Chemnitz: Hier erklärt der Baubürgermeister, warum er sein Amt aufgibt

Chemnitz - Die Nachricht hat große Wellen geschlagen: Nach zehn Jahren will Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne) nicht mehr.

Das Technische Rathaus war zehn Jahre lang die Wirkungsstätte von Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne).
Das Technische Rathaus war zehn Jahre lang die Wirkungsstätte von Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne).  © Uwe Meinhold

Der Verwaltungs-Quereinsteiger hatte am gestrigen Dienstag überraschend zum 31. August seinen Rückzug aus dem Rathaus angekündigt. Über Gründe und neue Herausforderungen spricht der Bürgermeister jetzt selbst.

"Nach 18 Jahren in der Stadtverwaltung Chemnitz war es für mich Zeit, über neue Perspektiven nachzudenken", erklärt Stötzer.

"Es kam auch nicht von heute auf morgen. Trotzdem bin ich hin- und hergerissen. Es gibt viele Menschen aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft, die ich vermissen werde. Aber man trifft sich immer zweimal im Leben."

Chemnitz: Baubürgermeister Michael Stötzer tritt zurück!
Chemnitz Politik Chemnitz: Baubürgermeister Michael Stötzer tritt zurück!

Michael Stötzer wird die Stadtverwaltung verlassen, will aber in Chemnitz bleiben: "Es steht noch nicht ganz fest, was ich mache. Es wird natürlich ums Bauen und um die Chemnitzer Infrastruktur gehen. Das Interesse an baulichen Themen ist ungebrochen, doch das kann man auch von einer anderen Seite tun."

Der im letzten Jahr eröffnete Terra Nova Campus an der Heinrich-Schütz-Straße ist eines der Herzensprojekte von Michael Stötzer (52, Grüne).
Der im letzten Jahr eröffnete Terra Nova Campus an der Heinrich-Schütz-Straße ist eines der Herzensprojekte von Michael Stötzer (52, Grüne).  © Sven Gleisberg

Stötzer wurde 2015 Baubürgermeister von Chemnitz

Auch den Spielplatz im Küchwald hat Michael Stötzer (52, Grüne) erst im letzten Jahr eingeweiht.
Auch den Spielplatz im Küchwald hat Michael Stötzer (52, Grüne) erst im letzten Jahr eingeweiht.  © Sven Gleisberg

Der gebürtige Auer und studierte Architekt war 1989 nach Chemnitz gekommen. Nach der Tätigkeit in verschiedenen Architekturbüros wechselte er 2007 ins Rathaus, wurde zwei Jahre später Hochamtsleiter. 2015 wurde er schließlich ohne Gegenstimme im Stadtrat Baubürgermeister.

"Wenn man so ein Amt hat, geht es nicht um Selbstverwirklichung", stellt Stötzer klar. "Man muss die Interessenlagen vieler Menschen zusammenbringen und ausloten, wo wollen wir gemeinsam hin."

Eine der großen Aufgaben seines Nachfolgers, dessen Stelle das Rathaus nach den Ferien ausschreiben will: "Für den Mobilitätsplan habe ich leider keine Mehrheiten zusammenbekommen. Darüber denke ich bis heute sehr nach. Bei den verschiedenen Verkehrsarten liegen die Postionen weit auseinander."

Trotz Verzögerungen konnten die Bürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne) und Dagmar Ruscheinsky (65, parteilos) den Bernsdorfer Schwimmkomplex freigeben.
Trotz Verzögerungen konnten die Bürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne) und Dagmar Ruscheinsky (65, parteilos) den Bernsdorfer Schwimmkomplex freigeben.  © Uwe Meinhold
Am Marathon-Turm im Sportforum fielen 2022 die Gerüste: Architekt Wolfgang Kühn (65) und Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne).
Am Marathon-Turm im Sportforum fielen 2022 die Gerüste: Architekt Wolfgang Kühn (65) und Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne).  © Sven Gleisberg

Respekt auch vom politischen Gegner

Grünen-Fraktions-Chef Volkmar Zschocke (56) zeigte sich als Parteifreund überrascht von Michael Stötzers (52) Rückzugsplänen.
Grünen-Fraktions-Chef Volkmar Zschocke (56) zeigte sich als Parteifreund überrascht von Michael Stötzers (52) Rückzugsplänen.  © Maik Börner

Für den Stadtrat kam der Rückzug von Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne) sehr überraschend.

• Volkmar Zschocke (56, Grüne): "Auch ich habe erst vorgestern davon erfahren. Ihn hat die Bereitschaft ausgezeichnet, sich abzustimmen, um zu einer gemeinsamen tragfähigen Lösung zu kommen."

• Falk Ulbrich (58, CDU): "Der Umgang war respektvoll auch bei unterschiedlichen Meinungen. Er hatte ein schweres Dezernat mit vielen Interessenlagen zu führen."

• Volker Dringenberg (52, AfD): "Als Mensch war Herr Stötzer sehr umgänglich und sympathisch, fachlich gibt und gab es natürlich vieles zu kritisieren."

• Jeannette Wilfer (34, BSW): "Sein Weggang ist ein großer Verlust für Chemnitz. Der Bau von Schulen und Kindergärten oder der Bernsdorfer Schwimmhalle wurden trotz Schwierigkeiten in der Corona-Krise realisiert."

• Jacqueline Drechsler (48, SPD): "Mich macht sein Weggang traurig. Er war skandalfrei, 'Südverbundgeschichten' wie bei anderen findet man bei ihm nicht."

• Susanne Schaper (47, Linke): "Wir haben ihn als sehr engagierten Bürgermeister erlebt. Er hat sich stets für sein Fachgebiet eingesetzt, auch wenn es oft nicht einfach war."

Titelfoto: Uwe Meinhold

Mehr zum Thema Chemnitz Politik: