Bundestag: Sachsens MP knallhart - "Land ist wirtschaftlich am Ende"

Berlin - Knapp fünf Wochen nach der Bundestagswahl gehen die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD in die entscheidende Phase.

Ab dem heutigen Freitag gehen die Koalitionsverhandlungen in die heiße Phase. (Archivbild)
Ab dem heutigen Freitag gehen die Koalitionsverhandlungen in die heiße Phase. (Archivbild)  © Hannes P. Albert/dpa

Nach vorbereitenden Beratungen auf Fachebene wird sich ab heute eine Gruppe mit 19 Unterhändlern um die vier Parteichefs Friedrich Merz (69, CDU), Markus Söder (58, CSU), Lars Klingbeil (47, SPD) und Saskia Esken (63, SPD) um die schwierigen Streitfragen kümmern.

Ziel ist es, die Verhandlungen spätestens bis Ostern in drei Wochen abzuschließen. Das neue Kabinett könnte dann Anfang Mai im Bundestag vereidigt werden.

Aber noch ist längst nicht alles in trockenen Tüchern - Themen wie die Wehrpflicht, die Zukunft von Autos mit Verbrennungsmotoren und die Rente könnten noch haklig werden.

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Alle wichtigen Infos zur Bundestagswahl und der Regierungsbildung findet Ihr im TAG24-Ticker.

28. März, 15.56 Uhr: Sachsens MP knallhart - "Land ist wirtschaftlich am Ende"

Der stellvertretende CDU-Chef Michael Kretschmer (49) erwartet von einer neuen schwarz-roten Regierung, dass sie als Startsignal ein 100-Tage-Sofortprogramm mit konkreten Maßnahmen vorlegt.

"Es muss schnell erkennbar werden, dass jetzt Dinge sich hier verändern", sagte der sächsische Ministerpräsident, der im Kernteam der Koalitionsverhandlungen mit der SPD sitzt, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Dieses Land ist aufgewühlt, ist wirtschaftlich am Ende", kritisierte Kretschmer. "Wir haben Rezession. Wir haben einen Haushalt, der in einer wirklich aktuellen Notlage ist." In den Verhandlungen brauche es das Verständnis: "Wie kann das innerhalb von ein, zwei Jahren gedreht werden?" Es müssten wirtschaftliche Dynamik und zusätzliche Steuereinnahmen erzeugt werden und man müsse das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat zurückgewinnen.

Zudem müssten "klare neue politische Ansätze zum Thema Migration" in dem 100-Tage-Programm stehen. Bei dem Thema sei Deutschland in den vergangenen Jahren "der Falschfahrer" gewesen, sagte Kretschmer. "Wir haben Europa aufgehalten bei einer konsequenten Flüchtlingspolitik, bei einem konsequenten Außengrenzenschutz."

Sachsens MP Michael Kretschmer (49, CDU) hofft auf schnelle Maßnahmen zur Rettung der deutschen Wirtschaft.
Sachsens MP Michael Kretschmer (49, CDU) hofft auf schnelle Maßnahmen zur Rettung der deutschen Wirtschaft.  © Hannes P. Albert/dpa

28. März, 9.39 Uhr: Söder lehnt Steuererhöhungen strikt ab

CSU-Chef Markus Söder (58) lehnt Steuererhöhungen durch die geplante Koalition aus Union und SPD strikt ab.

Sozialdemokraten mögen diese gern, sagte der bayerische Ministerpräsident im ARD-"Morgenmagazin". "Das werden wir nicht tun. Wir brauchen Steuersenkungen", betonte er vor Verhandlungen der Spitzen von Union und SPD am Nachmittag. Zugleich müsse gespart werden. Wo dies geschehen soll, sei einer der schwierigsten Bereiche in den Verhandlungen.

