BSW-Fraktion fordert Rückkehr zur "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft"
Chemnitz - Zwischen Chemnitz und Wolgograd herrscht Eiszeit.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Beziehungen zur Partnerstadt eingefroren. Weil das Chemnitzer Rathaus sich nicht bewegt, will das BSW nun per Ratsbeschluss die Verbindung zu der Metropole wiederbeleben.
"Wie kann ein Besuch von Vertretern aus Wolgograd zur Reaktivierung der Städtepartnerschaft mit Chemnitz während des Kulturhauptstadtjahres realisiert werden?"
Genau darüber soll sich das Rathaus nach dem Willen des BSW Gedanken machen und verweist auf eine frühere Äußerung von OB Sven Schulze (53, SPD): "Es ist Putins Krieg, nicht der des russischen Volkes."
Doch dafür könne die Stadt Wolgograd beziehungsweise deren Zivilgesellschaft nichts, begründet die Fraktion ihren Vorstoß.

Kein Dialog vor Kriegsende

OB Schulze bleibt allerdings hart und wiederholt: "Die offiziellen Kontakte nach Russland bleiben eingestellt, bis der Angriffskrieg gegen die Ukraine tatsächlich beendet ist."
Man habe nach dem ersten Angriff den Kontakt gesucht, aber im März 2022 nur eine knappe Antwort von Gebietsgouverneur Andrej Botscharow (55) erhalten: "Ich unterstütze voll und ganz die Entscheidung des russischen Präsidenten, eine spezielle Militäroperation durchzuführen." Seitdem herrsche Schweigen. Auch eine Kontaktaufnahme mit der Zivilbevölkerung ist nach Einschätzung von OB Schulze gegenwärtig nicht möglich, "da diese durch Kontakte zu westlichen Staaten in Gefahr gebracht werden".
Chemnitz und Wolgograd pflegen seit 1988 eine Städtepartnerschaft. Das letzte gemeinsame Projekt: 2021 wurde eine CVAG-Straßenbahn auf den Namen "Wolgograd" getauft.
Damals investierte das Rathaus 12 Euro in die "Deutsch-Sowjetische Freundschaft", die längst eine deutsch-russische wäre: Das Geld wurde "verwendet, um Fotos zu entwickeln und nach Wolgograd zu senden, da keine Gäste von dort anwesend waren", so Sven Schulze.
Titelfoto: Kristin Schmidt