Farbenfrohe Neugestaltung: Kunst-Unterricht auf Bahnhofstoilette
Lichtenstein - Vier Seiten, vier Künstler: Am Bahnhof Lichtenstein (Landkreis Zwickau) lud Graffiti-Künstler Tasso (58) für die farbenfrohe Neugestaltung des Toilettenhäuschens kurzerhand drei Künstler aus der Region ein, die sich erstmals als Sprayer versuchen wollten.

Mit dabei waren die Gebrüder Onkel, deren Installationen schon beim Kunstfestival IBUg zu sehen waren, und Nine Springborn (32), die bisher vor allem Zeichnungen zu Papier brachte, statt mit der Spraydose vor einer rauen Wand zu stehen.
"Alle drei haben eine ganz andere Handschrift als die Fotorealisten, von denen es in der Region sehr viele gibt. Das bringt Abwechslung", sagt Jens Müller alias Tasso.
Die Gebrüder Onkel tasteten sich in der Graffiti-Welt vor. "Man kann keine Farben mischen, dafür sind tolle Übergänge möglich", zählt Marcel Oertel (44) auf.
Für Zwillingsbruder Robby ist das Arbeiten im Freien und in der Senkrechte noch ungewohnt: "Hier stehen direkt Leute da, die zuschauen, und man muss aufpassen, dass die Farbe nicht runterläuft. Aber es ist eine schöne Möglichkeit, seine Kunst öffentlich sichtbar zu machen."
Nine Springborn bringt ein Blumenmuster auf ihre Fläche: "So zu arbeiten, das macht Spaß."

Tassos Grundidee eint die unterschiedliche Gestaltung der vier Seiten: "Viele kleinteilige Motive machen die Wände für schnell hingesprühte Tags unattraktiv oder sie gehen im Gewusel unter. So bleibt das Häuschen hoffentlich lange ansehnlich."
Titelfoto: Uwe Meinhold (2)