Putins Ukraine-Krieg macht jetzt auch noch Sachsens Senf teurer!
Dresden/Bautzen - Ob Lieferschwierigkeiten oder Hamster-Käufe: Die Folgen des Ukraine-Krieges fegen immer mehr Waren und Köstlichkeiten aus den sächsischen Supermarktregalen. Jetzt geht die Sorge um, dass den Deutschen kurz vorm Angrillen die Zutaten für ihren geliebten Senf ausgehen.
"Fast 100 Prozent unserer Senfsaat haben wir aus Russland und der Ukraine bezogen, immer in bester Qualität", sagt Julia Jungbeck-Ucar (33).
Sie ist Geschäftsführerin von "Altenburger Senf & Feinkost" und hat den Betrieb von ihrem Vater übernommen. Das Unternehmen produziert mehr als 300 Mostrich-Sorten, darunter auch den bekannten "Dresdner Senf".
Julia Jungbeck-Ucar rechnet mit einem Einbruch der Ernten in Osteuropa. Die Unternehmerin hat mithilfe von zwei Agrarbetrieben in Thüringen bereits komplett auf die lokale Erzeugung umgestellt, bezieht in Zukunft 80 Tonnen Senfsaat direkt von dort.
Die Produktion in ihrem Betrieb sieht sie für die kommenden Monate gesichert, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.
"Die Preissteigerungen der letzten Wochen von bis zu 500 Prozent bei den Saaten werden wir in irgendeiner Form auch an den Endverbraucher weitergeben müssen. Hinzu kommen hohe Kosten für Energie, Sprit und Verpackung", so die 33-Jährige.
Marktlage war schon zuvor angespannt, dann kam der Ukraine-Krieg dazu
Auch die Kollegen von Bautz'ner Senf denken an Preiserhöhungen. 60 Prozent der Senfsaat beziehen sie aus dem Ausland, häufig aus Kanada und der Ukraine.
Die Unternehmenszentrale im bayerischen Unterhaching teilt auf TAG24-Anfrage mit: "Wegen der Missernte in Kanada 2021 war der Weltmarkt bereits angespannt. Nun sind auch die Lieferantenbeziehungen in der Ukraine aus dem Gleichgewicht geraten." Noch sei Bautz'ner aber produktionsfähig.
Mit Blick auf das Mostrich-Fiasko in Osteuropa verweist der Lebensmittelindustrie-Verband Kulinaria (Sitz in Bonn) auf die Reserven der Unternehmen. Vielerorts seien Silobestände angelegt worden.
Hauptgeschäftsführer Markus Weck (47) erklärt: "Wie lange allerdings diese Vorräte halten, können wir nicht genau sagen. Wir rechnen mit einer schwierigen Marktlage zum Ende des Jahres und in 2023."
Titelfoto: Altenburger Senf & Feinkost GmbH