Insolvenzantrag! Glas-Tradition nach 223 Jahren vor Aus

Freital - Wirtschafts- und Energiekrise haben offenbar ein weiteres sächsisches Traditionsunternehmen in die Knie gezwungen. Am Mittwoch beantragte die Glashütte Freital GmbH die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Die Glashütte in Freital - am Mittwoch erfuhr die Belegschaft, dass ihr Unternehmen insolvent ist.  © Holm Helis

Kann die Firma nicht saniert werden, würde eine 223 Jahre währende Tradition zu Ende gehen.

Wackerbarth-Sekt, Heide-Fruchtsaft, Nudossi-Creme - all diese sächsischen Köstlichkeiten stecken in Glas aus Freital.

Im Jahre 1802 als Königliche Friedrich-Hütte in Döhlen gegründet, stellt das Unternehmen bis heute Flaschen und Glasbehälter her.

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Was zwei Weltkriege und sozialistische Planwirtschaft nicht vermocht haben, könnte nun rot-grüne Energie- und Wirtschaftspolitik zustande bringen. Das Ende der Tradition droht.

Am Mittwoch informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft, dass für das Unternehmen Insolvenz beantragt wurde. Angestrebt ist demnach eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Wie aus der Belegschaft zu erfahren war, will das Management die Glashütte mit einem harten Sanierungsplan retten. Die Glasproduktion soll erst einmal weitergeführt werden.

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Ein Mitarbeiter überwacht im Glaswerk die Produktion von Flaschenrohlingen. Die Anfänge der Glasproduktion in Freital gehen ins Jahr 1802 zurück.  © Marion Gröning / ZB

Stellenabbau bei Glashütte Freital scheint unausweichlich

Ein Band voller Nudossi-Gläser - sie werden exklusiv in Freital produziert.  © Eric Münch

Die Geschäftsleitung wollte sich gestern auf Anfrage nicht zu den Hintergründen äußern, kündigte aber für heute eine Erklärung an.

In einem Schreiben, das parallel zur Belegschaftsversammlung an Lieferanten ging, heißt es: "Die Entwicklung am Markt und die aktuellen Bedingungen haben dazu geführt, dass die Einnahmen zur Bezahlung aller produktionsbedingten Kosten, Finanzierungskosten und sonstigen Verbindlichkeiten nicht ausreichen ..."

Vor allem die hohen Energiekosten für Glasschmelze, Feeder und Kühlöfen haben der Hütte zugesetzt. Zudem musste der Betrieb nach Angaben aus der Belegschaft im letzten Jahr rund eine Viertelmillion Euro CO₂-Abgabe allein für die Schmelzwanne zahlen, dazu zigtausende Euro an Netzentgelten.

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Wie aus der Belegschaft weiter zu erfahren war, soll die geplante Sanierung mit einer massiven Stellenstreichung einhergehen. Aktuell sind noch rund 130 Mitarbeiter in der Glasfabrik beschäftigt.

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