Bahnverband schimpft über Chaos-Strecke Chemnitz - Leipzig: "Kulturhauptstadt blamiert sich!"
Chemnitz/Leipzig - Auf der Zugstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig herrschen chaotische Zustände: Ausfälle, Verspätungen und überfüllte Ersatzbusse. Dem Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland platzt der Kragen: "Die Europäische Kulturhauptstadt blamiert sich!"

"Es ist ein Riesenskandal, dass die Kulturhauptstadt Chemnitz in einem so wichtigen Jahr so schlecht zu erreichen ist", schimpft Markus Haubold (39) vom Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland.
Besonders ärgert sich der Bahn-Experte über die Ausfälle am vergangenen Sonntag. Zahlreiche Züge fuhren nicht, zudem wurden viel zu kleine SEV-Busse eingesetzt, die nicht alle Fahrgäste transportieren konnten.
Ein ÖPNV-Nutzer schilderte dem Fahrgastverband, dass stundenlang kein Zug von Chemnitz nach Leipzig fuhr. Als er dann endlich in einem Doppelstockwagen saß, fiel plötzlich der Strom aus - die Fahrgäste saßen bei einsetzender Dämmerung im Dunklen!
Haubold zeigt sich entsetzt über die chaotischen Zustände: "Wir haben keinerlei Verständnis mehr für die stetig wiederkehrenden massiven Einschränkungen auf der Strecke. Eine derart hohe Ausfallrate der Fahrzeugtechnik verbunden mit viel zu geringen Reservekapazitäten sind nicht hinnehmbar und zeigen nur zu deutlich, wie stark man hier 'auf Kante' geplant hat."

Eingleisige Strecke und defekte Loks: Zahlreiche Probleme auf Chaos-Strecke

Eigentlich sollte mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 alles besser werden: Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) setzte auf Doppelstockzüge, die die alten DDR-Bahnen ersetzten. Doch die neuen Züge machten Probleme - vor allem die Lokomotiven streikten immer wieder. Mittlerweile kündigte die MRB Ersatzbusse zwischen Chemnitz und Leipzig und einen weiteren Direktzug, der über Riesa fährt, an.
Dazu kommt: "Verspätungen oder Ausfälle werden häufig erst zu einem sehr späten Zeitpunkt mitgeteilt, was zu erheblichem Unmut führt", sagt Haubold.
Das größte Problem zwischen Chemnitz und Leipzig ist aber die eingleisige Strecke. Hat ein Zug Verspätung, muss die entgegenkommende Bahn oftmals warten - das führt zu weiteren Verspätungen. Zwar soll die Strecke in Zukunft zweigleisig ausgebaut werden, jedoch geht das dem Fahrgastverband nicht schnell genug.
"Dass die sächsische Landesregierung nun im Zuge der Haushaltsplanungen ankündigt, die Planungen auf dem Abschnitt Geithain – Bad Lausick – Leipzig zu verzögern, lässt einen völlig fassungslos zurück und zeigt die verfehlte Prioritätensetzung", schimpft Haubold.
Titelfoto: Bildmontage: Maik Börner, Kristin Schmidt