Köln - Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat an diesem Donnerstag der Straßenkarneval begonnen.
An Weiberfastnacht oder Altweiber - dem Donnerstag vor Rosenmontag - haben vielerorts Frauen die Rathäuser gestürmt und symbolisch das Regiment übernommen. Vor allem in Köln zog der Karnevalsauftakt traditionell wieder viele 10.000 Feiernde von auswärts an.
Besondere Vorkommisse gab es dabei nicht - bis zum Abend wurde in der Domstadt friedlich gefeiert. Die Stadt Köln bezeichnete die Einsatzlage von Rettungsdienst und Feuerwehr als ruhig.
Nach den Anschlägen in München und an anderen Orten war dem einen oder anderen Jecken im Vorfeld diesmal wohl etwas mulmig zumute gewesen, denn in den sozialen Netzwerken hatten Islamisten zu Anschlägen - unter anderem im Kölner Karneval - aufgerufen.
Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte die Drohungen jedoch als "Propagandaveröffentlichungen" eingestuft und keine konkrete Gefährdung gesehen.
TAG24 hat am Donnerstag die Narrenkappe auf: Alle Infos rund um Weiberfastnacht am Rhein findet Ihr hier im Newsticker.
18.55 Uhr: Alkohol und Tabak - Zahlreiche Kiosk-Betreiber verstoßen gegen Jugendschutz
Das Kölner Ordnungsamt hat zu Weiberfastnacht 30 Kioske kontrolliert und dabei in 22 Fällen Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt.
Schon im Vorfeld hatten die Einsatzkräfte mit jugendlichen Testkäufern Kontrollen in 57 Büdchen durchgeführt, um darauf aufmerksam zu machen, dass bei Jugendlichen vor der Abgabe von Alkohol und Tabak das Alter kontrolliert werden muss. Die Bilanz: 38 festgestellte Verstöße.
Am Donnerstag gingen die Ordnungskräfte dann erneut auf Kontrollgang und stellten dabei erneut Verstöße fest - in einigen Kiosken sogar zum zweiten Mal. "Dies macht insgesamt eine Quote von 69 Prozent", informierte die Stadt. Die Betreiber müssen sich nun auf empfindliche Strafen einstellen.
17.15 Uhr: Stadt Köln zieht vorläufige Bilanz
Am frühen Abend zog die Stadt Köln eine vorläufige Einsatzbilanz zu Weiberfastnacht. Die Jecken feierten bei zunächst gutem Wetter weitestgehend friedlich. Es gab jedoch auch einige Störenfriede.
So erwischte das Ordnungsamt trotz rund 1000 eigens in den Karnevals-Hotspots aufgestellten mobilen Toiletten 24 Wildpinkler im Kwartier Latäng und einen in der Altstadt. Sie alle erwarte nun ein Bußgeld in Höhe von bis zu 200 Euro.
Im Zülpicher Viertel führten Mitarbeiter des Ordnungsamtes zudem 604 Präventivgespräche im Rahmen des Jugendschutzes und übergaben 21 hilflose betrunkene Personen an die Sanitätsdienste. Meldungen über Gewalt gegen Einsatzkräfte habe es keine gegeben.
13.40 Uhr: Kneipenhopping auf der Severinstraße
Das bunte Treiben verlagert sich zunehmend nach drinnen. Neben Kwartier Latäng und Altstadt wird an Altweiber vor allem in der Kölner Südstadt gefeiert.
Auf der Severinstraße suchen die Jeckinnen und Jecken sich eine Kneipe zum Feiern aus. Viele davon verlangen seit einigen Jahren Eintritt, weil der Andrang immer größer wurde.
12.49 Uhr: Stimmung an Hotspots noch immer friedlich - Andrang kleiner als in Vorjahren
Die Stimmung in der Kölner Innenstadt und an den Party-Hotspots ist weiterhin größtenteils friedlich. Auch die Polizei vermeldet bislang noch keine größeren Einsätze.
Das liegt wohl auch daran, dass insgesamt weniger los ist als noch in den Vorjahren. Auch nach den Mittagsstunden ist die Zülpicher Straße immer noch für Feiernde geöffnet - in den Vorjahren war hier bereits am frühen Morgen Einlassstopp.
11.59 Uhr: Immer mehr "Alkoholleichen" auf den Straßen: Hier wird geholfen!
Während des gesamten Straßenkarnevals rechnet die Feuerwehr mit einem erhöhten Einsatzaufkommen. An Weiberfastnacht ist deshalb eine temporäre Rettungswache am Rautenstrauch-Joest-Museum in Betrieb.
In der Altstadt, am Kwartier Latäng und entlang des Rosenmontagszuges beobachten Feuerwehrleute die Situation, um bei Bedarf frühzeitig einzugreifen. Sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie Hunderte Mitarbeitende von verschiedenen Hilfsorganisationen sind während der "tollen Tage" im Einsatz.
