Immer krasser! - Jugendgewalt und rechte Straftaten nehmen rasant zu
Chemnitz/Zwickau - Zahlen, bitte: Die Polizeidirektionen aus Chemnitz und Zwickau haben ihre Kriminalitätsstatistik für 2024 auf den Tisch gelegt.

Während die Gesamtzahl der Delikte im Raum Chemnitz stabil bleibt, verzeichnet Zwickau einen Anstieg. Besonders alarmierend: die wachsende Gewalt unter Jugendlichen, die Zunahme von Messerangriffen und ein Anstieg bei politisch motivierten Straftaten.
Insgesamt wurden 2024 in Chemnitz 45.510 Straftaten registriert, in Zwickau 26 932 - wobei die Aufklärungsquote in Chemnitz mit 65,5 Prozent höher liegt als in Zwickau mit 59,9 Prozent. Für den Direktionsbereich Zwickau bedeutet dies einen Anstieg der Kriminalität von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Erzgebirge, in Mittelsachsen und der Stadt Chemnitz sind die Straftaten um 1,4 Prozent zurückgegangen.
Ein erschreckender Trend setzt sich fort: Fast ein Viertel aller Tatverdächtigen (23,5 Prozent) in Zwickau sind Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene bis 21 Jahre.
Noch schlimmer ist es bei Gewaltdelikten - hier sind es sogar 39 Prozent. Auch in Chemnitz und dem Erzgebirgskreis bleibt die Zahl junger Täter hoch.
"Das gemeinsame Ziel muss lauten, sich mit aller Kraft diesem Trend hoher Kinder- und Jugendkriminalität zu stellen", so der Chemnitzer Polizeipräsident Carsten Kaempf (56).
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Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen: Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist 2024 explodiert - besonders im rechten Spektrum. Insgesamt gab es im Vogtland, in Plauen, Zwickau und im Kreis Zwickau 979 solcher Straftaten, davon 706 Fälle rechter Kriminalität, 67 linksmotivierte Straftaten, zehn religiös motivierte Straftaten. 196 davon waren keinem Spektrum zuzuordnen. "Wir beobachten hier einen vermehrten Zulauf von jungen Menschen in die rechte Szene", erklärt Zwickaus Polizeipräsident Dirk Lichtenberger.
Im Vergleich zu 2023 wurde vom Vogtland bis in den Landkreis Zwickau ein Anstieg dieser Taten um 408 Fälle verzeichnet. Eine Erklärung für den starken Anstieg der politisch motivierten Straftaten sei laut Polizei im Zusammenhang mit den Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen im vergangenen Jahr zu sehen. Auch Angriffe auf Politiker und Parteibüros nahmen zu.
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Titelfoto: Bildmontage: Andreas Kretschel, Kristin Schmidt