Sachsens Tafel-Chef schlägt Alarm: "Wir müssen in drei Monaten dichtmachen"
Dresden - Der Landesverband der Tafeln funkt SOS. "Wir müssen in drei Monaten dichtmachen, wenn wir nicht bald Unterstützung vom Bund oder Land bekommen", sagt der Tafel-Landesvorsitzende Stephan Trutschler (63).

45 Tafeln mit rund 200 Ausgabestellen versorgen hierzulande Menschen mit kleinen Einkommen mit gespendeten Lebensmitteln.
"Pro Jahr verzeichnen wir rund 900.000 Abholungen. Hinter so einer Abholung kann eine zwölfköpfige Familie oder eine alleinstehende Person stehen", so Trutschler.
Die Lebensmittelausgabe wird vor allem ehrenamtlich organisiert.
Das Tafel-Rückgrat bilden Hunderte Helfer, die dort eine sogenannte Arbeitsgelegenheit gefunden haben. Sie erhalten ein schmales Entgelt, das überwiegend von den Arbeitsagenturen und Jobcentern kommt.
Tafeln Sachsen wollen Modell von Schleswig-Holstein übernehmen

"Weil es aktuell keinen Bundeshaushalt gibt, stellen die Arbeitsagenturen für die Arbeitsgelegenheiten keine Mittel mehr bereit", erklärt nun Stephan Trutschler frustriert. Die Tafeln zehren momentan von ihren knappen Rücklagen.
Die reichen nur noch wenige Monate. Mit Blick auf die geplanten Kürzungen bei Sachsens Sozialausgaben überfällt den Freitaler das Grauen.
Die sächsischen Tafeln wünschen sich, dass der Freistaat das Modell von Schleswig-Holstein übernimmt. Eine Million Euro stellt dieses Land jährlich den Tafeln dort zur Verfügung.
Trutschler: "Solche Summen brauchen wir auch, aber uns würden für die Planungssicherheit auch schon 100.000 bis 200.000 Euro reichen. Ohne Unterstützung sehe ich den sozialen Frieden in Gefahr."
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis, Kristin Schmidt