Diese Sachsen haben es wohl ins Europäische Parlament geschafft

Dresden - Der Osten macht blau: Nach den ersten Ergebnissen ist die AfD bei der Europawahl in Ostdeutschland mit Abstand stärkste Kraft geworden. Zudem werden (fast) alle sächsischen Kandidaten, die die Parteien nominiert hatten, ins Europäische Parlament einziehen. Nur für eine Partei hat es nicht gereicht.

Die ersten Wahlscheine sind inzwischen ausgezählt. Doch bis zum finalen Ergebnis vergeht wohl noch viel Zeit.
Die ersten Wahlscheine sind inzwischen ausgezählt. Doch bis zum finalen Ergebnis vergeht wohl noch viel Zeit.  © Daniel Förster

Das sieht nach einem politischen Erdrutsch aus: Nach Auszählung der Stimmen in gut einem Viertel der 418 Gemeinden und gegen 20.52 Uhr kam die Alternative für Deutschland am Abend auf 39 Prozent der Stimmen.

Dahinter rangierten die CDU mit 24,4 Prozent und das BSW mit 13 Prozent. Auf den Plätzen folgten SPD (4,9), Linke (3,3) und Freie Wähler (3,7).

Die Grünen und FDP sind in der Statistik zu diesem Zeitpunkt nur noch unter sonstige Parteien aufgeführt. Die Ergebnisse in den drei Großstädten Chemnitz, Dresden und Leipzig standen aber noch aus.

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Damit war zu diesem Zeitpunkt klar, dass der Noch-Chef der Staatskanzlei in Dresden Oliver Schenk (55), Spitzenkandidat der sächsischen CDU, sicher nach Brüssel gehen wird.

Geschafft haben es danach rein rechnerisch auch Anna Cavazzini (41, Grüne), Carola Rackete (35, Linke), Jan-Peter Warnke (64, BSW) und Matthais Ecke (40, SPD). Nur für den Kubschützer Bäckermeister Stefan Richter (45, FDP), den seine Partei auf Platz 14 gelistet hatte, hat es nicht gereicht.

Matthais Ecke (40, SPD) hat es wohl ins Europaparlament geschafft.
Matthais Ecke (40, SPD) hat es wohl ins Europaparlament geschafft.  © Thomas Türpe

So reagieren Anna Cavazzini und Oliver Schenk

Die Wahl-Chemnitzerin Anna Cavazzini (41) wird auch in den nächsten fünf Jahren wieder für die Grünen im Europa-Parlament sitzen. Trotzdem zeigt sie sich enttäuscht: "Wir sind deutlich hinter unseren Möglichkeiten geblieben."
Die Wahl-Chemnitzerin Anna Cavazzini (41) wird auch in den nächsten fünf Jahren wieder für die Grünen im Europa-Parlament sitzen. Trotzdem zeigt sie sich enttäuscht: "Wir sind deutlich hinter unseren Möglichkeiten geblieben."  © Steffen Füssel
Oliver Schenk (55, CDU) ist enttäuscht.
Oliver Schenk (55, CDU) ist enttäuscht.  © Thomas Türpe

Enttäuscht zeigte sich Oliver Schenk: "Die ersten Zahlen sind ernüchternd." Der Abend habe klar gezeigt, dass die Ampel-Parteien abgestraft wurden.

Anna Cavazzini zeigte sich schockiert über das gute Abschneiden der AfD und erklärte: "Das heutige Ergebnis kann uns nicht zufriedenstellen." Die Grünen seien deutlich hinter ihren Möglichkeiten geblieben.

Bei der FDP sprach man trotz des Ergebnisses von soliden Zahlen. "Wir hoffen, dass es noch ein bisschen besser wird hinter dem Komma", so Landes-Vize Thomas Kunz.

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Sicher drin ist trotz der Schlagzeilen im Vorfeld auch Maximilian Krah (47, AfD). Er stand bundesweit auf Listenplatz 1 seiner Partei. AfD-Landeschef Jörg Urban (59) zeigte sich sehr zufrieden: "Wir sind deutschlandweit zweitstärkste Kraft geworden", sagte er, "darüber freue ich mich außerordentlich."

BSW-Chefin jubelt: "Einzigartig"

Korkenknallen auch bei der Sachsen-Abteilung vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Dass eine Partei aus dem Stand heraus im bundesweiten Durchschnitt gleich über fünf Prozent komme, sei einzigartig, sagte die sächsische BSW-Chefin Sabine Zimmermann (63).

Sie verwies darauf, dass das Bündnis bei der Stimmenauszählung in Sachsen sogar einen zweistelligen Wert erreicht hat: "Damit ist für uns klar: Die Landtagswahlen am 1. September werden völlig andere Wahlen sein als vor fünf Jahren. Damals wussten viele Menschen nicht mehr, welche Partei sie wählen sollten."

Sabine Zimmermann (63) freut sich über das Ergebnis für ihr BSW.
Sabine Zimmermann (63) freut sich über das Ergebnis für ihr BSW.  © dpa/Sebastian Kahnert

Zukunft von Maximilian Krah vorerst offen

Die beiden AfD-Parteichefs Tino Chrupalla (49) und Alice Weidel (45) haben sich nicht dazu geäußert, ob Maximilian Krah (47) und Petr Bystron (51) ihre Mandate im Europaparlament antreten werden. "Ich werde mich nicht dazu äußern", sagte Weidel in der ARD. Chrupalla wich im ZDF der Frage.

Der Dresdner AfD-Spitzenkandidat Krah und die Nummer zwei Bystron standen im Wahlkampf wochenlang in den Schlagzeilen. Bei beiden geht es um mögliche Verbindungen nach Russland, bei Krah auch zu China.

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe (2)

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