Wie aus einem alten Spritzenhaus ein Ort der Kreativität wurde!
Herrnhut - Die großen, blau gestrichenen und nach außen geöffneten Tore der Fassade zeigen, was das schmucke Häuschen in der August-Bebel-Straße 6 von Herrnhut (bei Löbau) einmal gewesen sein muss: ein altes Spritzenhaus der Feuerwehr!

"Es stammt von 1895", bestätigt David Haupt (43), der drin an seinem Schreibtisch im Vintage-Look sitzt.
Der Architekt hat das Häuschen nicht nur selbst umgebaut, er nutzt es auch für sein Architekturbüro.
Mit eingezogen sind der IT-Unternehmer Andreas Frei (37) und Arno Hofrichter (34), der mit seiner Hamburger Agentur Lösungen fürs Online-Marketing schneidert.
Co-Working-Space nennt sich das Ganze auf Neudeutsch.
Wie es dazu kam? "Der Bedarf war einfach da", sagt Haupt und erzählt, dass Hofrichters Frau aus dem nahen Zittau stammt.
Im Urlaub habe sich Hofrichter regelmäßig bei ihm eingemietet.
Mit dem Umzug Hofrichters in die Lausitz war dann die Idee zum Umbau des Spritzenhauses geboren.

Vom alten Spritzenhaus ist nicht mehr viel übrig

David Haupt zeigt auf den Boden. Da liegt unter dem Beton-Estrich eine neue Fußbodenheizung. Dann tritt er an die unverputzten Ziegelmauern.
"Die habe ich mit Abbruchsteinen selbst gesetzt", erzählt der gelernte Maurer weiter.
Innerhalb eines Jahres ist vorn ein großer Raum entstanden, wo einst die Spritzenwagen standen, dazu drei mit Glastüren abgetrennte Mini-Büros im Fond. Oben gibt es noch einen Besprechungsraum.
Abgesehen von der puren Bausubstanz ist vom alten Spritzenhaus nicht mehr viel übrig. Eine kleine Holzleiter setzt zusammen mit anderen Erbstücken originale und originelle Akzente in dem durchaus modern wirkenden Ambiente.

Die Jury des neuen "Staatspreises Ländliches Bauen" vergab dafür kürzlich den Hauptpreis in der Kategorie "Gewerbliches Bauen". Das Preisgeld von 5000 Euro ist bereits gut angelegt.
"Wir waren in Israel. Unsere Tochter hat dort ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht", sagt Haupt schmunzelnd.
Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe (2)