Leipzig - Das Comeback des Jahres ist perfekt: Deutschlands ältestes Kaffeehaus "Zum Coffe Baum" in Leipzig hat seit Freitag wieder geöffnet, soll wie früher Gäste aus aller Welt empfangen. TAG24 hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen, bevor es soweit war.
Ob Gasträume, Tresen, Küche oder auch die Toiletten - betritt man das Gasthaus im Herzen Leipzigs, wird sofort klar, dass im Coffe Baum mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wird, damit sich die künftigen Gäste wohlfühlen.
TAG24 hat mit Pächter Sven Gerling (52) gesprochen und einen Blick in die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten geworfen, in denen einst schon Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Napoleon Bonaparte (1769-1821), aber auch Udo Jürgens (†80) und Bill Clinton (78) zu Gast waren.
"Wir halten an Anfang April fest", verriet der 52-Jährige wenige Wochen vor Eröffnung. Dafür sei allerdings keine große Party, sondern ein Soft Opening geplant - die Vorbereitungen liefen da noch auf Hochtouren.
Der Wahl-Leipziger und sein Partner, Szene-Gastronom Henrik Dantz (53), sind gemeinsam Geschäftsführer der Kaffeehaus GmbH, haben das Objekt von der Stadt Leipzig gepachtet. Ihr Ziel ist es, den Coffe Baum wieder so erfolgreich zu machen wie vor seiner Schließung Ende 2018.
Leipziger Allerlei meets Kaffee-Tradition
Deutsche Gasthaus-Küche lautet das Konzept: "Wir konzentrieren uns auf die Kernkompetenzen. Es wird ein klassisches Leipziger Allerlei geben, aber auch eine gute Rinderroulade und ein Kalbsschnitzel."
Berühmt wurde das Lokal durch seine Kaffee-Geschichte, seit 1711 wurde das beliebte Heißgetränk im Coffe Baum ausgeschenkt. Dennoch sei es immer ein Gasthaus gewesen - und das soll es wieder sein. Und so wurden beispielsweise zwei Küchen auf zwei Etagen installiert.
Guten Kaffee und leckeren Kuchen soll es natürlich trotzdem geben. Dafür habe man extra einen Konditor aus der Ukraine eingestellt, der zum Testessen gleich sieben Kuchen mitgebracht und mit allen überzeugt habe.
Es habe viele Kaffee-Röstereien gegeben, die gern mit dem Coffe Baum zusammengearbeitet hätten. Schlussendlich haben sich die Betreiber für einen regionalen Röster entschieden, so der gebürtige Thüringer.
Qualitativ hochwertige Produkte aus der Region soll es auch sonst geben, beispielsweise Fisch aus Wermsdorf. Qualität hat ihren Preis, aber auch das hierzulande allseits beliebte Würzfleisch wird es zu einem erschwinglichen Preis geben.
Jede Etage besticht durch eigenes Farbkonzept
Qualität spiegelt sich auch in der Inneneinrichtung des Gasthauses wider. Hier setzen die Gastronomen nicht auf Industrieware, stattdessen auf einen Mix aus aufbereitetem Mobiliar, wie es früher schon im Coffe Baum stand, und Neuem - zum Beispiel aus dem Erzgebirge. Ein Innenarchitekt stand mit Rat und Tat zur Seite.
Jede der drei Etagen hat ihre eigene Bar, jeder Gastraum ist in einer anderen Farbe gehalten. Besonders sticht das Blau im einstigen Künstlercafé in der ersten Etage ins Auge. "Die blauen Wände sind historisch", so Gerling - an diesen hätten sie ohnehin nichts verändern dürfen.
Wollten sie auch nicht. "Jeder Raum hat seine Besonderheit." In den anderen Stockwerken sieht man Grün und Rot, knapp 190 Plätze laden in gemütlichen Sitzecken zum Verweilen ein.
Was ebenfalls wiederzufinden sein wird: Messingschilder mit Namen zahlreicher Persönlichkeiten, die das Lokal jemals besucht haben. Haltet die Augen offen, wenn Ihr hier einkehrt.
Am 1. Juli soll schließlich auch die völlig überarbeitete Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums zur Leipziger Kaffeehauskultur im obersten Geschoss wiedereröffnen. Wer so lange nicht warten will, kann schon jetzt im Coffe Baum auf leckeres Essen, Kaffee und Kuchen vorbeischauen.