Streit um Flüchtlingsunterkunft in Hamburger Villen-Viertel spitzt sich zu

Von Martin Fischer

Hamburg - Die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft hat den Anwohnern des Nobelviertels Hochkamp in den Elbvororten unsolidarisches und "unhanseatisches" Verhalten vorgeworfen.

Dirk Kienscherf, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft, spricht auf der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Rathaus.
Dirk Kienscherf, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft, spricht auf der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Rathaus.  © Marcus Brandt/dpa

Anlass ist deren Weigerung, den Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Parkplatz des S-Bahnhofs Hochkamp zuzulassen.

"Ein kleiner Teil der vermögendsten Hamburger:innen nutzt ein mehr als hundert Jahre altes Privileg für Villenviertel, um die Unterbringung von Geflüchteten in ihrem Stadtteil zu verhindern", sagte Fraktionschef Dirk Kienscherf.

Die sogenannte Hochkamp-Klausel, eine rechtliche Besonderheit, macht eine Bebauung in dem Villenviertel von einer Zustimmung des Hochkamp Vereins abhängig - auch wenn es sich wie im vorliegenden Fall um eine öffentliche Fläche handelt.

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Wie ein Sprecher der Sozialbehörde bestätigte, hatten die Pläne, auf dem P+R-Platz temporär eine "kleinere Unterkunft" zu errichten, bei einer Mitgliederversammlung des Vereins am Mittwochabend keine Mehrheit gefunden. "Damit ist diese Überlegung von uns vom Tisch", sagte er.

Kienscherf: Anwohner stellen Hamburgs Weltoffenheit infrage

Das Stadtbild in den Elbvororten wird von Villen und Einfamilienhäusern geprägt.
Das Stadtbild in den Elbvororten wird von Villen und Einfamilienhäusern geprägt.  © Christian Charisius/dpa

"Es ist absurd, dass eine als Parkplatz ausgewiesene städtische Fläche aufgrund eines mehr als hundert Jahre alten Privilegs nicht für eine temporäre Nutzung zum Wohl aller Hamburger:innen genutzt werden kann", kritisierte der SPD-Fraktionschef. "Ich appelliere an die Anwohnenden am Hochkamp, ihren Beitrag zu einer solidarischen Stadtgesellschaft zu leisten."

Hamburg trage als weltoffene Metropole ihren Teil zur Aufnahme von Geflüchteten bei.

"Diese Weltoffenheit, die über Jahrhunderte Grundlage für den Wohlstand unserer Stadt war, stellen nun ausgerechnet diejenigen infrage, die davon am stärksten profitiert haben", sagte Kienscherf. Dieses Verhalten sei "unhanseatisch".

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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