Gnadenloser Preiskampf um Sachsens Biertrinker: Kasten Pils schon ab 6,79 Euro!
Dresden - In der Brauer-Branche brodelt es. Vor der Kulisse von Energie- und Rohstoffkrise tobt ein gnadenloser Preiskampf auf dem Getränke-Markt. Erste Opfer sind bereits zu beklagen: 130 Jahre Brautradition gingen dieser Tage im Böhmischen Brauhaus in Großröhrsdorf zu Ende.
"Die letzten Kisten mit Böhmisch-Brauhaus-Bier nehmen unsere Stammkunden mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freuen sich, dass sie noch Nachschub bekommen haben, und trauern, weil die Brauerei dichtgemacht hat", berichtet Oliver Hausmann vom "Getränke Land" auf der Glashütter Straße in Dresden-Striesen.
Der Getränkehändler beobachtet seit Wochen und Monaten Turbulenzen auf dem Markt - davon sind nicht nur Pils & Co. betroffen, sondern auch Spirituosen, Wein.
"Alles wird teurer", berichtet Hausmann. Gleichzeitig fahren große Lebensmittelketten immer wieder Kampagnen mit Billig-Preisen (Kasten Pilsner für 6,79 Euro), die den Fachhandel sprachlos machen.
Aktuelles Marktumfeld zwingt Betriebe zum Umdenken
Laut Statista stiegen die Bierpreise vom Jahr 2020 zu 2021 um 1,52 Prozent. Von 2021 zu 2022 sogar um 5,6 Prozent. In der Gastronomie ist dies bereits deutlich spürbar. Die Preiserhöhungen begründen die Brauereien mit gestiegenen Kosten (Energie, Zutaten, Kohlensäure, Logistik, Personal, Glas, Kronkorken).
"Anders sieht es im Handel aus. Hier jagt eine Rabattaktion die nächste. Bedauerlich ist, dass der Handel damit nicht nur ein falsches Bild zeichnet, sondern zugleich das Produkt entwertet", ärgert sich der Geschäftsführer des Sächsischen Brauerbundes, Thomas Gläser.
Das aktuelle Marktumfeld zwingt die Betriebe zum Umdenken. "Wer sich dem verschließt, wird auf Dauer nicht bestehen und sich am Markt behaupten können", meint Gläser. Der Bierabsatz insgesamt ist in den letzten Jahren rückläufig, auch in Sachsen. Vor allem Corona hat der Branche zugesetzt.
Doch in den ersten beiden Monaten des aktuellen Jahres konnte die Branche in Sachsen zulegen. Thomas Gläser: "Der Absatz im Handel ist zum Teil aber auch teuer erkauft."
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann/Eric Münch