Hier entsteht Dresdens neues Schloss nach historischem Vorbild
Dresden - Hoch über Dresden, im heutigen Altfranken, thronte im 19. Jahrhundert das Lucknerschloss. Zur Familie mit reichlich französischen und preußischen Offizieren gehörte auch "Seeteufel" Felix Graf von Luckner (1881-1966). Die Residenz wird nun originalgetreu als Luxushotel wiederaufgebaut.

In Altfranken rollen bereits die Bagger. Auf dem Gelände des "Kim Hotel im Park", fast identisch mit dem alten Standort des Schlosses, entsteht in den nächsten zwei Jahren ein Hotel mit 43 Zimmern und Suiten. Rein optisch ist das neue Projekt von Neumarkt-Investor Rudolf Kimmerle (76) kaum vom alten Schloss zu unterscheiden.
Der Neubau mit rotbraunem Putz wird wie sein Vorgänger drei Stockwerke haben. Der markante Aussichtsturm soll für Bürger offen stehen.
Details wie die achteckige Form und die Fahne an der Spitze sind offensichtliche Erinnerung an die Historie. Sehr wahrscheinlich wird das Hotel jedoch zum mondänen 5-Sterne-Haus.
Die Geschichte des alten Schlosses ist so unglaublich wie fast alle Luckner-Biografien: Bauherr war Heinrich Wilhelm Graf von Luckner (1805-1865). Doch der wurde zeitlebens mit seinem 1852 errichteten Prachtschloss nicht glücklich.
Seine Frau starb sechs Jahre später und füllte als Erste die neue Familiengruft. 1864 starb auch Luckners erster Sohn, ein Jahr später richtete sich der Graf auf seinem Schloss selbst.
Sein zweiter Sohn Alfred Felix erbte das Anwesen und heiratete eine Solotänzerin der Hofoper Dresden.
Wegen seiner Eskapaden wurde der Luckner-Spross auch als "der tolle Graf" bekannt. Wenige Kilometer entfernt, in Pennrich, wuchs "Seeteufel" Felix Graf von Luckner auf. Die Luckners in Altfranken blieben vom Pech verfolgt. Das Schloss wurde verkauft, war eine Zeit lang Wohnstift für adlige Damen.


Auf Betreiben der Nationalsozialisten wurde der neogotische Bau 1939 als "undeutsch" abgerissen. Die geplante Führerschule der Hitlerjugend wurde nie realisiert. Nach der Wende erwarb die Firma von Rudolf Kimmerle große Grundstücke in Altfranken, unter anderen eben die Flächen des einstigen Schlosses.
Titelfoto: Montage: Steffen Füssel, Archiv