Vergiftet, abgeschossen, missbraucht: Diese Frau rettet Tauben in Dresden

Dresden - Aus dem Stadtbild sind sie kaum wegzudenken, doch: Tauben sind nicht überall willkommen, werden gequält, sogar abgeschossen. Die Stadttauben-Initiative Dresden setzt sich für einen artgerechten Umgang ein - in diesen Wochen haben die Tierschützer wieder besonders viel zu tun.

Die Stadttauben sind sehr ortstreu und verbringen bis zu 80 Prozent des Tages in dem Taubenschlag.
Die Stadttauben sind sehr ortstreu und verbringen bis zu 80 Prozent des Tages in dem Taubenschlag.  © Steffen Füssel

Seit 2019 versucht die Initiative das Image der Taube zu verbessern. Auch darum haben sie (zuletzt 90 Mitstreiter) bisher vier Taubenschläge und vier Handicap-Volieren - für dauerhaft verletzte Tiere - aufgestellt.

Der jüngste Schlag steht seit Oktober 2023 auf einem Dach nahe dem Postplatz. Anfangs lebten dort 15 Tauben, inzwischen sind es rund 60. Am Hauptbahnhof ist ein weiterer Schlag geplant, doch finanzielle und bürokratische Hürden seitens DVB sowie DB verzögern das Projekt.

Aber warum braucht es überhaupt Taubenschläge? "Tauben verbringen 80 Prozent des Tages im Schlag - also gibt es weniger Dreck auf den Straßen", betont Marta Melanie Broll (42), Vorsitzende des Vereins.

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Außerdem können so auch alle Eier gegen Toneier ausgetauscht werden - wichtig, um die Population zu kontrollieren. Das ist jetzt im Frühling wieder vermehrt der Fall.

Der Hauptbahnhof ist einer der Hotspots, wenn es um Tauben geht. Hier ist auch ein Taubenschlag geplant.
Der Hauptbahnhof ist einer der Hotspots, wenn es um Tauben geht. Hier ist auch ein Taubenschlag geplant.  © imago/C3 Pictures
Marta Melanie Broll (42) vom Taubenverein tauschte insgesamt elf "echte" Eier gegen Toneier aus - das ist wichtig, um die Population der Tauben einzudämmen.
Marta Melanie Broll (42) vom Taubenverein tauschte insgesamt elf "echte" Eier gegen Toneier aus - das ist wichtig, um die Population der Tauben einzudämmen.  © Steffen Füssel
Tauben brüten bis zu achtmal im Jahr - ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Mensch sie als Haustier hielt.
Tauben brüten bis zu achtmal im Jahr - ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Mensch sie als Haustier hielt.  © Steffen Füssel

Tauben als Fußball missbraucht

Alle zwei Tage werden die Futterschalen in dem Taubenschlag aufgefüllt und das Wasser erneuert.
Alle zwei Tage werden die Futterschalen in dem Taubenschlag aufgefüllt und das Wasser erneuert.  © Steffen Füssel

Heute leiden Tauben unter einem schlechten Ruf. Sie fressen Abfälle und werden als Krankheitsüberträger abgestempelt.

Sie würden oft angefahren, vergiftet oder mit Luftgewehren abgeschossen, so Broll. Mitunter missbrauchen Kinder die Tiere sogar als Fußball. "Dabei ist es widerlegt, dass Tauben mehr Krankheiten verbreiten als andere Vögel."

Früher waren Tauben sogar Haus- und Nutztiere. "Vom Menschen wurden sie domestiziert, achtmal Eier im Jahr zu legen, als Nahrungsquelle", erklärt Marta Melanie Broll. Nach dem Krieg wurden die Tauben allerdings nicht mehr gebraucht und vor die Tür gesetzt.

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Umso wichtiger sind die wenigen Unterstützer: 906 Pflegetiere päppelten die Tierschützer im vergangenen Jahr auf. Immer mehr Menschen melden verletzte Tiere, damit sie versorgt werden können. "Man muss Tauben nicht mögen, aber in Ruhe lassen."

Titelfoto: Montage: Steffen Füssel (2)

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