Kostspieliger Fehler: Gelbhaar fordert saftigen Schadensersatz vom rbb
Berlin - Im Fall rund um Stefan Gelbhaar (48, Grüne) hat sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert - das könnte die Sendeanstalt jetzt teuer zu stehen kommen.

Denn der Bundestagsabgeordnete soll vom rbb jetzt satte 1,7 Millionen Euro fordern, wie der Sender am Donnerstag mitteilte.
Bei 1,2 Millionen Euro der veranschlagten Summe handle es sich demnach um Schadensersatz. Gelbhaars Anwalt begründet die Forderung mit Einnahmen, die dem Grünen-Politiker durch die verpasste Wiederwahl in den Bundestag in den kommenden Jahren entgehen würden.
Die Rundfunkanstalt wies die Höhe der Forderung als "unangemessen zurück" und machte darauf aufmerksam, dass Gelbhaar zum Zeitpunkt der beanstandeten Berichterstattung bereits auf einen Platz auf der Landesliste der Grünen verzichtet habe.
Ende Dezember berichtete der rbb über Belästigungsvorwürfe gegen den Politiker, woraufhin die Grünen ihren Direktkandidaten für den Berliner Bezirk Pankow Anfang Januar austauschten.
rbb räumt schwerwiegende Fehler in der Affäre Gelbhaar ein

Der 48-Jährige bestritt die Anschuldigungen vehement und wie sich herausstellte auch zu Recht. Denn die Schmutzkampagne entpuppte sich als parteiinterne Intrige, hinter der mutmaßlich Shirin Kreße (27), Vorsitzende der Grüne-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte, stecken soll.
Sie legte Mitte Januar ihr Mandat nieder und trat aus der Partei aus, nachdem bekannt wurde, dass die Vorwürfe gegen Gelbhaar allenfalls frei erfunden waren.
Auch der rbb zog einen Teil seiner Berichterstattung zurück und räumte schwerwiegende Fehler ein. Eine gewisse "Anne K." hatte dem Sender eine eidesstattliche Versicherung im Zusammenhang mit den Vorwürfen abgegeben. Wie der rbb (zu spät) feststellte, existierte diese Person aber offenbar gar nicht.
Der Sender entschuldigte sich daraufhin bei Stefan Gelbhaar, der sich jedoch nicht damit abspeisen lassen wollte. Nach Lage der Dinge werden sich jetzt wohl erst einmal die Anwälte beider Seiten mit dem Fall beschäftigen müssen und am Ende womöglich auch das Gericht.
Titelfoto: Soeren Stache/dpa, Michael Kappeler/dpa (Bildmontage)