Aus nach knapp 70 Jahren: Malimo-Ära endet in Chemnitz
Chemnitz - Eine Ära des Maschinenbaus in Chemnitz geht zu Ende. Die KARL MAYER Technische Textilien GmbH in der Mauersbergerstraße stellt die Produktion von Textilmaschinen ein. Die Firma mit aktuell noch 110 Mitarbeitern ist das Nachfolgeunternehmen des traditionsreichen Malimo-Werkes.

Die Produktion von Textilmaschinen soll an andere Standorte der KARL MAYER Gruppe verlagert werden, bestätigte die Firmengruppe auf TAG24-Anfrage.
"Eine wirtschaftlich tragfähige Produktion ist am Standort Chemnitz nicht mehr möglich", teilte eine Firmen-Sprecherin mit.
"Hintergrund sind tiefgreifende strukturelle Veränderungen in den globalen Textilmärkten sowie ein verstärkter Wettbewerb durch asiatische Hersteller."
Komplett geschlossen werden soll die Niederlassung in der Mauersbergerstraße jedoch nicht. Uwe Lüders, Vorstand der KARL MAYER Holding: "Wir setzen weiterhin auf die Produkte der technischen Textilien und werden deswegen wichtige Funktionen am Standort erhalten, wie die Betreuung und Weiterentwicklung des Maschinenportfolios."

Wie es weiter geht, ist noch offen

Die Chemnitzer Beschäftigten wurden kürzlich über die Pläne des Konzerns informiert. Wie es genau weitergeht, ist noch offen.
Betriebsrats-Vorsitzender Knut Langkop: "Die Gespräche mit dem Wirtschaftsausschuss und dem Gesamtbetriebsrat haben vergangenen Freitag begonnen. Die Situation ist für die gesamte Belegschaft belastend und herausfordernd."
Eddie Kruppa (31), Bevollmächtigter der IG Metall, bedauert: "Es ist schade um dieses Traditionsunternehmen. Da keine Gewerkschaftsstruktur besteht, können wir wenig tun."
Die KARL MAYER Gruppe beschäftigt weltweit 2800 Mitarbeiter und unterhält internationale Tochterunternehmen, unter anderem in Italien, den USA, Indien und China.

Das bedeutet Malimo

Die Marke Malimo steht für ein von Heinrich Mauersberger (1909-1982) erfundenes Nähwirkverfahren. Der Ingenieur bildete den Kunstbegriff aus den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens und der Abkürzung seiner Heimatstadt Limbach-Oberfrohna.
Die dafür entwickelten Textilmaschinen waren ein Exportschlager der DDR. Sie wurden ab 1956 im VEB Nähwirkmaschinenbau in Karl-Marx-Stadt hergestellt. Wie diese aussahen und funktionieren, zeigt eine Ausstellung im Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna.1992 übernahm der hessische Maschinenbauer Karl Mayer das Malimo-Werk und investierte in einen neuen Produktionsstandort in der Mauersbergerstraße.
Die marode DDR-Fabrik in der Annaberger Straße wurde 2009 abgerissen. 2012 übergab die KARL MAYER Gruppe die Lizenz für Malimo-Nähwirkmaschinen an einen Hersteller in Limbach-Oberfrohna.
Die Chemnitzer spezialisierten sich auf Maschinen für technische Textilien.
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold