediente Unioner wie uns, die in über vierzig Jahren schon so einiges gesehen und mitgemacht haben, noch nahezu undenkbar, war gar das Schlimmste zu befürchten.

Doch mittlerweile könnte es sogar gut sein, dass wir bis zum Saisonende keine Niederlage mehr kassieren, wundern würde es mich jetzt so gar nicht mehr, heidewitzka, hurra - und eisern!

10. April: Ehrgeizig und entspannt: mit Lebensversicherung Hollerbach in Leverkusen

Union Berlins Benedict Hollerbach (23) beim Jubel zum Tor gegen den VfL Wolfsburg.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Man kann so einiges über Benedict Hollerbach sagen: vielleicht, dass er einer der Shooting Stars der letzten beiden Jahre ist (eher der einzige), dass es ziemlich selten ist, wenn jemand den Sprung aus der Dritten Liga in die Bundesliga packt, dass er mit einem Schnitt von knapp zwölfeinhalb Kilometern zu den lauffreudigsten Spielern der Liga zählt, dass er trotz allem noch Luft nach oben hat (ich nenne ihn häufig „Ball-weg-Hollerbach", weil fehlende Übersicht, etwas zuviel Eigensinn und technische Unzulänglichkeiten zu häufigen Ballverlusten führen) und dass sein Friseur offensichtlich nicht zu den Besten seiner Zunft gehört.

Aber das Wichtigste ist, dass er Tore macht und zwar nicht irgendwelche Tore, sondern spielentscheidende Tore, manchmal das sogenannte Goldene Tor, wie neulich gegen Wolfsburg, oder Führungstore, ganz wichtig am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit - eigentlich bedeuten Hollerbachtreffer immer Punkte (Ausnahme: das 3:4 gegen Bochum).

Sein Anteil am Nichtabstieg der letzten beiden Jahre ist damit immens - und war so nun wirklich nicht zu erwarten. Klar, dass das auch anderen auffällt, aktuell soll gerade Mönchengladbach ausdrücklich an einer Verpflichtung interessiert sein, aber erstens wäre das kein wirklicher Sprung für den jungen Stürmer und darüberhinaus wäre es doch ziemlich fraglich, ob man sich die Ablöse für den Jungen leisten kann. Bei einem Vertrag bis 2027 und seinen Perspektiven müsste die schon im höheren Millionenbereich sein (ab zehn aufwärts), so was können die Fohlen wohl kaum aus der Portokasse bezahlen. Mal abwarten, was da im Sommer passiert, wir sollten jedoch nicht vergessen, dass erfolgreiche Stürmer bei uns eher selten sind, da ist so eine Lebensversicherung im Angriff gar nicht hoch genug zu bewerten.

Und was bringt die nahe Zukunft, sprich der kommende Samstag? Nun ja, wenn man zum amtierenden Meister fährt, dann sollte man eigentlich nicht all zu viel erwarten, auch wenn die Leverkusener nicht mehr die Überelf der vergangenen Saison sind, wie man gerade in Bielefeld beobachten konnte. Ein Halbfinalaus bei einem Drittligisten - und das vollkommen verdient (auch wenn sich Leverkusens Geschäftsführer Carro nicht entblöden konnte, eine Teilschuld auf den ungewässerten Rasen zu schieben - Reflexion als Fremdwort…), das tut schon ziemlich weh. Die Nachwehen waren auch in Heidenheim zu sehen, wo man nur mit viel Glück und einem Sonntagsschuss in der Nachspielzeit gewinnen konnte.

Glücklicherweise haben ja unsere letzten vier Spiele für beinahe optimale zehn Zähler gesorgt, so dass der ganz große Druck, unbedingt punkten zu müssen, nicht akut ist und er hat natürlich für ein wiedererwachtes Selbstbewusstsein gesorgt, die Mannschaft glaubt an sich und schließlich wurden die wertvollen Siege und das Unentschieden nicht gerade gegen Laufkundschaft geholt. Warum sollte also in Leverkusen nichts drin sein?

Eine Mischung aus Entspanntheit und Ehrgeiz könnte da der Schlüssel sein, vielleicht und gerade mit einem gut aufgelegten Hollerbach, der mit Sicherheit in dieser Saison zweistellig treffen will. Mitmischen könnte auch Andrej Ilic wieder, ob es nach einem Schlag aufs Knie für die Startelf reicht, wird man sehen. Alternativ stehen Skarke und Ljubicic bereit. Interessant wird eine mögliche Rotation im Mittelfeld, so könnte Tousart anstatt Haberer oder Schäfer beginnen, so ein Kampfschwein wie der Franzose ist immer gut, um einem spielerisch starken Gegner etwas die Lust am Spiel zu nehmen.

Freuen wir uns also, dass wir uns auf dieses Spiel freuen können, denn da ist doch allemal was drin für uns - eisern!

9. April: Echte Fußball-Freunde - Union und Lichtenberg 47 mit gleich zwei Unterstützer-Spielen

Union-Fans wollen dem Berliner Oberligisten Lichtenberg 47 aus einer Notlage helfen.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Schon zu DDR-Zeiten sah man nicht selten Fans vom 1. FC Union bei Lichtenberg 47. Und das lag nicht nur an der gemeinsamen Antipathie gegenüber der Stasi, die gleich nebenan vom Zoschke-Stadion, der Spielstätte der Lichtenberger, beheimatet war. Ich kann das beurteilen, bin ich doch schon als 7-jähriger mit meinem Opa zu 47 gepilgert. Das ich dann später sogar in der A-Jugend dort spielte, war nur konsequent. Und diese Fan-Freundschaft hat die Wendezeit überstanden. Und jetzt haben Vandalen bei den 47ern gehaust. Das kann aber der bei Union bestens bekannte Mathias Bunkus (ehemaliger Chefberichterstatter für den 1. FC Union) viel besser darlegen. Bunki ist jetzt im Ehrenamt bei 47 tätig. Hier sein Bericht.

Bunki: Es ist der Albtraum aller Menschen. Man kommt gemütlich nach Hause und findet seine eigenen vier Wände verwüstet vor nach einem Einbruch. Einem Sportverein geht es da nicht anders. Lichtenberg 47 ist das jetzt passiert. In der Nacht zu Montag hat sich Gesindel Zugang zu den Räumen der Geschäftsstelle verschafft, auf der Suche nach Wertvollem sinnlos marodiert und zudem wurde der Kleintransporter der ersten Mannschaft entwendet. Also das Auto, mit dem die Betreuer Einkäufe erledigen oder an Spieltagen mit der ganzen Ausrüstung als Vorhut in den Stadien der anderen Gastgeber aufdribbelt.

Hatten diese Diebe es nur auf die Tageseinnahmen abgesehen? Wenige Stunden zuvor hatten die 47er ja ihr Heimspiel gegen Hansa Rostock II bestritten. Das 1:2 gegen die Reserve der Kogge war schon ein herber Rückschlag im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga. Da kam das Ausgeraubt werden als zusätzlicher Faktor hinzu. Man kann mit Fug und Recht von einem Doppelschock sprechen.

Derzeit laufen die Aufräumarbeiten. Und Lichtenberg 47 versucht, sich einen genauen Überblick zu verschaffen, was alles abhanden gekommen oder zerstört worden ist. Was in so kurzer Zeit nicht ganz einfach ist. Zumal ja auch die polizeilichen Ermittlungen erst einmal abgeschlossen sein müssen. Alles nicht vergnügungssteuerpflichtig!

Es ist ja nicht nur der materielle Schaden. Der allein beträgt schon mehrere Tausend Euro. Und es ist nicht alles durch eine Versicherung gedeckt. Man fühlt sich hinterher einfach unwohl, wenn der eigene Rückzugsraum nicht mehr sakrosankt ist. Man steht im wahrsten Sinne des Wortes vor einem Scherbenhaufen.

Zudem ist ja nicht nur der reibungslose Ablauf der Geschäftsstelle stark beeinträchtigt. Sondern auch die Oberliga-Mannschaft und andere Abteilungen haben mit den Auswirkungen zu kämpfen. Fußballschuhe wurden entwendet. Die Dinger sind ja nicht günstig und Oberligakicker haben keinen Millionen schweren Ausrüster, der so etwas nahtlos ersetzt! Die Ballpumpe ist futsch. Nur um mal ein paar kleine Beispiele zu nennen. Auch andere Gegenstände des täglichen Bedarfs fehlen derzeit und müssen entweder geliehen oder neu beschafft werden. Das alles kostet. Und Amateurvereine sind bekanntlich nicht auf Rosen gebettet.

Was uns als Lichtenberg 47 aber erfreut, ist die Welle der Solidarität, die über uns hereinbricht im Nachgang. Fans aus vielen anderen Klubs haben schon ihr Scherflein auf das Spendenkonto (SV Lichtenberg 47 e.V., IBAN: DE72 1005 0000 1783 9207 14
Verwendungszweck: "wirfür47") überwiesen. Auch das Bezirksamt Lichtenberg zeigt sich dieser Tage als kompetenter, unkomplizierter und hilfreicher Ansprechpartner für unseren Klub. Es zeigt sich, dass die Fußballwelt zusammenhält. Dafür an dieser Stelle mal unser Dank. Mathias Bunkus

Icke: Danke an Bunki an dieser Stelle. Es dauerte nur Minuten bei Union, als die ersten Überweisungen zu den 47ern getätigt wurden. Und das war noch nicht alles. Unioner wollen die 47er durch ihren Stadionbesuch unterstützen. Da man sich nicht klar einigen konnte, welches Spiel man dafür nimmt, wählte man gleich zwei Heimspiele der Lichtenberger dafür aus.

Am 17. April 2025 spielen die 47er um 19 Uhr unter Flutlicht gegen Optik Rathenow. Das ist die erste Variante für alle Unioner. Das zweite Unterstützerspiel findet am 26. April 2025 um 14 Uhr gegen Anker Wismar statt.

Tickets gibt es reichlich an den Tageskassen. Schließlich passen fast 10.000 Zuschauer in das Hans-Zoschke-Stadion - immerhin nach der Alten Försterei das zweitgrößte echte Fußball-Stadion in Berlin. Die Vereinsfarben müssen nicht getauscht werden. 47 ist genauso Rot-Weiß wie der 1. FC Union. Und so ganz nebenbei können wir auch dazu beitragen, dass die Lichtenberger doch noch in die Regionalliga aufsteigen. Der derzeitige 2. Platz in der Oberliga heißt aber auch ... 47 muss ab jetzt alles gewinnen. Lasst uns das anpacken Unioner! Eisern.

7. April: Wir mögen Sonntage - Heimsieg gegen Wolfsburg

Union Berlin jubelt über Benedict Hollerbachs (23, l.) Siegtor zum 1:0 gegen Wolfsburg.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Okay, machen wir uns nichts vor: es ist über weite Strecken kein besonders schönes Spiel, unser Tor fällt etwas aus dem Nichts und am Ende ist unser Sieg zwar verdient, wenn auch etwas glücklich.

Dafür aber umso wichtiger, denn unser erster Heimerfolg nach langen und zähen elf Wochen ist ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt, denn wir sind die einzige Mannschaft, die im letzten Tabellendrittel an diesem Wochenende drei Zähler einfahren kann.

Wir haben jetzt 33 Punkte (soviel wie in der letzten Saison nach 34 Spieltagen) und freundliche elf Punkte auf den Relegationsplatz, haben in der Rückrunde tatsächlich mehr Punkte eingefahren als Dortmund, die Rote Brause oder Frankfurt, die zehn Punkte aus den letzten vier Spielen (im gleichen Zeitraum schaffen das nur noch die Bayern) sind ebenso unerwartet wie großartig - von ziemlicher Verzweiflung bis relativer Entspannung in fünf Wochen.

Dabei macht das Spiel in der ersten halben Stunde Spaß, schon nach zwei Minuten köpft Querfeld an den linken Pfosten, Khedira kann den Abpraller nicht verwerten, nach gut zwanzig Minuten kommt Haberer aus dreizehn Metern frei zum Schuss, zwar platziert, aber zu drucklos, so dass Grabara parieren kann. Doch auch Wolfsburg kommt zu guten Chancen, durch Amoura und Wimmer, aber entweder wird am Tor vorbeigesemmelt oder Rönnow ist auf dem Posten.

