Seltsamer Freundschaftsdienst: Drogenpakete werden Absender zum Verhängnis!
Dresden - Von Kalifornien nach Pirna: Um seinen Kumpel in Sachsen finanziell zu unterstützen, schickte Leonid B. (36) mindestens acht Kilo Marihuana aus Amerika an ihn. In zwölf Paketen, alles per Post! Zwar fingen Zoll und Homeland Security mehrere Sendungen ab, doch letztlich kamen noch gut zwei Kilo Rauschgift im Freistaat an. Nun kassierte der gebürtige Russe, der in Amerika lebt, seine Strafe am Amtsgericht Dresden.

Zu Corona-Zeiten besuchte Leonid Sachsen. "Dabei lernte ich Paul kennen", beschrieb der geständige Angeklagte den Beginn seiner Freundschaft zu dem Pirnaer. "Und ich wollte ihn gern unterstützen."
Die Idee: Leonid schickt Drogen aus Amerika, die Paul seinerseits an weitere Abnehmer weitergibt. Unter Aliasnamen (z.B. "Karl Riefenstahl") gingen die Pakete an Paul oder an Ferienwohnungen, die er anmietete. Wahlweise bekamen andere Freunde im Dresdner Umland die Post, reichten sie an Paul weiter.
"Die Drogen aus Amerika sind qualitativ viel hochwertiger als die vom hiesigen Markt", erklärte ein Fahnder. Die abgefangenen Pakete riefen natürlich die Ermittler auf den Plan, schnell war Paul ermittelt. Es kam zur Hausdurchsuchung in Pirna, die offenbar bleibenden Eindruck hinterließ.
Als zwei Tage danach erneut ein Paket aus Amerika bei einem Strohmann ankam, ließ Paul die Sendung sofort vernichten, berichtete der Beamte. Inzwischen wurde Paul zu 16 Monaten auf Bewährung (wegen Beihilfe zum Drogenhandel) verurteilt.
Ein "Heimaturlaub" mit Folgen

Über die beschlagnahmten und ausgewerteten Handys von Paul kamen die Ermittler auf Leonid in Amerika. "Daraus ging hervor, dass er die Pakete veranlasste", so der Fahnder.
Und dem zweifachen Vater Leonid, der nach eigenen Angaben als Direktor für Analytik in einer US-Firma 11.000 Dollar pro Monat verdient, wurde letztlich ein "Heimaturlaub" zum Verhängnis. Er hatte seine Familie in Moskau besucht. Als er heimflog, war der internationale Haftbefehl in Kraft. Beim Zwischenstop in Armenien klickten Handschellen. Dort saß er ein halbes Jahr in Auslieferungshaft, eher er kurz vor Weihnachten nach Sachsen überstellt wurde.
"Sie können sich bei Herrn Lauterbach bedanken", so der Staatsanwalt zum Angeklagten. Dank der vom Gesundheitsminister angestoßenen Gesetzesänderung für den Umgang mit Cannabis hat sich das Strafmaß für den Handel massiv verringert.
Drohten vorher pro Tat noch zwei Jahre bis 15 Jahre Haft, sind nun "nur" noch drei Monate bis fünf Jahre fällig. Letztlich wurde Leonid zu 22 Monaten Haft verurteilt. Und die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Nun will er so schnell als möglich nach Amerika zurück.
Titelfoto: Peter Schulze