Sie besetzen am Donnerstag folgende Unfallhilfsstellen (UHS): Rathenauplatz, Roonstraße, Dasselstraße, Bachemer Straße, Zülpicher Wall, Luxemburger Straße, Hans-Weyer-Weg, Frankenwerft, Am Leystapel, Bechergasse und Heumarkt.
11.11 Uhr: Kölle Alaaf!
Am Tanzbrunnen läuft inzwischen auch die große Radio-Köln-Sause. Björn Heuser fungiert als Eisbrecher und heizt den Jecken gleich zu Beginn mächtig ein.
10.56 Uhr: Cat Ballou mit besonderer Botschaft
Die Kölner Verkehrsbetriebe und die Kult-Band Cat Ballou haben für den heutigen Tag eine ganz besondere Aktion gestartet. Beide rufen zu einem friedlichen Miteinander auf.
Sänger Oliver Niesen ist in diesem Zusammenhang sogar mit Durchsagen in den Stadtbahnen zu hören. Motto: "Seid lieb zueinander!"
10.23 Uhr: Toiletten- und Müllkonzept
In den Hotspots wird die Stadt Köln rund 1000 mobile Toiletten/Urinale platzieren, davon rund 670 Toiletten im Kwartier Latäng. Darüber hinaus betreibt sie temporär Toilettencontainer des Festkomitees.
Die AWB werden an den Hotspots und entlang der Ausweichflächen 750 orangefarbene Eventtonnen mit 240 Litern Fassungsvermögen aufstellen – das sind fast doppelt so viele wie 2024.
Auf den Ausweichflächen weisen Banner auf die Entsorgungsstationen hin.
9.56 Uhr: Oberbürgermeisterin Reker und Kölner Dreigestirn mit starken Worten
Auch der offizielle Teil von Weiberfastnacht hat inzwischen begonnen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) empfängt in diesen Minuten die Blauen Funken und das Dreigestirn.
Angesichts von islamistischen Anschlagsdrohungen im Internet hat die 68-Jährige die Entschlossenheit der Karnevalisten herausgestellt. "Es wird niemandem gelingen, uns Kölnerinnen und Kölner einzuschüchtern", erklärte sie unter starkem Applaus im Historischen Rathaus.
Und weiter: "Wir lassen uns unser Lebensgefühl nicht von Terroristen oder Islamisten nehmen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir den Fastelovend haben."
Karnevalsprinz René Klöver sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe absolutes Vertrauen in das Sicherheitskonzept der Polizei. "Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten", betonte er. "Wir müssen weiterfeiern, ob das Straßenfeste sind, ob das der Karneval ist, ob das Weihnachtsmärkte sind. Das ist Teil unserer Freiheit, das ist Teil der Demokratie."
9.27 Uhr: Jecken strömen in die Stadt - "Zülpi" schon gut besucht
Immer mehr fantasievoll verkleidete Karnevalstouristen zieht es in die Kölner Innenstadt. Das Wetter ist besser als erwartet, zeitweise schien sogar die Sonne.
Rund um die Zülpicher Straße füllt es sich jetzt immer mehr und immer schneller. An den Zugängen finden strenge Messerkontrollen statt.
Auch rund um den Hauptbahnhof wird es zunehmend voller. Die Polizei beobachtet das Treiben ganz genau. Noch ist die Lage aber ruhig.
9.10 Uhr: Einschränkungen bei Stadtbahnen der KVB
Karnevalisten sollten zur Anreise Busse und Bahnen nutzen. Aber auch hier gibt es Einschränkungen: Bereits seit circa 7 Uhr ist die Haltestelle Rathaus der Linie 5 aufgrund des Sicherheitskonzeptes der Stadt gesperrt.
Je nach Besucheraufkommen werden die Kölner Verkehrsbetriebe mit ihren Stadtbahnen (Linie 1, 7 und 9) im Laufe des Tages die Haltestelle Heumarkt nicht mehr anfahren.
Wer in die Altstadt will, kann auf die Haltestellen Dom/Hauptbahnhof, Neumarkt oder Bahnhof Deutz/Messe ausweichen.
8.14 Uhr: Kunterbuntes Bühnenprogramm auf dem Alter Markt
Das Motto der fünften Jahreszeit lautet in Köln diesmal: "FasteLOVEnd – Wenn Dräum widder blöhe". In Zeiten von Kriegen und Krisen sehnen sich viele nach Unbeschwertheit.
Auf dem Alter Markt steigt um 9.30 Uhr die offizielle Eröffnung des Straßenkarnevals. Auf der Bühne stehen dann bis 13 Uhr Bands, Tanzgruppen und natürlich das Dreigestirn. Das Programm wird auch auf einer Videowand auf dem Heumarkt gezeigt.
