Weil Flutwelle droht: Millionenschwere Gefahrenabwehr im Leipziger Neuseenland
Markkleeberg - Der seit 2021 gekappte Schleusen-Kanal zwischen Störmthaler und Markkleeberger See droht erneut zur Gefahr für den Leipziger Südraum zu werden. Der Bergbausanierer LMBV hat umfangreiche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet, damit es nicht zum Seen-Durchbruch samt zerstörerischer Flutwelle kommt.

Das Worst-Case-Szenario eines möglichen Seen-Durchbruchs klingt wie das Drehbuch eines Katastrophenfilms: Vom höhergelegenen Störmthaler See würden 30 Millionen Kubikmeter Wasser in einer Flutwelle nach Markkleeberg rauschen. Autobahnbrücke (A38) und Häuser würden weggerissen, die Stadt im Süden Leipzigs teilweise überflutet.
Um das zu verhindern, war der ins Rutschen geratene Kanal 2021 mit riesigen Spundwänden gekappt, die von der Rutschung bedrohte Kanuparkschleuse gesichert worden. Doch die Maßnahmen reichen nicht mehr aus, gestand LMBV-Chef Bernd Sablotny am Mittwoch ein. Denn im Laufe der vergangenen Jahre habe sich das Schadensbild verschlimmert.
Noch liege das Schleusenbauwerk stabil, doch die Gleitsicherheit sei nicht nachgewiesen, so Sablotny. Auch steige das Grundwasser stärker als prognostiziert. Die aktuellen Prognosen liegen bereits zweieinhalb Meter über denen der Bauplanung von 2002.
Am Schleusenbauwerk würden bereits sogenannte Wassertöpfe auf unterirdische Strömungen hindeuten.
Spundwände korrodieren: "An den schlimmsten Punkten ist die Restwanddicke nur noch sieben Millimeter"

Sorgen bereitet auch die fortschreitende Korrosion der 2021 eingezogenen Spundwände. Die waren ursprünglich mal zehn Millimeter stark. Sablotny: "An den schlimmsten Punkten ist die Restwanddicke nur noch sieben Millimeter." Die Mindestwandstärke von fünf Millimetern ist den Berechnungen der LMBV zufolge Ende 2026 erreicht. Dann droht der Bruch.
Um die Katastrophe zu verhindern, hat die LMBV im Zuge der Gefahrenabwehr weitreichende Sicherungsmaßnahmen in Auftrag gegeben. In den nächsten Wochen sollen die von Weihnachtsmärkten bekannten "Lego-Steine" aus Beton einerseits als Stützkörper an den Absperrbauwerken postiert, andererseits als Grundgewichte in den Kanal eingelassen werden.
Anschließend sollen vor den korrodierenden Spundwänden Redundanz-Wände errichtet werden. Danach wird die über den Kanal führende Autobahnbrücke an den Fundamenten mit Stützkörpern und Spezialwänden gesichert.
Die erste Kanalsicherung 2021 kostete bereits vier Millionen Euro. Die jetzt notwendigen Maßnahmen werden nach Sablotnys Schätzungen noch einmal "einen hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" beanspruchen. Der Bau des 2021 fertiggestellten Pfusch-Kanals hatte seinerzeit "nur" zehn Millionen Euro gekostet.

Ob die 850 Meter lange wassertouristische Seenverbindung samt Schleuse überhaupt ertüchtigt werden kann oder gänzlich zurückgebaut werden muss, soll 2026 eine Machbarkeitsstudie klären.
Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa ; Alexander Bischoff