CSU-Chef Markus Söder (58).
CSU-Chef Markus Söder (58).  © Sven Hoppe/dpa

28. März, 6.07 Uhr: Grüne kritisieren erwogene Vorhaben von Union und SPD

Die Grünen kritisieren zahlreiche erwogene Vorhaben der potenziellen Koalitionspartner Union und SPD, darunter solche zur Eindämmung der Migration und zur Sanktionierung von Bürgergeld-Empfängern.

Der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz (54) bezog sich unter anderem auf die abermalige befristete Aussetzung des Familiennachzugs zu Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutz, wie es die zuständige Arbeitsgruppe von Union und SPD vorgeschlagen hat. "Das schafft großes Leid und erschwert Integration massiv: Wer ständig Angst um seine Kinder oder Ehepartner haben muss, hat weniger Kraft, hier in Deutschland anzukommen. Kinder würden jahrelang von einem Elternteil oder den Geschwistern getrennt leben müssen", sagte von Notz der "Rheinischen Post".

Konstantin von Notz (54, Grüne) hat Kritik an den Migrationsplänen von Union und SPD geäußert. (Archivbild)
Konstantin von Notz (54, Grüne) hat Kritik an den Migrationsplänen von Union und SPD geäußert. (Archivbild)  © Georg Wendt/dpa

28. März, 6 Uhr: SPD-Generalsekretär fordert Koalition auf Augenhöhe

Vor Beginn der Hauptverhandlungsrunde für eine schwarz-rote Koalition am Freitag hat SPD-Generalsekretär Matthias Miersch (56) den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz (69) zu einem respektvollen Umgang mit den Sozialdemokraten aufgerufen.

"Es muss auf alle Fälle eine Koalition auf Augenhöhe geben. Man braucht Empathie auch für die Koalitionspartner", sagte Miersch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland auf die Frage nach seinen Erwartungen an die Führungsstärke des möglichen nächsten Bundeskanzlers.

SPD-Generalsekretär Matthias Miersch (56). (Archivbild)
SPD-Generalsekretär Matthias Miersch (56). (Archivbild)  © Kay Nietfeld/dpa

27. März, 18.45 Uhr: Bafög-Erhöhung im nächsten Jahr im Gespräch

Union und SPD diskutieren in ihren Koalitionsverhandlungen über eine Bafög-Erhöhung im nächsten Jahr.

Das geht aus einem in Berlin kursierenden Papier der Koalitionsarbeitsgruppe Bildung, Forschung und Innovation hervor. Erwogen wird demnach eine Anhebung der im Bafög enthaltenen Wohnkostenpauschale für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von derzeit 380 auf 440 Euro im Monat zum Wintersemester 2026/27.

Ob und in welcher Form der Vorschlag in einen endgültigen Koalitionsvertrag von Union und SPD einfließt, ist offen. Darüber beraten die Chefverhandler der Parteien ab Freitag in der nächsten Runde der Koalitionsgespräche. Die Vorschläge der Arbeitsgruppen stehen generell unter Finanzierungsvorbehalt.

Womöglich kommt zum Wintersemester 2026/27 eine Bafög-Erhöhung. (Symbolfoto)
Womöglich kommt zum Wintersemester 2026/27 eine Bafög-Erhöhung. (Symbolfoto)  © Hendrik Schmidt/dpa

27. März, 14 Uhr: Koalitions-Unterhändler wollen Verschärfungen bei Migration

Unterhändler von CDU/CSU und SPD planen Verschärfungen der Migrationspolitik.

Nach einem kursierenden Entwurf der AG Innen, Recht, Migration und Integration wollen sie unter anderem die Reihe sicherer Herkunftsstaaten ausweiten, in die Menschen leichter abgeschoben werden können. "Wir beginnen mit der Einstufung von Algerien, Indien, Marokko und Tunesien." Eine Erweiterung soll ständig geprüft werden, heißt es in dem Papier, an dem es noch Änderungen im Detail gegeben haben könnte.

