Unfaires Leipzig-Derby? "Ein Spieler arbeitet bei Flaschenpost und muss Kasten zur Oma schleppen"

Leipzig - Nur zwei Wochen nach dem krachenden 1:4 im Sachsenpokal gegen Lok Leipzig kämpft Chemie Leipzig am Sonntag (14 Uhr/MDR) erneut gegen den Erzfeind - diesmal um Punkte gegen den Abstieg. Welche unterschiedlichen Voraussetzungen die beiden Vereine haben, skizzierte ein BSG-Verantwortlicher jetzt.

Pressekonferenz bei Chemie Leipzig mit dem neuen Trainer Adrian Alipour (46, 2.v.l.), dem sportlichen Leiter Uwe Thomas (2.v.r.) und dem interimistischen Alipour-Vorgänger David Bergner (51, r.).  © Picture Point/Roger Petzsche

Von den 18 Mannschaften der Regionalliga Nordost arbeiten laut Uwe Thomas 14 unter Profibedingungen. Die vier anderen, darunter Chemie, sei noch immer ein Amateurverein. Und das macht sich bemerkbar.

"Wir haben einen Spieler, der arbeitet bei der Flaschenpost. Wenn er Pech hat, muss er den Kasten zur Oma hoch in den vierten Stock schleppen und abends ist er um fünf beim Training", so Thomas bei einem Sponsorenfrühstück.

"Da können wir nicht dasselbe erwarten, wie bei Zwickau, Chemnitz, Jena oder Lok. Die gehen 10 Uhr zum Training, trainieren anderthalb Stunden, haben noch eine Massage, gehen nach Hause, trainieren noch mal zwei Stunden nachmittags und können sich nur auf Fußball konzentrieren."

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Die Voraussetzungen sind den Leutzschern natürlich bekannt und man wolle auch "nicht lamentieren, aber man muss sowas mal ansprechen, weil das bestimmt nicht jeder weiß".

Mit dem neuen Trainer Adrian Alipour (46), dessen Zusage Chemie schon Mitte Januar hatte, soll es in dessen ersten Spiel tabellarisch vorangehen.

Nach einem "beschissenen Wochenende" mit Siegen der direkten Keller-Konkurrenten Eilenburg und Viktoria Berlin sowie sechs Punkten innerhalb von fünf Tagen des bisherigen Vorletzten Luckenwalde und der eigenen Pleite in Altglienicke (1:2) ist der Druck nicht weniger geworden.

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Chemie Leipzig gegen Lok Leipzig: "Tabellensituation einfach mal ausklammern"

Lok und Chemie treffen sich am Sonntag nach zwei Wochen erneut im Alfred-Kunze-Sportpark.  © Picture Point/Roger Petzsche

Alipour, der sogar schon bei einigen Auswärtsspielen mit im Fanblock stand, fordert: "Wir dürfen nicht verkrampfen, die Arbeit muss Spaß machen!" Die Tabellensituation im Derby müsse man trotz der prekären Lage "einfach mal ausklammern".

Der gebürtige Dortmunder, der bis August 2024 den SV Meppen trainiert hatte und seine erste Station im Osten übernimmt, arbeitete in den vergangenen Tagen daran, die Fehlerquellen abzustellen und sie nicht nur zu minimieren.

Gegen Lok soll im dritten Pflichtspiel der Saison der erste Erfolg her. Dem werden die Probstheidaer im Kampf um die Meisterschaft aber etwas entgegenzusetzen haben.

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Für die blau-gelben Anhänger hat der Verein ein Schmankerl parat. In der VIP-Lounge des Bruno-Plache-Stadions kann am Sonntag zusammen das Derby am Bildschirm verfolgt werden. 14 Uhr geht's dort los, Einlass ab 13 Uhr.

Tickets für 18,93 Euro - inklusive zwei Getränken und einer Bratwurst - gibt's unter merchandising-onlineshop.com oder an der Abendkasse. Solange der Vorrat reicht.

Tabelle Regionalliga Nordost

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 1. FC Lokomotive Leipzig 27 50:19 62
2 Hallescher FC 28 43:20 55
3 FSV Zwickau 27 38:36 49
4 FC Rot-Weiß Erfurt 27 48:33 47
5 FC Carl Zeiss Jena 27 57:37 46
6 BFC Dynamo 28 45:34 43
7 Greifswalder FC 28 39:28 42
8 Chemnitzer FC 27 27:19 39
9 VSG Altglienicke 27 33:29 37
10 Hertha BSC II 27 44:48 37
11 ZFC Meuselwitz 27 32:46 35
12 SV Babelsberg 03 28 39:43 34
13 Hertha 03 Zehlendorf 28 42:49 29
14 FC Viktoria 1889 Berlin 28 30:46 28
15 BSG Chemie Leipzig 26 24:46 27
16 FSV 63 Luckenwalde 28 22:38 25
17 FC Eilenburg 28 34:51 25
18 VFC Plauen 28 24:49 18

Der Meister 2025 geht am Ende der Saison in zwei Aufstiegsspiele gegen den Meister der Regionalliga Nord. Der Sieger steigt in die 3. Liga auf. Es steigen maximal vier Mannschaften in Abhängigkeit der Absteiger aus der 3. Liga ab.

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