Bei Magdeburg-Anschlag: Viele Ärzte waren zufällig vor Ort
Von Christopher Kissmann
Magdeburg - Beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt sind die Rettungskräfte von vielen Ersthelfern und Ärzten unterstützt worden, die privat vor Ort waren.

Es seien an dem Abend mindestens 74 Ärzte an der Einsatzstelle gewesen, sagte der Leiter des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz der Landeshauptstadt Magdeburg, Frank Mehr, vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Landtag.
Insgesamt waren deutlich mehr als 600 Einsatzkräfte beteiligt.
Mehr sprach von "zahlreichen glücklichen Umständen" in einer schwierigen Situation, so seien etwa Ärzte wegen der Anreise zu einer Feier in der Nähe gewesen.
Außerdem gab es Unterstützung aus den umliegenden Landkreisen sowie viele "Spontanhelfer". Weiterhin sei ein pensionierter Mitarbeiter, der einst ein Konzept für den Umgang mit vielen Verletzten erstellt habe, zufällig privat vor Ort gewesen.
Dieser habe den Einsatzkräften unmittelbar nach dem Anschlag eine qualifizierte Lageeinweisung geben können, dies sei ein großes Pfund gewesen, sagte Mehr.
121 Patienten in Kliniken transportiert

Aufgrund der vielen medizinischen Kräfte habe man fast eine individualmedizinische Versorgung sicherstellen können, so der Amtsleiter.
121 Patientinnen und Patienten seien in Kliniken transportiert worden. Wie viele Menschen sich privat in Krankenhäuser begeben hätten, wisse man nicht.
Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 2024, war ein 50-Jähriger aus Saudi-Arabien mit einem Auto über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast.
Dabei wurden sechs Menschen getötet und über 300 weitere verletzt. Der Täter sitzt in Untersuchungshaft.
Amtsleiter kritisiert fehlende Digitalisierung

Mehr betonte, dass man nicht nur bei den Rettungskräften, sondern auch bei den vielen Ersthelfern die psychosoziale Unterstützung in den Blick nehmen müsse.
Viele Personen seien bis heute aber nicht bekannt. Man habe im Nachgang versucht, diese Menschen über verschiedene Wege zu erreichen, so Mehr.
Der Amtsleiter kritisierte zudem die fehlende digitale Vernetzung zwischen den Krankenhäusern und der Rettungsleitstelle.
Klinikvertreter hätten teilweise versucht, über die 112 die Leitstelle zu erreichen, um etwa Bettenkapazitäten zu melden, sagte Mehr.
"Es hätte uns erheblich geholfen, wenn wir digital vernetzt gewesen wären."
Die Einsatzkräfte hatten an dem Abend zudem mit Falschmeldungen wie vermeintlichen Schüssen an anderen Orten in der Stadt, mit einer großen Anzahl an Presseanfragen sowie mit einer "Notrufflut" in der Leitstelle zu kämpfen, wie mehrere Vertreter im Ausschuss berichteten.
Titelfoto: Heiko Rebsch/dpa