Im Zuge der Koalitionsverhandlungen wollen sich Union und SPD auf Verschärfungen bei der Migration einigen. (Symbolbild)
Im Zuge der Koalitionsverhandlungen wollen sich Union und SPD auf Verschärfungen bei der Migration einigen. (Symbolbild)  © Daniel Löb/dpa

26. März, 18.02 Uhr: Festhalten am Kohleausstieg bis 2038

Die Unterhändler von CDU/CSU und SPD wollen am Kohleausstieg spätestens 2038 festhalten.

Differenzen gibt es bei der künftigen Rolle der Atomkraft. Ihr schreibt nur die Union eine möglicherweise "bedeutende Rolle" zu. Sie will auch prüfen, ob die zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke wieder in Betrieb gehen könnten.

Die Belastungen durch den steigenden CO2-Preis, der Tanken und Heizen teurer macht, wollen die Verhandler ausgleichen. "Die CO2-Einnahmen geben wir an die Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen zurück", heißt es in dem Papier.

Nach dem Willen von Union und SPD soll der Kohleausstieg weiterhin bis 2038 vollzogen werden. (Symbolfoto)
Nach dem Willen von Union und SPD soll der Kohleausstieg weiterhin bis 2038 vollzogen werden. (Symbolfoto)  © Jan Woitas/dpa

26. März, 15.41 Uhr: Unterhändler von Union und SPD für CO2-Speicherung

Überlegungen innerhalb der werdenden schwarz-roten Koalition zur künftigen Klimapolitik lösen Kritik aus.

Grünen-Politiker und Umweltverbände fürchten nach Bekanntwerden eines Entwurfs der Arbeitsgruppe Klima und Energie Abschwächungen beim Klimaschutz. Dabei geht es insbesondere um Passagen zum Umgang mit Treibhausgasen.

"Die Klimaziele erreichen wir vorrangig durch Reduktion von CO2, zusätzlich durch Anrechnung negativer Emissionen", heißt es in dem Papier - also durch Einsparungen von Kohlendioxid (CO2) und dessen Entnahme aus der Atmosphäre. Die Unterhändler von CDU und CSU wollen weitergehen: Sie wollen dabei auch auf "glaubwürdige CO2-Reduzierung in Partnerländern" setzen. Die Umweltorganisation Germanwatch kritisierte: "Eine Abwälzung der eigenen Verantwortung auf andere Staaten wäre ungerecht."

Unterhändler von Union und SPD sind für eine CO2-Speicherung. (Archivfoto)
Unterhändler von Union und SPD sind für eine CO2-Speicherung. (Archivfoto)  © Swen Pförtner/dpa

26. März, 14.51 Uhr: Weidel lädt Klöckner erneut in AfD-Fraktion ein

Die AfD im Bundestag hat die neu gewählte Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (52) in eine ihrer nächsten Fraktionssitzungen eingeladen.

"Unsere Einladung zu einem Austausch in unserer Fraktion steht. Wir freuen uns, wenn Frau Klöckner es einrichten kann, in eine unserer nächsten Sitzungen zu kommen", sagte Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel (46) dem "Tagesspiegel". "Das Thema des Umgangs mit der AfD als zweitstärkste Kraft im Deutschen Bundestag ist aus unserer Sicht ein dringendes", fügte sie hinzu.

26. März, 12.58 Uhr: Wüst enttäuscht über Wahlergebnis seiner Union

Knapp einen Monat nach der Bundestagswahl hat sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (49, CDU) enttäuscht über das Abschneiden seiner Partei gezeigt.

"Wir können als Union insgesamt mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden sein. Wir haben uns mehr vorgenommen", sagte er am Dienstagabend in der ARD-Sendung "Maischberger".

CDU und CSU wurden bei der Wahl im Februar mit insgesamt 28,5 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft. Dass die Ampel-Parteien im Vergleich zu 2021 fast 20 Prozentpunkte verloren hätten, die Union aber nur knapp vier Prozentpunkte dazu gewann, "dann ist das kein gutes Ergebnis", sagte er. "Friedrich Merz hat selber von 35 Prozent und mehr gesprochen, was drin sein sollte."

Titelfoto: Hannes P. Albert/dpa

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