Zum Ende der ersten Hälfte hören wir ein bisschen auf zu spielen, glücklicherweise können die Niedersachsen nicht allzuviel damit anfangen. Dann verletzt sich der fleißige Ilic (Knieprellung?), für ihn kommt Ljubicic und kurz vor der Pause klammert Wimmer nach einer Ecke eindeutig gegen Doekhi, ziemlich unverständlich, dass es da keinen Elfmeter gibt - hier versagen erst Schiri Osmers, dann der VAR.

In der zweiten Hälfte sind wir nach vorn eher übersichtlich unterwegs, doch auch der Gegner kann aus seiner optischen Überlegenheit kein Kapital schlagen und wenn doch, wie bei Kaminskis Chance nach 52 Minuten, kann unser Däne klären. Nach einer guten Stunde wirft dann Juranovic in Strafraumhöhe ein, der Ball wird prompt rausgeköpft, doch Haberer und Querfeld machen die Kugel wieder scharf, die Hollerbach vor die Füße fällt und der schiebt cool gegen einen überraschten Grabara, der nur noch den etwas hilflosen Kasper machen kann, ein. Auch das Tor wird überprüft, ob Querfeld gegen Wind zu sehr geschoben hat, doch das war zu wenig und so markiert Hollerbach seinen achten Treffer.

In der Folge gibt es ziemlich viel Gebolze, ständige Balleroberungen und Ballverluste und unsererseits schlecht ausgespielte Konter, bis in der 89. Minute die VW-Elf die große Chance zum Ausgleich hat: Wimmer setzt sich auf links ziemlich gut durch, geht zur Grundlinie und passt quer durch den Strafraum, doch am langen Pfosten ist Behrens einfach nicht in der Lage, die Kiste aus einem halben Meter zu treffen, vielleicht noch irritiert durch Roussillon.

Es kann aber auch sein, wie mein Freund Frank nach dem Abpfiff so vermutet, dass Behrens schlicht und ergreifend unser U-Boot in den Wolfsburger Reihen ist - auf jeden Fall haben wir da den Papst in der Tasche und auch die Nachspielzeit überstehen wir und nehmen so drei Punkte mit, nach einem Arbeitssieg gegen im Moment etwas unfähige Wolfsburger, erleichtert, weil wir mal nicht den Aufbaugegner geben und kämpferisch zwar alles reingeworfen haben, aber spielerisch doch eine ganze Menge offen bleibt.

Vielleicht hatte jemand wie Benes da durchaus weiterhelfen können, doch irgendwie mag Baumgart ihn wohl nicht, genauso wie Vogt - aber die Ergebnisse und natürlich auch die Leistung unserer Jungs geben dem Trainer momentan recht und das ist entscheidend - und nichts anderes. Dieser Sieg bestätigt und vergoldet unseren unfassbaren Zwischenspurt, noch ist nichts definitiv, doch genauso kann man selbstbewusst in die Endphase gehen, noch sechs Spiele sind zu gehen und die Vierzig-Punkte-Marke dürfte ein realistisches Ziel sein, ob mehr als der momentane dreizehnte Platz rausspringt ist zwar fraglich, doch der ganz große Stress dürfte sich heute verflüchtigt haben.

Sonntage scheinen uns also zu liegen, nichtsdestotrotz gilt jetzt: weitermachen, durchziehen - von fast durch bis ganz durch. Allen Unionern mit diesen drei Punkten im Rücken einen geschmeidigen Start in die Woche - eisern!

5. April: Ruhnert bleibt und Wolfsburg kommt

Nach seiner gescheiterten Kandidatur für den Bundestag möchte Oliver Ruhnert (53) wieder im Profifußball arbeiten.  © Robert Michael/dpa

