Tausende Obdachlose in Hamburg: Sozialbehörde ist nicht überrascht!

Von Bernhard Sprengel

Hamburg - Nach dem neuen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung haben in Hamburg 3787 Menschen keine Unterkunft.

Zwei Drittel der Obdachlosen haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland. (Archivbild)
Zwei Drittel der Obdachlosen haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

Demnach leben in der Hansestadt mehr Menschen auf der Straße als in ganz Baden-Württemberg (3505), das etwa sechsmal so viele Einwohner hat.

Die Hamburger Sozialbehörde zeigt sich von der Zahl der Obdachlosen nicht überrascht. Man habe eine deutliche Zunahme seit der letzten Studie im Jahr 2018 erwartet, sagte Staatsrätin Petra Lotzkat.

Sie widersprach jedoch in einem wesentlichen Punkt: Laut dem Bericht der Bundesregierung sind 52,6 Prozent der Betroffenen Deutsche, 47,4 Prozent Ausländer.

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Durch das Winternotprogramm, das in der kalten Jahreszeit rund 3000 Obdachlose mit Übernachtungsmöglichkeiten versorgt, sei bekannt, dass nur etwa 20 Prozent der Betroffenen Deutsche seien, 30 bis 35 Prozent EU-Bürger aus Polen, Bulgarien und Rumänien und die übrigen Menschen aus Nicht-EU-Staaten, darunter viele Afrikaner.

Zwei Drittel der Obdachlosen hätten keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland, sagte Lotzkat. In vielen Fällen gehe es um gescheiterte Zuwanderung.

Zwar fassten die weitaus meisten EU-Bürger aus Osteuropa in Hamburg erfolgreich Fuß, doch andere scheiterten auf dem Arbeitsmarkt, bevor sie den Anspruch auf Arbeitslosengeld oder andere Leistungen erworben hätten.

Sozialbehörde könne nur begrenzt helfen

Für den Bericht des Bundesbauministeriums seien in Hamburg rund 300 Betroffene in 100 Einrichtungen befragt worden. (Archivbild)
Für den Bericht des Bundesbauministeriums seien in Hamburg rund 300 Betroffene in 100 Einrichtungen befragt worden. (Archivbild)  © Marcus Brandt/dpa

Die Sozialbehörde könne diesen Menschen nur begrenzt helfen. Es seien nur "niedrigschwellige Hilfen" wie die Übernachtung im Winternotprogramm und eine Rückkehrberatung möglich.

300 bis 400 Menschen aus Polen, Rumänien und Bulgarien nähmen jährlich Rückkehrhilfen an und reisten in ihr Heimatland zurück, hieß es.

Ein Teil der Obdachlosen verfüge über keinen Aufenthaltsstatus. Für den Bericht des Bundesbauministeriums seien in Hamburg rund 300 Betroffene in 100 Einrichtungen befragt worden, sagte Lotzkat.

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Dann hätten die Studienautoren die Daten hochgerechnet.

Diakonie fordert mehr Sofort-Wohnungen für Obdachlose

Das Diakonische Werk der Nordkirche beklagte eine Verdoppelung der Obdachlosenzahl seit 2018. Damals waren 1910 Menschen ohne Unterkunft gezählt worden.

"Die Zahlen zeigen eindringlich, wie wichtig es ist, obdachlose Menschen mit Wohnraum zu versorgen, zum Beispiel durch einen bedarfsgerechten Ausbau von Housing-First-Maßnahmen", sagte der Sozialexperte der Diakonie, Dirk Hauer. Nach seinen Angaben gibt es im aktuellen Winternotprogramm nur für 1200 Menschen Platz.

Die Sozialbehörde versicherte dagegen: "In Hamburg muss grundsätzlich niemand auf der Straße schlafen." Seit 2022 unterstützt die Behörde das sogenannte Housing-First-Modellprojekt, bei dem schon lange auf der Straße lebende Menschen direkt eine feste Wohnung bekommen.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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