Grüne bereiten sich mit Bürgern auf nächste Pandemie vor

Dresden - Welche Lehren können wir aus der Corona-Zeit ziehen, um uns auf eine mögliche neue Pandemie besser vorzubereiten? Um diese Frage zu klären, hat die Grünen-Landtagsfraktion den Diskurs mit den Bürgern gesucht.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert (42, r.) und der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53) eröffneten die Veranstaltung.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert (42, r.) und der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53) eröffneten die Veranstaltung.  © TAG24

Am Donnerstagnachmittag fanden sich im Dresdner Kulturforum "riesa efau" insgesamt 65 Menschen aus ganz verschiedenen Bevölkerungsteilen zusammen, um über ihre Erfahrungen aus den Corona-Jahren zu sprechen. Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert (42) zeigte sich in ihrer Eröffnungsrede von der Teilnehmerzahl "überwältigt."

Die Grünen wollten die Veranstaltung dafür nutzen, um die Anliegen der Menschen in die anstehende Arbeit der Enquete-Kommission "Aufarbeitung der Corona-Pandemie: Lehren für den zukünftigen Umgang mit Pandemien im Freistaat Sachsen" einfließen zu lassen. "Wir wollen ihre Meinung in die Kommission mitnehmen", erklärte der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53), der selbst Teil der Corona-Kommission ist.

Obwohl die Pandemie inzwischen Geschichte ist, sei das Thema vor allem politisch weiterhin "omnipräsent", sagte Löser, ehe die Teilnehmer in kleinere Arbeitsgruppen aufgeteilt wurden und gemeinsam über einzelne Sachfragen diskutierten.

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An insgesamt fünf Thementischen wurde die Corona-Pandemie anhand der Schwerpunkte "Gesellschaftliche Spaltung", "Long Covid und Post Vac", "Kinder und Jugendliche", "Sport und Ehrenamt" sowie "Gesundheitssystem" näher beleuchtet. Die Ergebnisse wurden anschließend, wie einst zu Schulzeiten, auf Plakaten festgehalten.

TAG24 saß mittendrin!

Großes Interesse an der Grünen-Veranstaltung im "riesa efau" an der Wachsbleichstraße.
Großes Interesse an der Grünen-Veranstaltung im "riesa efau" an der Wachsbleichstraße.  © TAG24

Long Covid und Post Vac sind für Thomas Löser besonders wichtig

Thomas Löser (53) diskutierte mit Teilnehmern über die Themen Long Covid und Impfschäden.
Thomas Löser (53) diskutierte mit Teilnehmern über die Themen Long Covid und Impfschäden.  © TAG24

Ein für Thomas Löser besonders bewegendes Thema sind die Langzeitfolgen von Infektion und Impfung. Er selbst weiß, wie schwer die Situation für Betroffene sein kann. Anfang Juni 2021 ließ sich seine älteste Tochter (damals 14) gegen Covid-19 impfen und erlitt danach schwere gesundheitliche Schäden.

Zur Schule gehen, den Alltag bewältigen - "es ist alles Kampf", erzählt der Dresdner in der Runde. Ein Dilemma, das auch andere Long-Covid- und Post-Vac-Erkrankte nur zu gut kennen. Gemeinsam mit dem Politiker sprachen acht Teilnehmer, die Mehrzahl selbst betroffen, über Hürden im Gesundheits- und Sozialsystem.

Das größte Problem: Mangelnde Anerkennung und fehlende Versorgung. Im Zuge der Diskussion wurden relevante Fragen erarbeitet, mit denen sich die Enquete-Kommission künftig beschäftigen soll.

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Immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn Betroffene finden endlich Gehör.

"Viel gelernt": Grünen-Abgeordnete ziehen positives Fazit

Sachsens ehemalige Justizministerin Katja Meier (45) war ebenfalls vor Ort. (Archivbild)
Sachsens ehemalige Justizministerin Katja Meier (45) war ebenfalls vor Ort. (Archivbild)  © Petra Hornig

Im Anschluss an die gut zweistündige Veranstaltung zogen die anwesenden Grünen-Politiker eine positive Bilanz. Fünf der insgesamt sieben Landtagsabgeordneten waren selbst vor Ort und mischten aktiv mit.

Fraktionsvorsitzende Schubert saß mit am Tisch zum Thema "Gesundheitssystem". Sie erklärte gegenüber TAG24, dass sie im Zuge eines "intensiven" Austauschs "vieles gelernt" habe. In Anbetracht einer möglichen neuen Pandemie sei es für Schubert besonders wichtig, dass Parlamente im Ernstfall stärker an den politischen Maßnahmen beteiligt und Investitionen in einen "Stand-by"-Modus zur Pandemie-Abwehr getätigt werden.

Sachsens ehemalige Staatsministerin der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung, Katja Meier (45), hat Corona an vorderster Front miterlebt. Sie sagte zu TAG24, dass damals "vier Herzen" in ihrer Brust geschlagen hätten: Sie habe im Sinne ihres Amtes stets versucht, Sicherheit, Rechtliches, Gleichberechtigung und europäische Fragen hinsichtlich der Krisenbewältigung "in Einklang" zu bringen. Meier sprach dabei von einer "herausfordernden" Zeit.

Für Löser habe die Veranstaltung gezeigt, dass es weiterhin "viel Gesprächsbedarf" zum Thema Corona gebe. Für ihn hätte die Aufarbeitung der Pandemie schon viel früher beginnen sollen.

Thomas Löser ist Mitglied der Enquete-Kommission und hat auch innerhalb der eigenen Familie noch immer mit den Folgen von Corona zu kämpfen. (Archivbild)
Thomas Löser ist Mitglied der Enquete-Kommission und hat auch innerhalb der eigenen Familie noch immer mit den Folgen von Corona zu kämpfen. (Archivbild)  © Thomas Türpe

Löser erklärte TAG24 vor Ort, dass die Enquete-Kommission "mehr für die Gesamtgesellschaft" nütze als der von AfD und BSW einberufene Untersuchungsausschuss, der mehr einem "Verhör" als einer offenen Diskussion gleiche.

Titelfoto: Bildmontage: TAG24

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