Kaufland will hunderte Stellen streichen

Von Angelika Resenhoeft, Philipp Demling

Donnersdorf/Neckarsulm - Der Lebensmitteleinzelhändler Kaufland will an seinem Logistik-Standort Donnersdorf bei Schweinfurt einen Großteil der etwa 500 Stellen streichen und die Arbeit künftig über Subunternehmen organisieren.

Kaufland gibt seine Logistik künftig an ein Subunternehmen ab. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Betroffen seien bis zu 350 Mitarbeitende an dem Standort, teilte der Handelsriese im baden-württembergischen Neckarsulm mit. Diese könnten nicht weiter in Donnersdorf beschäftigt werden. Kritik kam von der Gewerkschaft Verdi.

Verdi-Sekretär Peter König befürchtet, dass künftig vor allem Menschen aus Osteuropa in Donnersdorf beschäftigt werden sollen. "Das führt dazu, dass 350 Kolleg*innen und vielleicht noch mehr von Kaufland ihre Kündigung erhalten sollen." Viele würden dadurch ihre tariflich gut bezahlten Jobs verlieren.

Am kommenden Mittwoch wolle Kaufland dem Betriebsrat und der Gewerkschaft die geplanten Maßnahmen vorstellen, sagte der Gewerkschaftssekretär.

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"Die Werkunternehmen haben mehr Möglichkeiten, personell flexibel und schnell zu reagieren und sich auf kurzfristig ändernde Anforderungen in der Aktionswarenlogistik einzustellen", sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

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Verfahren gegen Kaufland wegen Scheinwerkverträgen

Verdi kritisiert die Kaufland-Entscheidung und befürchtet, dass noch mehr Mitarbeiter ihre Stellen verlieren werden. (Symbolbild)  © Christophe Gateau/dpa

Im Januar 2012 hatten hunderte Zollbeamte Logistikzentren, Büros und Privatwohnungen unter anderem von Verantwortlichen des Supermarktbetreibers durchsucht. Gegenstand der Ermittlungen war der Verdacht auf illegale Scheinwerkverträge.

2013 teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart dann mit, sie habe ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des Kaufland-Konzerns wegen illegaler Scheinwerkverträge in drei Logistikzentren eingestellt. Die Warenhauskette habe sich im Gegenzug bereit erklärt, mehrere Millionen Euro zu zahlen.

Die Scheinwerkverträge ermöglichten der Warenhauskette den Angaben zufolge, Mitarbeiter unter Tariflohn zu bezahlen. Außerdem konnten so Sozialversicherungsbeiträge gespart werden. Mit der Zahlung werde der angenommene Schaden wieder gutgemacht, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft damals.

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Die Warenhauskette betonte in einer Stellungnahme, dass die Ermittlungen keinen Anlass für eine Klageerhebung gegeben hätten. Es hätten sich dennoch Zweifelsfragen ergeben, "ob gegen die Vorschriften des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes verstoßen wurde", räumte das Unternehmen ein.

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