Strahlungsangst in Hellerau! Anwohner stemmen sich gegen Bau von Starkstromtrasse
Dresden - Führt bald eine unterirdische Starkstromtrasse mitten durchs denkmalgeschützte Hellerau? Solche Pläne stellte SachsenEnergie nun im Stadtbezirksbeirat vor. Andrang und Kritik der Anwohner waren groß, dicht an dicht saßen sie auf den Zuschauerplätzen.

Gespannt darauf, wie das Energie-Unternehmen die Planung erklärt, auf Kritik reagiert. Immerhin könnten Bauarbeiten ihr Flächendenkmal erschüttern, könne Magnetstrahlung ihre Gesundheit gefährden.
Besser sei es, den Starkstrom statt durch den Ortskern parallel zur Industriewassertrasse durch die Heide zu leiten.
Projektleiter Steffen Klinger (57) war bemüht, die schlimmsten Ängste zu entkräften: "In Deutschland sind bei vier Meter Entfernung hundert Mikrotesla Strahlung erlaubt, unser Wert liegt bei unter einem Mikrotesla. Den zugelassenen Grenzwert unterschreiten wir um ein Vielfaches."
Zum Thema Bausubstanz verwies sein Kollege Frank Wagner (59) auf die Bauerfahrung des Konzerns. "Wir bauen nicht das erste Mal in Hellerau und kennen den Baugrund."

Doch die Ausführungen fanden nur bedingt Widerhall im Publikum. Vom Stadtbezirksbeirat das Wort erteilt wurde Tanja Fischer (58) vom Bürgerverein. Sie befand in einer emotionalen Rede: "In der Schweiz wäre das Vorhaben nicht erlaubt. Zu behaupten, dass es keine Gesundheitsrisiken gibt, nimmt uns nicht die Sorgen."
Ihr wurde Beifall geklatscht, ebenso Torsten Pötschk (54), der für die Händler sprechen durfte.

SachsenEnergie plant unterirdische Starkstromtrasse

Schon im Vorfeld beanstandete Stadtbezirksbeirat René Strietzel (47, CDU) den Trassenverlauf durch die Gartenstadt. Gegenüber TAG24 kritisiert er mittlerweile auch den Bürgerverein. "Der Denkmalschutz ist ein valides Argument, nicht so die Magnetstrahlung. Schließlich bewegt sich SachsenEnergie eindeutig im Rahmen des deutschen Rechts."
Einen Teilerfolg konnten diese oder jene Kritiker der geplanten Trasse aber schon verbuchen.
SachsenEnergie will die Alternativroute durch die Heide noch mal prüfen und in drei Monaten ein Ergebnis vorlegen. Projektleiter Klinger: "Wirtschaftlich könnten wir wahrscheinlich gleichwertig bauen."


Auch technologisch sei eine parallele Leitungsverlegung prinzipiell möglich. Sollten Sachsenforst und Umweltamt allerdings keine Genehmigungen erteilen, müsse am Trassenverlauf durch die Gartenstadt festgehalten werden.
Titelfoto: Fotomontage:Petra Hornig,Eric Münch