Angst vor tödlicher Affen-Seuche im Leipziger Zoo: Haben Menschen die Gorillas angesteckt?

Leipzig - Nach dem Tod zweier Flachlandgorillas binnen zehn Tagen herrscht im Leipziger Zoo Angst vor einem gefährlichen Erreger, der weitere Menschenaffen befallen könnte. Zur Rettung des Bestandes zieht der Tierpark Experten aus anderen europäischen Zoos zu Rate. Unterdessen nimmt die Tierschutzorganisation PETA die Tragödie zum Anlass, ein Ende der Primatenhaltung zu fordern.

Diese Aufnahme vom 5. Dezember 2013 zeigt Kibara mit ihrem frisch geborenen Sohn Jengo, der sechs Monate später starb. Jetzt ist auch das Gorilla-Weibchen gestorben.
Diese Aufnahme vom 5. Dezember 2013 zeigt Kibara mit ihrem frisch geborenen Sohn Jengo, der sechs Monate später starb. Jetzt ist auch das Gorilla-Weibchen gestorben.  © imago stock&people

Vergangene Woche traf es den im Dezember 2017 im Leipziger Zoo geborenen Kio, am Donnerstag die 21 Jahre alte Kibara. Beide Gorillas waren nach intensivmedizinischer Untersuchung nicht mehr aus der Narkose erwacht. Zuvor zeigten sie sich abgeschlagen und verweigerten die Nahrungsaufnahme. Eine medikamentöse Behandlung schlug nicht an.

Im Zoo vermutet man eine Infektionskrankheit - nur welcher Erreger die Affen befallen hat, ist bislang unklar. Und es herrscht Angst, dass sich weitere der von sechs auf vier Tiere geschrumpften Gorilla-Familie angesteckt haben könnten.

"Die Gruppe ist aufgrund der Verluste niedergeschlagen und wirkt angespannt. Ob zudem auch medizinische Ursachen vorliegen, können wir noch nicht abschätzen", erklärte Zoo-Tierarzt Dr. Andreas Bernhard.

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Die Gorilla-Gruppe ist aktuell nur im Innengehege zu sehen und steht unter strenger medizinischer Kontrolle. Mithilfe veterinärmedizinischer Spezialisten des Europäischen Zooverbandes und Gorilla-Experten aus anderen Zoos konzentriere man sich darauf, die Ursache zu finden und die verbliebenen Tiere zu schützen, so Bernhard.

Ratlos: Leipzigs Zoo-Tierarzt Dr. Andreas Bernhard.
Ratlos: Leipzigs Zoo-Tierarzt Dr. Andreas Bernhard.  © imago images/PicturePoint
Die Leipziger Gorilla-Gruppe im Pongoland - jetzt sind es nur noch vier Tiere.
Die Leipziger Gorilla-Gruppe im Pongoland - jetzt sind es nur noch vier Tiere.  © Zoo Leipzig

Infektion von Menschen auf Gorillas übertragen?

Das bekannte Eingangsportal des Zoos in Leipzig - aktuell herrscht im berühmten Tierpark akute Sorge vor einer Menschenaffen-Seuche.
Das bekannte Eingangsportal des Zoos in Leipzig - aktuell herrscht im berühmten Tierpark akute Sorge vor einer Menschenaffen-Seuche.  © imago stock&people

Die Infektion könnte auch von Menschen auf die Gorillas übertragen worden sein. Forscher des Dian Fossey Gorilla Fund in Ruanda hatten zwischen 2004 und 2020 mehrere Ausbrüche von Atemwegserkrankungen bei Berggorillas untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass menschliche Viren die Tiere befallen hatten.

Anfang 2021 wurden zudem im Zoo von San Diego erkrankte Gorillas positiv auf Corona (Sars-CoV-2) getestet.

Unterdessen meldete sich PETA zu Wort und forderte einen Zuchtstopp für Menschenaffen in Zoos.

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"Aufgrund der unnatürlichen und mangelhaften Haltungsbedingungen in Gefangenschaft kommt es bei Menschenaffen immer wieder zu plötzlichen Todesfällen, die häufig mit Infektionserkrankungen in Verbindung stehen", erklärte Kampagnen-Sprecher Peter Höffken.

Titelfoto: Montage: imago stock&people

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