Obdachlosigkeit in der Domstadt: So geht es den wohnungslosen Kölnern wirklich
Köln - Knapp 12.000 Menschen gelten in Köln offiziell als wohnungslos. Doch wie geht es ihnen? Und warum nutzen sie keine städtischen Hilfsangebote?
Genau das wollte die Stadt nun herausfinden und hat daher 800 von ihnen zu ihrer Lebenssituation befragt.
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Der Großteil der Befragten ist psychisch oder physisch krank. Am häufigsten verbreitet sind dabei Diabetes, Lungenerkrankungen und Alkoholsucht.
Das geht aus einem neuen Bericht der Stadtverwaltung hervor. Demnach seien knapp die Hälfte der offiziell als wohnungslos registrierten Erwachsenen Geflüchtete, die in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind.
Die andere Hälfte teilt sich wiederum auf in sogenannte "institutionell untergebrachte Wohnungslose", zu denen etwa diejenigen gehören, die in Obdachlosenunterkünften oder bei Angehörigen leben, sowie tatsächlich auf der Straße lebende Personen.
Rund 70 Prozent der auf der Straße lebenden Personen hat schwere gesundheitliche Probleme
Letztere Gruppe besteht den offiziellen Angaben nach aus insgesamt 397 Menschen - und die sind arg gebeutelt.
Bei ihnen berichten sogar 70 Prozent von schweren gesundheitlichen Problemen, die nicht behandelt werden, da die Menschen das reguläre Gesundheitssystem nicht nutzen können. "Unter anderem, weil sie oft Schulden bei den Krankenkassen haben", heißt es in dem Bericht.
Obwohl 55 Prozent der auf der Straße lebenden Personen außerdem angeben, schon einmal Gewalterfahrungen gemacht zu haben, will der Großteil städtische Hilfsangebote wie Obdachlosenunterkünfte nicht annehmen. Grund dafür seien die schlechte Sicherheitslage in den Heimen, Überfüllung sowie die fehlende Hygiene, heißt es in dem Bericht.
Daneben wollte die Stadt wissen, wie die Menschen überhaupt in ihre Zwangslagen geraten sind. Bei nahezu der Hälfte aller Befragten waren Flucht und Vertreibung Anlass, mehr als ein Drittel ist zudem durch Wohnungsverlust obdachlos geworden.
Gründe dafür sind wiederum zumeist Mietschulden oder Haftaufenthalte.
Titelfoto: Henning Kaiser/dpa