Trotz dutzender toter Schafe in Sachsen: Gericht kippt Abschusserlaubnis für den Wolf!

Bautzen - Der Umgang mit dem Wolf - in Sachsen wird der Streit mit unnachgiebiger Härte geführt. Nach mehreren tödlichen Übergriffen seit Jahresbeginn auf Dutzende Weidetiere hatte der Landkreis Bautzen eine Abschussgenehmigung für einen Räuber aus dem Ralbitzer Rudel erteilt. Doch auf Antrag von Wolfsschützern kippte das Dresdner Verwaltungsgericht die Anordnung umgehend.

Zwei Wölfe durchstreifen die Lausitz. Momentan sind sie vor der Flinte sicher - offiziell jedenfalls.
Zwei Wölfe durchstreifen die Lausitz. Momentan sind sie vor der Flinte sicher - offiziell jedenfalls.  © Torsten Beuster/dpa

Sven Helm (49) versteht die Welt nicht mehr. Bei drei Wolfsübergriffen im Februar hat der Betreiber des Krabathofes in Eutrich insgesamt 16 Schafe verloren, darunter acht trächtige Muttertiere. Weder Elektrozaun und Flatterband noch die vom Wolfsbüro empfohlene Lichtblitzanlage konnten die Räuber aufhalten.

Umso hoffnungsvoller waren Helm und andere betroffene Tierhalter aus dem Landkreis Bautzen, als Landrat Udo Witschas (53, CDU) am 11. März eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss eines Wolfes aus dem Ralbitzer Rudel erteilte.

"Es war alles vorbereitet, die Jäger, die Hochstände ...", berichtet Helm gegenüber TAG24. Doch dann kam die Vollbremsung. Auf Eilantrag des Vereins "Freundeskreis freilebender Wölfe", der seinen Hauptsitz passenderweise im fernen Wolfsburg hat, kippte das Verwaltungsgericht die Abschusserlaubnis, noch bevor der Räuber vor den Zielfernrohren auftauchte.

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Die Richter bemängelten, dass die Abschussverfügung des Landkreises "zu unbestimmt" sei, da nicht erkennbar wäre, auf welchen genauen Raum sie sich beziehe. Zudem sahen die Richter "zumutbare Alternativen" des Herdenschutzes nicht ausgeschöpft.

Helm klagt über Wolfsschützer

Ein Jäger visiert vom Hochstand aus sein Ziel an. Auch im Kreis Bautzen war alles für den Wolfsabschuss vorbereitet - bis das Verwaltungsgericht die Aktion stoppte.
Ein Jäger visiert vom Hochstand aus sein Ziel an. Auch im Kreis Bautzen war alles für den Wolfsabschuss vorbereitet - bis das Verwaltungsgericht die Aktion stoppte.  © Patrick Pleul/dpa

Die hohen Tierverluste, die permanente Unsicherheit und das rechtliche Hickhack ließen immer mehr Tierhalter ans Aufhören denken, sagt Helm. Und er ärgert sich, dass noch nie einer der klagefreudigen Wolfsschützer bei ihm war, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

"Es braucht jetzt endlich klare politische Entscheidungen, wie das mit dem Wolf hier weitergehen soll", fordert Helm.

Der Landkreis jedenfalls wird gegen den Gerichtsbeschluss nicht vors Oberverwaltungsgericht ziehen, wie Sprecherin Frances Lein auf Anfrage erklärte. Man werde die Entscheidung auswerten und die weitere Entwicklung abwarten.

Titelfoto: Fotomontage: Torsten Beuster/dpa//Patrick Pleul/dpa

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