Chemnitz - Aufbruchsstimmung bei der Chemnitzer Tourist-Info am Markt: Das zentrale Drehkreuz für Gäste untersteht seit Dienstag dem Tourismusverband Chemnitz/Zwickau. Bislang hatte die kommunale Chemnitzer Tourismus- und Marketing GmbH (CTM) den Hut auf. Was wird jetzt wirklich anders?
"Jetzt ist die Tourist-Information in einer touristischen Struktur und kein Anhängsel einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mehr", bringt es OB Sven Schulze (53, SPD) auf den Punkt. "Gerade im KuHa-Jahr durfte es keinen Bruch geben."
Die in den letzten Jahren sehr glücklos agierende CTM wird zum Jahresende von der Bildfläche verschwinden, jetzt soll der überregional tätige Tourismusverband frischen Wind in die Touri-Werbung bringen.
"Wir haben uns die Arbeit hier im Vorfeld natürlich angeschaut", sagt Geschäftsführerin Marika Fischer (42). "Wir wissen, dass wir ein paar Dinge optimieren müssen, zum Beispiel digitaler werden."
Schon jetzt gibt es in den Vitrinen neue Chemnitz-Artikel, wie den Reiseführer der Sparkasse oder T-Shirts. Bei den schon länger geplanten Sonntagsöffnungszeiten planen die Neubetreiber zunächst einen Testbetrieb bei Großevents wie dem Hutfestival.
Handlungsbedarf bei Arbeitsbedingungen der vier von der Stadt bezahlten Mitarbeiterinnen
Auch bei den Arbeitsbedingungen der vier weiter von der Stadt bezahlten Mitarbeiterinnen sei Handlungsbedarf.
"Wir planen Lärmschutzwände, außerdem wollen wir Klimatürme nachrüsten", so Marika Fischer. Noch im letzten Jahr hatte deswegen sogar ein Umzug zur Debatte gestanden.
"Ich habe mich in Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen aber vom Gegenteil überzeugen lassen", ergänzt OB Schulze. "Man muss vor allem die Eins-a-Lage sehen. Wenn man auf den Markt kommt, sieht man die Tourist-Information."
Die Aufgaben sind für den OB klar verteilt: "Als Stadt geben wir die Strategie vor, und der Tourismusverband betreibt die Tourist-Info oder kümmert sich um Messen. Ich werde persönlich darauf achten, dass die Chemnitzer Belange nicht unter die Räder kommen."
Gemeinsam vermarktet
Kommentar von Raik Bartnik
So ziemlich genau ein Vierteljahr 2025 ist rum, seit drei Monaten ist Chemnitz Kulturhauptstadt. Von dem touristischen Hype der ersten Wochen haben wir in der ersten Zwischenbilanz schon mit Staunen und Freude erfahren. Dabei kommt die Saison erst so richtig in Fahrt.
Von der Tourist-Info haben wir bislang noch nicht so viel gehört, doch vier Mitarbeiterinnen arbeiten dort mit großem Fleiß und Engagement. Sie stehen hinter zwei Schaltern in einem eher stickigen Raum mit hohem Modernisierungsbedarf. 200 Gästeanfragen am Tag nehmen die Damen entgegen und tun, was sie können. Bislang waren sie der CTM (früher CWE) unterstellt, ab sofort gehören sie zum Tourismusverband Chemnitz/Zwickau.
Dort weiß man natürlich, wie Tourismus geht. Deswegen ist der Plan auch erst mal gut. Mehr Digitalisierung, Schulterschluss mit den Gästeführern und Sonntagsöffnung: All das klingt vielversprechend.
Nur kann man Chemnitz und Zwickau touristisch zusammen vermarkten? Als KuHa-Region auf jeden Fall, auch wenn Chemnitzer und Zwickauer ja traditionell keine Riesen-Sympathie verbindet. Der OB will in diesem Pilotprojekt sagen, wo es für Chemnitz langgeht, hat er versprochen. Deswegen schauen wir es uns an. Ich bin guter Hoffnung.