Unionfux: Oliver Ruhnert arbeitet wieder für Union, so war dieser Tage zu vernehmen, auch wenn das natürlich noch nicht mal an die mittelgroße Glocke gehängt wurde, so wie das in unserem Verein ja üblich ist. Horst Heldt ist sehr froh, dass der im Vorfeld der Bundestagswahl ruhende Vertrag des Chefscouts und Beraters nach der so knapp verfehlten Politikerkarriere wieder in Kraft ist, allerdings ist unklar (zumindest für die Außenstehenden), ob der Kontrakt bis zum Sommer gilt oder noch darüber hinaus. Viele hatten fest mit einer Demission von Ruhnert gerechnet, es gab Gerüchte, er könnte zu Schalke zurückkehren, insofern kommt diese Entwicklung schon etwas überraschend. Inwieweit Ruhnert zu alter Größe auflaufen kann, wird man sehen, unbestritten ist, dass die kommende Sommertransferperiode nicht wieder so katastrophal wie die letzten beiden ausfallen darf, sonst ist das vorläufige Ende unserer Bundesligazeit absehbar, will sagen: Oliver Ruhnert muss zeigen, dass er nicht nur vom Erfolg vergangener Tage zehrt und dass sein Scouting wieder mehr hervorbringen kann als Mikkel Kaufmann und Chris Bedia und solche teuren Flops wie etwa Kevin Volland in Zukunft vermieden werden, von der unglücklichen Handlungsweise im Fall Leweling mal ganz abgesehen.

Natürlich passieren Fehler und Fehleinschätzungen, kann man nur bedingt wissen, wie sich eine Spielerverpflichtung entwickelt, aber zwischenzeitlich waren es doch ein bisschen viele Missverständnisse, sowas ist auf Dauer von einem relativ kleinen Verein (zumindest was die Finanzen angeht) kaum zu kompensieren. Doch auch Horst Heldt hat fraglos noch ziemlich viel Luft nach oben, es kann bei beiden eigentlich nur besser werden - schlucken wir also unsere leichte Skepsis bis auf Weiteres runter, hoffen unbeirrt das Beste und sagen: Welcome back, Oliver!

Wenn am Sonntag der VfL Wolfsburg bei uns zu Gast ist, sollten wir zwei Dinge nicht vergessen: unsere Heimbilanz ist gegen die Gäste ziemlich positiv, zuletzt haben wir dreimal in Folge gewonnen (plus ein Sieg im DFB-Pokal) und davor zweimal Remis gespielt - und unser letzter Heimsieg war doch tatsächlich im Januar (und der vorletzte im Oktober!!), deswegen wär’s mal wirklich wieder Zeit, die Alte Försterei muss wieder zur Festung werden. Wenn wir den Schwung und die Geschlossenheit der letzten Spiele auf den Platz kriegen, müsste das auch gelingen, zumal Wolfsburg zuletzt in einem Leistungsloch gesteckt hat. Wir müssen ja nun nicht jedesmal den Aufbaugegner geben, oder? Auf Jeong muss man leider verzichten, er wurde unter der Woche am Knöchel operiert und dürfte uns in dieser Spielzeit nicht mehr zur Verfügung stehen, ich bin mal gespannt, ob und zu welchen Konditionen wir ihn fest verpflichten (dass wir die Kaufoption für sechs Millionen ziehen, ist eher unwahrscheinlich) oder ob er doch zurück nach Stuttgart muss. Auch der ehemalige Abwehrchef Vogt fällt weiterhin aus, aber es ist ohnehin nicht zu erwarten, dass Steffen Baumgart die zuletzt so stabile Dreierkette mit Doekhi, Leite und Querfeld auseinanderreißt. Interessant wird, wer Jeongs Platz einnimmt und wer in der Spitze startet, wahrscheinlich wären Hollerbach und Ilic, doch der Trainer ist ja gern mal für eine Überraschung gut.

Es soll ziemlich kühl werden am Sonntag, aber nicht nur deswegen sollte sich der VfL Wolfsburg warm anziehen. Wir bauen nämlich unsere positive Serie aus, der Lauf geht weiter - eisern!

3. April: Der Nächste bitte! Jetzt ist Wolfsburg dran

Die Unioner feiern ihren Sieg gegen den SC Freiburg.  © Harry Langer/dpa

Icke: Am kommenden Sonntag um 17.30 Uhr empfangen wir den VfL Wolfsburg. Nach den zwei absolut überraschenden Auswärtssiegen in Frankfurt und Freiburg, sowie dem Unentschieden gegen Bayern München können wir jetzt zeigen, wir haben uns von unserer Schwächephase erholt.

