Von Martin Oversohl
Stuttgart - Durch sogenannte Legal Highs oder synthetische Designerdrogen kamen im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen in Baden-Württemberg ums Leben als in allen Jahren zuvor.
Die Zahl der Todesfälle durch diese sogenannten Neuen psychoaktiven Stoffe (NPS) explodierte laut Sicherheitsbericht des Landes von zwei auf 26 Tote. NPS ahmen die Wirkung bekannter Drogen nach, sind aber chemisch leicht verändert.
Auch wegen der Zunahme solcher neuer, stark süchtig machender Drogen im Cocktail mit anderen Substanzen stieg die Zahl der Todesfälle durch Rauschgift in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr deutlich um mehr als 38 Prozent auf 195 - das ist der höchste Stand seit mehr als 20 Jahren.
"Einer der Gründe für den jüngsten Anstieg dürfte der zunehmende Mischkonsum verschiedener Substanzen sein", heißt es erklärend auch in der Statistik. Demnach kombinierten 126 Menschen vor ihrem Tod mehrere Drogen, das sind 49 mehr als im Vorjahr.
Laut Bericht kamen durch einen Cocktail mit Kokain und anderen Substanzen zudem 36 Menschen ums Leben, weitere 40 kombinierten vor ihrem Tod Substitutionsmittel wie Methadon, Diamorphin oder Morphin mit anderen Drogen.
Heroin verliert hingegen sein tödliches Risiko trotz des florierenden Handels, wie das Innenministerium dazu mitteilte.
Viele wissen nicht, was die Mischungen enthalten
Ein tödliches Risiko gehen Süchtige vor allem ein, weil sie solche Mischungen kaufen, ohne zu wissen, was darin ist. Das Opioid Fentanyl zum Beispiel, in den USA seit Jahren Hauptursache für Drogentote, gilt allein schon als äußerst schwer dosierbar.
In Verbindung mit Heroin kann es viel leichter zur Überdosierung führen. Und viele Konsumenten können nicht einschätzen, in welcher Dosis sie die Droge zu sich nehmen dürfen, ohne ihr Leben zu riskieren.
Laut Bericht der Polizei starb im Südwesten etwa jeder Vierte (50 Fälle) durch eine Mischung aus dem starken Beruhigungs- und Schmerzmittel Benzodiazepinen (kurz "Benzos" genannt) mit sonstigen Drogen.
Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation, warnt vor allem vor unwissenden Konsumenten. "Gerade bei Jüngeren stellen wir eine große Konsumnaivität fest", sagt er.
"Die wissen oft gar nicht, was sie da bestellen und einnehmen, oder sie machen sich keinen Kopf." In einer Stuttgarter Einrichtung des Verbands würden gerade sogar zwei von Fentanyl abhängige Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren behandelt.