Neue Ideen gegen Rambo-Radler von der Hauptstraße
Dresden - Für die einen Flaniermeile, für die anderen Radlerroute: Auf der Hauptstraße in Dresden kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radlern. Ein Ausweg scheint kaum möglich - Team Zastrow (TZ) präsentiert jetzt eine neue Idee, um den Boulevard sicherer zu machen.

Die Hauptstraße ist beschildert mit "Gehweg, Rad frei". Heißt laut Rathaus: Radler müssen mit Schrittgeschwindigkeit fahren und Fußgänger haben Vorrang. Vorzugsweise soll auf dem Mittelstreifen geradelt werden.
Doch wie auch wiederholte Zählungen von TZ ergaben: "Schritt fährt hier so gut wie gar keiner", sagt TZ-Stadtbezirksbeirätin Julia Sasse (42), die selbst an der Hauptstraße wohnt. "Das führt insbesondere für Ältere und Kinder zu gefährlichen Situationen. Ich habe bereits Kollisionen zwischen Radfahrern gesehen, auch Fußgänger, die von Radlern angerempelt und dann noch angepöbelt werden."
Vor allem in den Sommermonaten sei die Lage untragbar, fühlten sich Fußgänger durch rücksichtslose Radler gefährdet.
"Ich verstehe, dass die Radfahrer irgendwo langfahren müssen. Es stört mich aber und auch für die vielen kleinen Kinder im Sommer ist das nicht schön", sagt Anwohner Kurt Lorenz (97).
"Ich verstehe nicht, wieso die Bänke vom Mittelstreifen nicht auf die Seitenachsen gestellt werden und dann ein richtiger Radweg eingerichtet wird. So wie früher schon als Reitweg für Pferde."


Hauptstraße laut Polizei kein Verkehrs-Brennpunkt

Händlerin Sandra Kandalofsky (53, "Dresdner TeeZeit"): "Unser großes Problem ist, dass die Hauptstraße keine Fußgängerzone ist, sondern Radpiste. Kunden fühlen sich unwohl, laufen hier weniger lang." Das führe zu Umsatzeinbußen.
Der Handels- und Kulturverein Hauptstraße bestätigt die Probleme, die in den letzten Jahren zugenommen hätten, nicht erst seit Einsturz der Carolabrücke.
Die Polizei kann nur über gemeldete Unfälle Auskunft geben. Das seien in den vergangenen zwei Jahren zehn Stück gewesen, die Hauptstraße zähle damit gegenwärtig nicht zu einem "verkehrspolizeilichen Brennpunkt".
Eine städtische Arbeitsgruppe fand zuletzt heraus, "dass die zahlreichen konkurrierenden Nutzungsanforderungen in der Hauptstraße keine für alle Nutzergruppen zufriedenstellende Lösung ermöglichen".
TZ-Politikerin Sasse schlägt vor, den Boulevard während der Geschäftszeiten von 10 bis 19 Uhr für Radfahrer zu sperren. Diese könnten die 400 Meter absteigen und schieben. Das will sie im Neustädter Beirat auch Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (45, Grüne) mitteilen, der dort am Montag erwartet wird.
Titelfoto: Bildmontage: Ove Landgraf