Ein halbes Jahr ohne Galeria Kaufhof in Chemnitz: Profitiert die Galerie Roter Turm?

Chemnitz - Seit der Schließung von Galeria Kaufhof im vergangenen Jahr steht die Chemnitzer Innenstadt vor einer Herausforderung: Ein wichtiger Einzelhandelsmagnet ist weggefallen und viele Kunden fragen sich, wo sie nun ihre Einkäufe erledigen können. Doch bedeutet das automatisch mehr Zulauf für andere Einkaufszentren wie etwa die Galerie Roter Turm?

Die Galerie Roter Turm ist derzeit der größte Shopping-Anlaufpunkt im Zentrum.
Die Galerie Roter Turm ist derzeit der größte Shopping-Anlaufpunkt im Zentrum.  © Uwe Meinhold

Center-Manager Jörg Knöfel (56) dämpft die Erwartungen.

"Es gibt einige Sortimente, die natürlich bei uns im Haus von der Schließung des Kaufhofs profitieren. Sortimente, die es also im Kaufhof gegeben hat. Da spüren wir schon, dass da auch Kunden gewechselt sind, aber das ist marginal und beeinflusst das Gesamtbild nicht wesentlich", erklärt der Center-Manager.

Besonders im Buchhandel-, Haushaltswaren- und Parfümerie-Bereich scheint ein kleiner Kundenzuwachs erkennbar zu sein. Doch einen echten Boom gibt es nicht.

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Eine weitere Hoffnung war, dass durch den Leerstand von Kaufhof neue Händler in die Galerie Roter Turm strömen. Doch auch hier gibt es eher Ernüchterung.

Center-Manager Jörg Knöfel (56) hofft auf eine schnelle Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhofs, um vermehrtes Online-Shopping zu reduzieren.
Center-Manager Jörg Knöfel (56) hofft auf eine schnelle Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhofs, um vermehrtes Online-Shopping zu reduzieren.  © Ralph Kunz
Vor allem der Buchhandel konnte einen Kundenzuwachs verzeichnen. (Symbolbild)
Vor allem der Buchhandel konnte einen Kundenzuwachs verzeichnen. (Symbolbild)  © dpa/Jens Büttner
Auch die Parfümerien profitieren ein wenig von der Kaufhofschließung. (Symbolbild)
Auch die Parfümerien profitieren ein wenig von der Kaufhofschließung. (Symbolbild)  © Aliaksei Smalenski

Galerie Roter Turm als neue Einkaufs-Hochburg von Chemnitz?

Einzelne Händler konnten einen Kundenzuwachs seit der Kaufhofschließung verzeichnen.
Einzelne Händler konnten einen Kundenzuwachs seit der Kaufhofschließung verzeichnen.  © Uwe Meinhold

"Die Vermietungszeiten, um eine Leerfläche wieder zu vermieten, sind deutlich länger als früher. Da hat die Schließung vom Kaufhof sicherlich kein positives Signal gesendet."

Im Gegenteil: "Ich glaube, wenn der Kaufhof noch bestehen würde, wäre es interessanter, eine größere Fläche anzumieten." Ein weiteres Problem: Ungewissheit! "Ich glaube, dass viele auch einfach mal abwarten, was da im Kaufhof, zumindest in der Ersten, also im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss, passieren wird", analysiert Knöfel.

Könnte sich die Galerie Roter Turm als die neue Einkaufs-Hochburg von Chemnitz etablieren? Knöfel winkt ab: "Dafür sind wir vom Grunde her zu klein."

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Er hofft, dass das Kaufhof-Gebäude schnell eine neue Nutzung findet: "Vielleicht auch mit Angeboten oder Sortimenten, die es bisher noch nicht gegeben hat. Das wäre sehr schön. Und vielleicht gelingt es auch noch, ein paar andere Leerstände in der Innenstadt wieder neu zu beleben."

Gähnende Leere

Profitiert die Galerie Roter Turm von der Schließung des Kaufhofs nach einem halben Jahr?
Profitiert die Galerie Roter Turm von der Schließung des Kaufhofs nach einem halben Jahr?  © Uwe Meinhold

Kommentar von Lena Plischke

Es ist ein bekanntes Muster: Zum Weinfest oder Eiszauber strömen die Menschen in die Chemnitzer Innenstadt, doch sobald die Buden verschwinden, herrscht wieder gähnende Leere.

Die Hoffnung, dass andere Einkaufszentren wie die Galerie Roter Turm nach der Schließung von Galeria Kaufhof mehr Kunden anziehen, hat sich nur bedingt erfüllt. Einzelne Geschäfte verzeichnen leichte Zugewinne, doch ein echter Aufschwung bleibt aus.

Viel gravierender ist jedoch die langfristige Entwicklung der Innenstadt. Mit dem Wegfall vom Kaufhof ist ein wichtiger Anziehungspunkt für Kundschaft aus der Region verschwunden. Bereits in den vergangenen Jahren haben zahlreiche bekannte Modeketten ihre Filialen in Chemnitz geschlossen. Der Leerstand wächst und mit ihm das Problem: Weniger Geschäfte bedeuten weniger Besucher, was wiederum die Attraktivität des Standorts weiter senkt.

Dabei zeigt sich bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder Stadtfest, dass die Menschen durchaus bereit sind, in die Innenstadt zu kommen. Doch solche Events können den strukturellen Niedergang des Einzelhandels nicht aufhalten.

Was Chemnitz braucht, sind dauerhafte Anreize, sei es durch ein abwechslungsreicheres Geschäftsumfeld, bessere Aufenthaltsqualität oder ein schlüssiges Konzept zur Belebung leerer Flächen.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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