In verschiedenen Kneipen steigen über das Stadtgebiet verteilt wieder diverse Partys. Weil in den vergangenen Jahren vor allem die Zülpicher Straße meist recht schnell überfüllt war, hat die Stadt diesmal auch die Uniwiese für alle Jecken geöffnet.
7.43 Uhr: Gesperrte Straße und Glasverbotszonen
In der Altstadt werden zwischen 6 und 8 Uhr Straßen rund um das Veranstaltungsgelände (Alter Markt, Heumarkt) für den Auto-Verkehr gesperrt. Ab 8 Uhr ist zudem auch die Deutzer Brücke in Fahrtrichtung Innenstadt gesperrt.
Vom 27. Februar bis 4. März 2025 gilt auf der Zülpicher Straße und in einigen angrenzenden Bereichen ein Halteverbot. Seit Donnerstagmorgen ist die Partymeile zwischen Universitätsstraße und Hohenstaufenring ohne für den Straßenverkehr gesperrt. Selbiges gilt für die Roonstraße und den Hohenstaufenring zwischen der Lindenstraße und dem Barbarossaplatz.
Das Mitbringen und der Verkauf von Glasflaschen und Gläsern ist während des Straßenkarnevals aus Sicherheitsgründen in der Altstadt, im Zülpicher Viertel und im Severinsviertel verboten. Wer Glas in die Sperrzone schmuggelt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 60 Euro.
Um Verletzungen von Menschen und Tieren zu vermeiden und die Umwelt zu schonen, wurde das Glasverbot zudem auf den Inneren Grüngürtel zwischen Luxemburger und Aachener Straße ausgeweitet. Die AWB stellen zusätzliche Glascontainer auf, damit Flaschen vorschriftsmäßig entsorgt werden können.
7.19 Uhr: Weiberfastnacht - Als selbst die Nonnen tanzten
Was heute mitunter ein wenig bemüht wirkt, muss früher etwas sehr Befreiendes, geradezu Revolutionäres gehabt haben. Der "Wieverfastelovend", wie es auf Kölsch heißt, wurzelt in seinem Ursprung im Mittelalter.
Besonders in Nonnenklöstern ging es damals hoch her. Bei Tage wurde "getanzt und gesprungen", und des Nachts, wenn die Äbtissin schlafen gegangen war, Karten gespielt, wie es ein damaliger Chronist vermerkte.
Auch die fest zementierten Geschlechterrollen früherer Tage gerieten ins Wanken: Ehefrauen verweigerten ihren Männern in der "verkehrten Welt" des Karnevals für kurze Zeit den Gehorsam.
Der Brauch, Männern die Krawatten abzuschneiden, ist dagegen noch nicht so alt: Er kam erst nach 1945 auf. In letzter Zeit ist er auf dem Rückzug - wohl auch, weil weniger Krawatten getragen werden.
6.10 Uhr: Festkomitee äußert sich zur aktuellen Sicherheitslage
In verschiedenen Städten war es in den vergangenen Monaten zu tödlichen Gewalttaten gekommen, etwa in Magdeburg und München. Täter fuhren dort Menschen mit Autos an, es gab Tote und Verletzte.
Michael Kramp, Vorstandsmitglied im Festkomitee Kölner Karneval, sagte zum Risiko für Karnevalsveranstaltungen, eine abstrakte Gefahr gebe es immer. Man arbeite aber intensiv mit der Polizei und anderen Behörden zusammen und beobachte die Sicherheitslage sehr genau.
"Das sind die Profis, die tatsächliche Gefahren beurteilen können und uns sofort informieren würden, wenn es konkrete Anlässe gäbe, Veranstaltungen abzusagen", sagte Kramp.
6.04 Uhr: Überfahrsperren gegen Autos und verstärkte Messer-Kontrollen
Die Kölner Polizei hält die Sicherheitslage für "angespannter als in den Vorjahren". Sie will deshalb in der Spitze rund 1500 Beamte mehr aufbieten als an normalen Tagen.
Das Ordnungsamt ist mit mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einsatz, dazu kommen rund 1200 Beschäftigte einer privaten Sicherheitsfirma.
Die Polizei will auch sogenannte Überfahrsperren zum Schutz gegen Angriffe mit Autos aufstellen. Zudem sind Messer-Kontrollen angekündigt. Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei sagte, auch dort werde man im Vergleich zu den Vorjahren mit verstärkten Kräften auf der Straße sein.
Laut Innenminister Herbert Reul (72, CDU) sind an Weiberfastnacht in ganz Nordrhein-Westfalen 9900 Polizisten im Einsatz, 2500 mehr als an einem regulären Donnerstag. "Gehen Sie raus, feiern Sie Karneval und genießen Sie die jecken Tage", sagte Reul der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".