Waschbär-Plage in Chemnitz: Grundstücks-Eigentümer müssen selbst jagen
Chemnitz - In Chemnitz ist der Waschbär los. Bei den Jägern heißt es deshalb schon seit geraumer Zeit: "Feuer frei!" Grundstückseigentümer sind auf diesen hingegen selbst der Jagdherr, erklärte Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (60, parteilos) auf Anfrage von Linken und Grünen.

Doch was tun, wenn sich das Säugetier in den eigenen Garten verirrt? "Gemäß dem Sächsischen Jagdgesetz ist es jedem Eigentümer von Grundstücken gestattet, Waschbären in einer Lebendfalle zu fangen", sagt Runkel.
Jedoch sei es nicht die Aufgabe der Jagdbehörde, eine solche zur Verfügung zu stellen: "Hier zählt die Verpflichtung des Grundeigentümers: sein Eigentum."
Die Stadt selbst habe zwar einmal eine solche Lebendfalle (Kosten: circa 150 Euro) besessen. Diese wurde aber zerstört ... von einem Waschbären.
Wer sich also eine solche anschafft und einen Waschbären fängt, der könne diesen laut Runkel in der sogenannten Fallwildtonne auf dem Gelände der Feuerwache 3 "verbringen".
Dort steht man jedoch vor geschlossenen Pforten: "Wir dürfen gar keine Tiere von Privatgrundstücken annehmen", sagt ein Mitarbeiter am Telefon, "den müssen sie zum Jäger oder zum ASR bringen".


"Es ist mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, Waschbären in Chemnitz zu sehen"

Wie in vielen Städten ist auch in Chemnitz zu beobachten, dass der Waschbär es sich zunehmend im urbanen Raum gemütlich macht: "Es ist mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, Waschbären in Chemnitz zu sehen", erklärt Sandra Kögel (45), Vorsitzende der Chemnitzer Tierrettung.
Die Stadt berichtet, dass von 2019 bis 2021 insgesamt 230 Waschbären durch Jäger im Stadtgebiet (inklusive Jagdgebiete) erlegt wurden.
Tierschützerin Sandra Kögel mahnt: "Es liegt an uns allen, ob die Waschbären perspektivisch zu einem größeren Problem werden. Essensreste und Müll auf den Straßen z.B. sind für den 'Allesfresser' verlockend."
Tierretterin Sandra Kögel (40) weist noch einmal explizit darauf hin, dass es Grundstücks-Eigentümern nicht erlaubt ist, das Tier zu verletzen. Stattdessen gibt sie folgende Handlungsempfehlung, sollte es sich das Tier im eigenen Garten gemütlich machen: "Gartenbesitzer sollten daher möglichst auf geschlossene Kompostbehälter zurückgreifen und ihre Gartenhäuser auf undichte Stellen im Dach regelmässig prüfen, denn diese wirken wie eine Einladung für die eigentlich nachtaktiven Waschbären, um sich dort einen Ruheplatz einzurichten."
Titelfoto: Eric Muench, dpa/Britta Pedersen