Zu den gesammelten sieben Punkten, die man allgemein für unmöglich hielt, können nun drei weitere kommen. Parallel haben Heidenheim und Bochum zwar auch Heimspiele, aber die Gegner heißen Leverkusen und Stuttgart. Hier sind jetzt auch nicht zwingend zwei Siege erwartbar. Sprich Union könnte zwar im Abstiegskampf noch nicht den Deckel drauf machen, aber mit eventuellen 33 Punkten wäre man sehr nah daran.

In der letzten Saison haben uns 33 Punkte und das bessere Torverhältnis am letzten Spieltag für den Bundesliga-Verbleib gereicht. Das erzeugt puren Optimismus in Köpenick. Genau wie die Tatsache, dass der 1. FC Union seit dem 1. April 2025 aktuell über 70.000 Mitglieder hat. Damit landen wir in der Statistik der Bundesliga auf Platz 6. Ehrenwert! Und was gibt's zu Wolfsburg zu sagen? Die letzten zehn Spiele bekleckerten sich die Autobauer nicht mit Ruhm. Zwei Siege schafften sie dabei. Drei Mal verloren sie und der Rest (fünf) waren Unentschieden. Für die Ansprüche dieses hochwertigen Kaders - zumindest finanziell … ist das viel zu wenig.

Hoffentlich bauen wir nicht wieder einen Gegner auf. Allerdings scheint Baume einen Schlüssel für den Union-Kader gefunden zu haben. Mit der wieder eingeführten Dreierkette und dem zur Folge drei auflaufenden Innenverteidigern schafft man Stabilität. Und vorn reichts in letzter Zeit sogar zu knappen Siegen gegen scheinbar übermächtige Gegner. Neben Querfeld, Doekhi, Leite, Rönnow und Khedira in der zentralen Abwehr blüht plötzlich Trimmel wieder auf. Und neben dem stabilen Angreifer Hollerbach (inzwischen zehn Torbeteiligungen) mausert sich gerade Ilic mit deinem dritten Tor im 9. Spiel zum Stammspieler.

Allerdings haben alle Statistiken einen Haken, sie zeigen nur eine Richtung an. Der nominelle Kaderwert der Wolfsburger liegt seit dem aktuellen Update bei über 251 Millionen Euro. Zum Vergleich, wir liegen derzeit bei 113 Millionen. Das heißt auch, die Qualität der einzelnen Spieler ist dort mehr als doppelt so hoch, als bei uns. Wir können Wolfsburg nur schlagen, wenn wir wieder an unser Limit gehen. Kämpfen, beißen und kratzen. Dazu hinten wenig Fehler produzieren und uns konzentrieren. Wenn dann vorn Hollerbach und Ilic noch zeigen, dass ihr Aufwärtstrend anhält, dann sind auch drei weitere Punkte für uns möglich. Auf Union lasst uns den Klassenerhalt (fast) sichern! Eisern.

31. März: So kann's gehen - Auswärtssieg in Freiburg

Die Spieler von Union Berlin feiern ihren Sieg mit den rund 2000 mitgereisten Fans.  © Harry Langer/dpa

Unionfux: Na bitte, wer sagt's denn? Wir fahren zur drittbesten Heimmannschaft der Liga - zudem seit sieben Spielen ungeschlagen - und sacken dort drei Punkte ein, knacken die wichtige Dreißig-Punkte-Marke und setzen unsere kleine Serie fort. Das Wichtigste und gut zu sehen: Die Truppe funktioniert zunehmend wieder, ob das nun an der wiedereingeführten Dreierkette liegt oder daran, dass Baumgarts Offensivhinweise endlich umgesetzt werden und die Effektivität zurück ist. 33 Prozent Ballbesitz in Frankfurt, dann 20 gegen die Bayern, in Freiburg sind's 28 - zwischenzeitlich wirkt es wie zu besten Urs-Zeiten. Die Ergebnisse sind knapp, aber die Gegner wissen irgendwie nicht, wie sie uns beikommen sollen und neuerdings machen uns selbst Rückstände nicht mehr allzu viel aus.

Unterm Strich haben wir in Freiburg sogar die besseren Chancen: Nach 14 Minuten kommt Ilic nach cooler Kombination über Skarke (der für den früh verletzten Jeong gekommen ist) und Hollerbach frei zum Schuss, aber zu harmlos. Ebenso Hollerbach nach 35 Minuten. Die beste Chance hat dann wiederum Skarke nach tollem weiten Pass von Leite, den er ziemlich gut annimmt, aber der Abschluss ist dann eine bessere Rückgabe und kein Problem für Atubolu - ich finde, den kann man schon mal machen.

Da steht es schon 1:1. Die Führung für die Gastgeber durch Höler (das Tor fällt etwas zu leicht, Grifos Hereingabe muss Höler, nachdem Trimmel knapp verpasst hat, nur noch am langen Pfosten über die Linie schubsen) wird nämlich, und das ist meines Erachtens der erste Knackpunkt, schon nach anderthalb Minuten durch Kedhira beantwortet. Und wie: Einen schwach abgewehrten Ball nimmt er aus siebzehn Metern mit Anlauf und Vollspann und jagt den Ball direkt ins linke Eck. Erst sein drittes Tor im 110. Punktspiel für uns, aber eminent wichtig, weil er nämlich den Freiburgern gleich wieder den Wind aus den Segeln nimmt - und so geht man auch in die Pause.

Unser Führungstor kurz nach dem Seitenwechsel ist dann vom Feinsten: Langer Abschlag von Rönnow, Trimmel verlängert auf Ilic, der spielt Skarke in den Lauf, der dann auf dem rechten Flügel zweimal hochschaut, butterweich flankt und Ilic, der mittlerweile hervorragend durchgelaufen ist, köpft mutterseelenallein nach bester Mittelstürmermanier aus fünf Metern ein - in zwölf Sekunden von Rönnow bis ins Tor, das kann man kaum besser machen. In der Folge spielt fast nur noch der geschockte Europapokalaspirant, doch viel springt (trotz insgesamt 34 Flanken) nicht dabei heraus, bis auf den zweiten Knackpunkt des Spiels: Nach einer Stunde spielt sich der eingewechselte Dinkci durch, Grifo kreuzt, klaut seinem Mitspieler quasi die Kugel und schießt völlig frei aufs Tor, aber Rönnow grätscht den Ball sensationell zur Ecke - fällt hier der Ausgleich, stehen wir möglicherweise am Ende ohne Punkte da. In der letzten halben Stunde verteidigen wir ansonsten fast alles kompromisslos weg, auch wenn nach vorn nicht mehr so richtig was geht, abgesehen von einem etwas kraftlosen Hollerbach-Schuss nach kräftezehrendem Solo und einem Kopfball von Ilic knapp neben das Tor.

Und eigentlich ist unsere beste Chance nach der Führung eine phantastische Balleroberung von Schäfer gegen Beste, die eine großartige Kontersituation versprochen hätte, nur sieht da der ansonsten gute Schiedsrichter Storks ein Foul und gibt Schäfer obendrein noch Gelb, eine absolute Fehlentscheidung und nicht mal schwer zu erkennen - zum Glück ohne Folgen für uns. So setzt Benes als letzte Aktion des Spiels einen Freistoß aus guter Position ans linke Außennetz - und dann ist der Auswärtssieg gesichert, der umso wichtiger ist, da Heidenheim überraschend in Wolfsburg gewinnt, denn so kommen wir auf einen relativ komfortablen Abstand von acht Punkten auf den Relegationsplatz.

So kann's weitergehen, das war eine über weite Strecken überzeugende Vorstellung, die Freiburger kriegen wohl mittlerweile 'ne Krise, wenn sie an uns denken, von mittlerweile zwölf Bundesligabegegnungen gewinnen wir insgesamt sechs (plus ein Pokalspiel), sie hingegen nur zwei. Nichtsdestotrotz hätte wohl niemand aus den letzten drei Spielen dieser "Tour de Brocken" mit sieben Punkten gerechnet, könnte doch auf einen prima Endspurt hinauslaufen, oder? Zum Schluss eine Verbeugung vorm Auswärtsmob (da gibt's eine Menge müder Augen am Montag …) und die Hoffnung, dass es Jeong nicht allzu schlimm erwischt hat. Eisern!

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