Radweg mitten durch die Haltestelle: Was hat sich Chemnitz dabei gedacht?
Chemnitz - Ist das gewollt oder einfach passiert? Auf der gerade fertig sanierten Lutherstraße in Chemnitz ist die Bushaltestelle zwar barrierefrei, doch der Radweg geht direkt zwischen Wartehäuschen und Fahrbahn entlang.

Das Chemnitzer Rathaus sieht sich im Recht und keinen Handlungsbedarf.
"Diese Radverkehrsführung im Bereich von Bushaltestellen bei beengtem Verkehrsraum entspricht dem Regelwerk", antwortet die Pressestelle auf eine TAG24-Anfrage.
"Der Bus fährt auf der Straße bei paralleler Radverkehrsführung im Seitenbereich."
Der Knackpunkt: "Beim Bushalt mit Fahrgastwechsel erfolgt ein Queren des Radfahrstreifens durch die Fahrgäste."
ADFC sieht's kritisch - aber ganz ohne Konflikte geht's nicht

Beim Chemnitzer ADFC ist man nicht glücklich über die Lösung, aber: "Wir können nicht die Protestfahnen schwingen", sagt Kreisverbands-Chef Ralph Sontag (59). "Wir wollen ja einen eigenen Streifen für Radfahrer haben. Dann muss man dort auch damit leben, dass Ein- und Aussteigevorgänge stattfinden. Egal, welche Lösung man findet, man wird immer einen Konflikt haben."
Die Radspur hinter die Haltestelle zu legen, hätte möglicherweise Auseinandersetzungen mit Fußgängern zur Folge.
Rechtlich ist die Lage klar. "In der Theorie", schmunzelt Verkehrsrechtsexperte Frank Schubert. "Oft sieht die Praxis leider anders aus."
Fußgänger und Radfahrer haben laut StVO jeweils Pflichten, erläutert der Chemnitzer Anwalt. "Radfahrer dürfen Aus- und Einsteigende nicht einfach über den Haufen fahren. Doch auch die Fahrgäste müssen besondere Sorgfalt walten lassen, wenn Sie die Fahrbahn betreten."
Titelfoto: Petra Hornig